Lange Zeit verfolgte die US-Notenbank eine Strategie des “Average Inflation Targeting” (AIT). Dieses Rahmenwerk erlaubte es, eine Phase höherer Inflation in Kauf zu nehmen, solange der Durchschnitt über mehrere Jahre bei rund zwei Prozent lag. Auf dem diesjährigen Jackson-Hole-Symposium hat Fed-Chef Jerome Powell nun signalisiert: Diese Ära ist vorbei.
“Der geldpolitische Rahmen steht wieder auf einer eher traditionellen Grundlage”, so Powell in seiner Rede. Das bedeutet: Die Fed richtet ihren Blick wieder stärker auf das klassische Zwei-Prozent-Ziel, ohne dabei die Entwicklungen am Arbeitsmarkt aus den Augen zu verlieren.
Für Anleger ist das eine Zäsur. Einerseits signalisiert Powell Offenheit für Zinssenkungen im September – vorausgesetzt, die Arbeitsmarktdaten schwächen sich ab. Andererseits bleibt die Preisstabilität oberstes Ziel, was die Erwartungen an eine schnelle geldpolitische Lockerung dämpft.
Die geldpolitische Unsicherheit wird zusätzlich durch den wachsenden Einfluss von US-Präsident Donald Trump verstärkt. Laut einem Bericht von Investors.com kontrolliert Trump bereits drei der sieben Gouverneursposten im Fed-Board. Sollte Powell im kommenden Jahr zurücktreten, könnte Trump eine Mehrheit im Direktorium erreichen – und damit auch mehr Einfluss auf die Ernennung regionaler Fed-Präsidenten gewinnen, die über fünf der zwölf FOMC-Stimmen verfügen.
Für die Märkte bedeutet das: Die Unabhängigkeit der Fed könnte zunehmend infrage gestellt werden. Investoren müssen künftig stärker einkalkulieren, dass politische Interessen die Geldpolitik mitbestimmen.
Trotz der Aussicht auf eine Zinssenkung bleibt der Dollar verhältnismäßig stark. Der US-Dollar-Index (DXY) notiert aktuell bei 98 Punkten. Charttechnisch stehen zwei Marken im Fokus:
Der RSI liegt bei 44 bis 49 und signalisiert eine neutrale bis leicht schwächere Tendenz. Dass der US-Dollar trotz wachsender Zinssenkungsfantasie steigt, liegt vor allem an der Positionierung. Viele institutionelle Anleger waren über Monate short im Dollar. Mit dem Short-Squeeze konnte der Greenback zuletzt zulegen, obwohl die Fundamentaldaten eher dagegen sprechen.

Während Bitcoin relative Stärke zeigt, geraten Mid-Cap-Altcoins zunehmend unter Druck. Die Marktkapitalisierung der “Others” (alle Altcoins abseits der Top 10) notiert aktuell bei 300 Milliarden US-Dollar.
Die Others-Dominanz liegt bei 7,8 Prozent. Nach dem Bruch einer Aufwärtstrendlinie bleibt der RSI (circa 53) neutral, klare Stärke gegenüber Bitcoin und Ethereum ist nicht erkennbar.

Die kurzfristige Richtung entscheidet sich am heutigen 29. August um 14:30 Uhr (MESZ) durch die Veröffentlichung der PCE-Inflation. Erwartet werden 2,6 Prozent – das wichtigste Inflationsmaß der Fed. Ein höherer Wert würde Zinssenkungen erschweren.
Damit ist klar: Der September-Cut gilt zwar als sicher eingepreist, entscheidend wird jedoch das Tempo weiterer Zinsschritte. Märkte wollen mehr als nur einen einzelnen Schnitt – bleibt Powell hinter diesen Erwartungen zurück, droht erneute Volatilität.
Die Federal Reserve steht vor einem Balanceakt: einerseits zurück zum Zwei-Prozent-Ziel, andererseits unter politischem Druck und wachsenden Markterwartungen. Der Dollar zeigt sich stark, Mid-Cap-Altcoins verlieren an Halt, während Gold und Bitcoin relative Gewinner bleiben.
Für Trader bedeutet das: Schlüsselmarken im Auge behalten, Datenlage abwarten – und in einem volatilen Spätsommer flexibel bleiben.

Quellen
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