Zukunftsenergie


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Zukunftsenergie

 
19.03.02 16:48
Der liberalisierte Strommarkt und der auf dem EU-Gipfel erzielte Kompromiss

Während neoliberale Ökonomen sich durch die Liberalisierung des Energiesektors in der EU sinkende Energiepreise - und dadurch eine bessere Wettbewerbsfähigkeit der EU - versprechen, fürchten Gewerkschaften und Endverbraucher, vor allem in Frankreich, einen Ausverkauf dieser sozialen Dienstleistungen an monopolistische Privatunternehmer. Auch wenn einiges gegen die Liberalisierung der Energiemärkte spricht - aus ökologischer Hinsicht spricht zugleich einiges dafür.

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Nun haben die EU-Staaten in Barcelona einen  Kompromiss in der Energiefrage gefunden. Während Gerhard Schröder sich mit der "richtigen Richtung" zufrieden gab, sind sich Erzrivalen im französischen Wahljahr Chirac und Jospin ausnahmsweise einig, das Beste für Frankreich durchgesetzt zu haben. Zukünftig werden Firmen ihren Stromanbieter aussuchen dürfen, private Haushalte jedoch noch nicht. Dies geschehe zum Schutz der privaten Haushalte, denn die Franzosen setzen die Privatisierung des Energiesektors, um  Le Monde zu zitieren, mit einer "Aufopferung des öffentlichen Dienstes auf dem Altar des vereinten europäischen Markts" gleich.

Ein Grund für diese Einstellung: Die Franzosen haben schon zum Teil schlechte Erfahrungen mit der Liberalisierung der Wasserversorgung gemacht. In Grenoble zum Beispiel, wo die Wasserversorgung vor rund 12 Jahren privatisiert wurde, beklagte man steigende Preise bei sinkender Wasserqualität, bis man vor zwei Jahren die Privatisierung der Wasserwerke wieder  rückgängig) gemacht. Außerdem fürchtet man in Frankreich mit der Privatisierung der Strommärkte Verhältnisse wie in den USA, wo sich die Preise innerhalb weniger Monate teilweise vervielfachten - wenn es überhaupt Strom gab. Kein Wunder also, dass nicht nur die Franzosen, sondern auch die 26 US-Bundesstaaten, die ihre Strommärkte noch nicht liberalisiert haben, sich diesen Vorgang noch mal überlegen.

Liberalisierung à l'allemande

Ein Blick nach Deutschland zeigt jedoch, wie es besser laufen kann. Die Liberalisierung der Strommärkte in Deutschland hat nicht nur leicht sinkende Preise zur Folge gehabt, sondern es privaten Haushalten ermöglicht, die Quelle ihres Stroms auszusuchen. Will man nur Geld sparen, sucht man sich den billigsten Anbieter aus; wenn man aber seinen Strom aus erneuerbaren Quellen beziehen will, gibt es ein entsprechendes Angebot. Wenn man aber in Frankreich lebt und keinen Atomstrom haben will, hat man Pech gehabt, denn rund 75% des französischen Stroms stammt von Atomkraftwerken (in Deutschland sind es rund  30%). In Frankreich sucht man vergeblich nach Anbietern von Strom aus 100% erneuerbaren Quellen. Greenpeace France berichtet gegenüber Telepolis, dass Anfang 2000 ein  Antrag von Greenpeace an den französischen Energie-Monopolisten EDF gestellt worden sei, damit Greenpeace Energie Zugang zum öffentlichen Stromnetz bekommt, aber man warte immer noch auf eine Antwort. Der Kompromiss von Barcelona wird wohl nichts daran ändern.

Man muss also einen Weg finden, die Bevölkerung vor Preissteigerungen und Stromausfällen zu schützen und den Zugang zum öffentlichen Netz in entlegenen Gebieten zu sichern, den Menschen aber gleichzeitig eine Auswahl zwischen verschiedenen Stromquellen zu ermöglichen.

