Ausgemustert und unterbewertet: TeamViewer stürzt in den SDAX
TeamViewer verlässt den MDAX – doch während Anleger die Aktie auf ein Mehrjahrestief gedrückt haben, sehen manche Analysten genau jetzt den Einstiegszeitpunkt. Was steckt hinter dem überraschenden Meinungsumschwung?
Mit Wirkung zum heutigen Montag ist TeamViewer aus dem MDAX ausgeschieden und in den kleineren SDAX abgestiegen. Der Grund: Innerhalb eines einzigen Jahres hat die Aktie des Fernzugriffsspezialisten aus Göppingen mehr als 60 Prozent ihres Wertes verloren – zu viel, um noch die Mindestanforderungen an Marktkapitalisierung und Streubesitz für den Mittelwertindex zu erfüllen. Aktuell notiert das Papier bei rund 4,40 Euro.
Doch ausgerechnet jetzt stufen Analysten der DZ Bank die Aktie von „Halten" auf „Kaufen" hoch – und sehen einen fairen Wert von 6,50 Euro je Aktie. Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von knapp 50 Prozent. Begründung: Die Bewertung sei schlicht „extrem günstig" – ein KGV von unter 4,0 suche im deutschen Technologiesektor seinesgleichen.
Operativ läuft es bei TeamViewer allerdings alles andere als rund. Das Kerngeschäft mit Fernwartungslizenzen für kleine und mittelständische Unternehmen stagniert. Die jährlich wiederkehrenden Erlöse in diesem Segment sind 2025 leicht geschrumpft. Das Geschäft mit Großkunden wächst zwar noch – doch auch dort lässt die Dynamik nach: Lag das ARR-Wachstum im Enterprise-Segment vor einem Jahr noch bei 21 Prozent, hat es sich seitdem fast halbiert. Für 2026 erwartet das Unternehmen selbst kaum mehr als eine Stagnation beim Umsatz, kombiniert mit leicht sinkenden Margen.
TeamViewer ist 2005 gegründet worden und zählt heute zu den bekanntesten Anbietern von Remote-Desktop-Software weltweit. Rund die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen außerhalb der EMEA-Region. Wichtigste Konkurrenten sind internationale Schwergewichte wie Microsoft – das mit Windows-eigenen Remotelösungen immer stärker in das Kerngeschäft von TeamViewer drängt – sowie spezialisierte Anbieter wie PTC. Beide Wettbewerber werden an der Börse mit einem KGV von rund 20 bewertet, was die Diskrepanz zur TeamViewer-Bewertung besonders deutlich macht.
Das Unternehmen versucht gegenzusteuern: Mit kostenlosen Einstiegsangeboten soll die Nutzerbasis im KMU-Segment wieder wachsen, bevor KI- und Automatisierungsfunktionen zahlende Kunden anziehen. Strategisch setzt TeamViewer auf eine Neupositionierung als Anbieter für „Autonomes Endgerätemanagement" – ein Wachstumsmarkt, der auf proprietären Daten basiert und daher schwerer durch neue Konkurrenten angreifbar sein soll. Die dafür im vergangenen Jahr übernommene Firma 1E belastete den Cashflow 2025 erheblich, soll mittelfristig aber Cross-Selling-Potenziale heben.
Trotz der operativen Schwäche erwirtschaftet TeamViewer seit 2020 nahezu durchgängig einen operativen Cashflow von über 200 Millionen Euro jährlich – ein Puffer, der das Unternehmen auch in mageren Wachstumsphasen stabilisiert. Pikant: Rund zwölf Prozent der im Umlauf befindlichen Aktien sind derzeit leerverkauft. Sollte der Kurs anziehen, könnten Eindeckungskäufe der Leerverkäufer die Rally zusätzlich beschleunigen.
Hinweis:
ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen.
Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich
dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch
eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link
„Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für
diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.