Doch statt abzuheben, fiel der Aktienkurs der Ex-Softwarefirma von Michael Saylor nach einer kleinen Erholungsbewegung unmittelbar zurück auf sein Ausgangsniveau. Im Moment des Schreibens steht die MSTR-Aktie nachbörslich bei 157 US-Dollar und damit 52 Prozent unter ihrem Vorjahresniveau sowie 65 Prozent unter ihrem Allzeithoch aus dem Juli. Dass dem so ist, liegt womöglich nicht nur am gleichermaßen gescheiterten Bitcoin-Ausbruch.

Im Statement des Indexanbieters hieß es, dass MSCI “eine umfassendere Konsultation zur Behandlung von nicht operativen Unternehmen im Allgemeinen” durchführen wird. Grundsätzlich will man Aktien solcher Firmen ausschließen, deren Hauptaktivitäten investitionsorientierter Natur sind. Das könnte verschiedenste Bitcoin- und Krypto-Treasuries betreffen, obwohl Saylor den Vergleich von MicroStrategy mit einem Fonds oder einer Holding bestritt, da er die “erste digitale Geldinstitution” der Welt aufbauen wolle.
Phong Le, der amtierende MicroStrategy-CEO, hatte den ursprünglichen MSCI-Ausschlussvorschlag daher als einen Akt willkürlicher Diskriminierung kritisiert, der sich pauschal gegen digitale Innovationen richte. Bitcoin-Firmen für den Besitz von BTC auszuschließen ist ihm zufolge wie die “Bestrafung von Chevron für den Besitz von Öl”.
Ein wichtiges Detail, das im Zuge der Erleichterung über den (vorläufigen) Nichtausschluss nun von vielen Anlegern übersehen wurde: MSCI hat gleichzeitig eine technische Sperre für die Aktienanzahl von MicroStrategy, Strive, Metaplanet und Co. eingeführt. “MSCI wird keine Erhöhungen der Anzahl der Aktien (NOS), des Auslandsanteilsfaktors (FIF) oder des Inlandsanteilsfaktors (DIF) für diese Wertpapiere vornehmen”, erklärt der Indexanbieter. In der Praxis wird damit die Verbindung zwischen neuen Aktienemissionen und automatischen passiven Käufen effektiv gekappt, was die Bitcoin-Käufe der Treasury-Firmen beeinflussen könnte.
Bislang funktionierte das Indexspiel für MicroStrategy wie folgt: Gab das Unternehmen neue Aktien aus, um weitere BTC zu akkumulieren, passte MSCI später die Aktienzahl an. ETFs, die den Index nachbilden, mussten daraufhin zwangsläufig einen Teil der neuen Aktien erwerben, was einem ein preisunabhängigen Nachfrageanker gleichkommt. Mit der neuen “Freeze”-Regel ist dieser Automatismus nun aber Geschichte. Selbst wenn MicroStrategy seine Aktienzahl 2026 massiv ausweiten würde, blieben die neuen Papiere für die Indexberechnung schlichtweg außen vor, sodass das Gewicht im Index nicht steigt.

Durch dieses Wegbrechen des garantierten Käuferkreises müssen sich die Bitcoin-Treasury-Firmen fortan auf aktive Manager, Hedgefonds und Privatanleger fokussieren, um frisches Kapital einzusammeln. Ohne die strukturelle ETF-Nachfrage steigt zudem das Risiko einer Preiskorrektur bei Aktienverwässerungen. Für MicroStrategy ist die neue MSCI-Logik eine Zäsur, aber auch kein Weltuntergang.
Die automatische Nachfrage fällt zwar weg, doch über Vorzugsaktien oder Wandelanleihen könnte Saylor seine Bitcoin-Akkumulationsmaschine 2026 erneut auf Hochtouren laufen lassen. Überzeugungskraft hat der wortgewaltige Unternehmer schließlich wie kaum ein anderer Bitcoiner. Sollte er mit seiner Mission Erfolg haben, könnte sich die aktuelle Krise beim Aktienkurs rückblickend als ideale Einstiegschance entpuppen. Mit einem gerade mal 3-prozentigen Premium im Vergleich zum Wert der gehaltenen Bitcoin wurde die MSTR-Aktie zuletzt Anfang 2023 gehandelt. Der damalige Kurs (unter Berücksichtigung des 1:10 Aktiensplits): Bescheidene 16 US-Dollar.

Quellen
Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.