Frankreich kommt dabei eine sehr zentrale Rolle innerhalb der EU zu. Erstens verbindet Frankreich die iberische Halbinsel, auf der in Zukunft sehr viel Wind- und Sonnenenergie erzeugt werden wird, mit dem Rest der EU - oder es trennt die beiden. Zweitens wird sich Frankreich selbst zu einem gigantischen Erzeuger von erneuerbarer Energie entwickeln. Der Trend dabei ist weg von großen, zentralen Kraftwerken und hin zu einer dezentralen Energieversorgung, z.B. Häuser und Gebäude, die ihren Strom selbst erzeugen (Photovoltaik, Brennstoffzellen, Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen). Es gilt deshalb, vernünftige Preise für "überschüssigen Strom", der ins Netz gespeist wird, europaweit festzulegen - also ein Einspeisegesetz für die EU. Dabei wird das öffentliche Netz teilweise als Notstromaggregat funktionieren: wenn man mehr Strom verbraucht als man selbst erzeugt, kauft man wieder aus dem Netz.

Es ist kein Zufall, dass gerade die Atomnation Frankreich Probleme mit der Vorstellung eines "offenen" Stromnetzes hat. Überall dort, wo viele Atomkraftwerke in Betrieb sind, gibt es Widerstand gegen kleine Stromanbieter, denn Atomkraftwerke erfordern massive Investitionen, die sich erst über Jahrzehnte rentieren - wenn überhaupt. Bei einer Gewinnmarge von wenigen Prozentpunkten machen die unwillkommenen kleinen Stromanbieter den großen Kraftwerkbetreibern einen Strich durch die Rechnung. Man sollte trotzdem diese Entwicklung vorantreiben und dabei aus den Fehlern lernen, die man in den USA im Zuge der Liberalisierung gemacht hat. Denn es geht nicht nur um tiefe Strompreise, sondern um die Entwicklung weg von endlichen und hin zu unendlichen Energieträgern.

Die Lektion aus den USA

Anfangs wurde eine Teilschuld für die Stromausfälle in den USA Umweltschützern zugeschoben, weil sie sich den Bau von solchen großen Kraftwerken zugunsten von kleineren Windparks und Solaranlagen eingesetzt haben. Mittlerweile berichtet selbst das  Cato Institute, ein konservativer Think Tank, dass die Umweltschützer nicht an den Ausfällen schuld waren. Das sieht US-Verbraucherschutzorganisation Public Citizen auch so und bezeichnet solche Vorwürfe gegen Umweltschützer als  Mythen der Energiekrise.

Während Cato als Lösung noch mehr Liberalisierung fordert, sprach das Wall Street Journal schlicht von Korruption ("California Seeks Curbs on 2 Power Firms", 1. Juni 2001): Ganze Kraftwerke seien ohne erkennbaren Grund vom Netz genommen worden zu sein. Die Stromkapazität Kaliforniens  fiel innerhalb von zwei Jahren von 53 Gigawatt auf 2 . Das Resultat war eine künstlich herbeigeführte Knappheit, die zu höheren Preisen führte - ein Schwindel, der jeden in Kalifornien $ 2,200 kostete, wie die Foundation for Taxpayer and Consumer Rights im Januar  feststellte. Gregory Palast von der Washington Post  glaubt sogar, die USA hätten ihre Deregulierung von den Briten abgeguckt. Man hat in beiden Ländern Zwischenhändler (Distributoren) zwischen Erzeugern und Endverbrauchern. Diese "power traders" müssen auch Profite abwerfen. In England hat das Office of Electricity and Gas Markets im Jahre 2000 geheime Absprachen unter diesen Energiehändlern entdeckt. Der größte power trader in Kalifornien war übrigens Enron.

Noch haben wir solche Zustände in Deutschland nicht, auch wenn gelegentlich Verbraucher von Schwierigkeiten beim Wechsel des Stromanbieters klagen oder für Windanlagenbetreiber der Zugang zum öffentlichen Netz nicht immer einfach gemacht wird. In Deutschland leiden Stromkunden seit der Liberalisierung weder unter Stromausfälle noch steigenden Preisen. Dabei können sie - so die Werbung - ihren Strom selbst mischen. Aber "good news is no news", und deshalb verkauft sich das erfolgreiche deutsche Modell schlecht nach den katastrophalen Liberalisierungsversuchen in den USA und anderswo.  
Antworten
FrauHolle:

@happy, ein wirklich interessanter

 
19.03.02 16:50
beitrag.
danke!



gruss,



holle
Antworten
sir charles:

Bin ich froh das das kein langer text ist :-) o.T.

 
19.03.02 16:50
Antworten
Happy End:

Kernfusion als Energiequelle der Zukunft?

 
21.03.02 22:16
Zweifel an der Option Kernfusion vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

"Selbst wenn das Fusionsprogramm einen Reaktor hervorbrächte, würde ihn niemand haben wollen", schrieb Lawrence M. Lidsky im Herbst 1983 in der Zeitschrift Technology Review. Lidsky war der stellvertretender Direktor des Plasma-Fusions-Zentrums am  MIT und Herausgeber des "Journal of Fusion Energy". Sein Beitrag "Die Pannen der Fusion", aus dem das Zitat stammt, und ein Artikel in der Washington Post sorgten damals zwar für Aufregung in der Fusions-Gemeinde. Doch diese Lobby stellte ihr international abgestimmtes Programm bis heute nicht in Frage, ohne weiter zu kommen.

In Deutschland könnte sich jedoch etwas bewegen. Am Mittwoch vergangener Woche nahm der Forschungsausschuss des Deutschen Bundestages einstimmig den Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung (  TAB) ab. Der Bericht, der noch nicht im Internet erhältlich ist, stellt mehrfach die Fusionsforschung, besonders hierbei die immensen öffentlichen Fördermittel, in Frage.
 
Der Bericht stützt sich in großen Teilen auf das Gutachten "Kernfusion" des schweizerischen Ingenieurbüros  Basler & Hofmann, das als "neutraler" Gutachter bestellt wurde.

Das Unternehmen ist ein  Gemischtwarenladen an Fachkompetenz, als besonders kompetent auf dem Gebiet der Fusionsforschung trat es bisher nicht hervor. Breiter in das Licht der deutschen Öffentlichkeit trat Basler & Hofmann erstmals 1990 mit seiner Risikoanalyse und seinem  Sicherheitskonzept für die damals geplante Transrapidstrecke Berlin-Hamburg, von Kritikern als Gefälligkeitsanalyse verspottet. Basler & Hofmann lässt sich schwerlich als "unabhängige" Instanz sehen, sondern ist seit Jahren Teil der europäischen Kernenergie-Lobby. Mitarbeiter des Ingenieurbüros sind in der Regel an Sicherheitsberichten zu europäischen AKWs beteiligt, besonders natürlich an denen in der  Schweiz, als Sicherheitsexpertin und Spezialistin für Risikokalkulationen im AKW-Bereich gilt besonders Dr. Anne Eckhardt von Basler & Hofmann.

Das Gutachten des Ingenieurbüros gibt eigentlich nur einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung sowie über Prognosen und Kontroversen zur Energieerzeugung durch Kernfusion. Grundlage sind Literaturauswertungen, die Anhörung "Kernfusion" am 28. März 2001 im Forschungsausschuss des Deutschen Bundestages sowie ergänzende Expertenbefragungen.

Die Fusionslobby sieht sich in dem Gutachten bestätigt und pickt sich wie die  Presseabteilung des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik die Rosinen heraus, die weitere Investitionen begründen könnten: Die Fusionsforschung könne "als Absicherung gegenüber zwei wesentlichen unerwünschten Entwicklungen der Zukunft verstanden werden, der Energieknappheit und der Klimaveränderung", zitiert das Institut das Gutachten.
 
"Fusionskraftwerke werden sich vor allem für die zentralisierte Lieferung von Grundlaststrom eignen. Damit können sie z.B. der Versorgung von Ballungsgebieten dienen, mit deren Zunahme weltweit gerechnet wird. Indem Kernfusion in den westlichen Industrieländern aber auch beispielsweise in China und Indien fossile Energieträger ersetzt, würde sie zu einem Energiemix beitragen, der weitgehend frei von klimaschädigenden Emissionen ist. Zudem stellt Kernfusion eine längerfristige Versorgungsoption für die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts und darüber hinaus dar. Eine Energieversorgung, die auf verschiedenen Primärenergieträgern und Techniken beruht, gilt als robust gegenüber unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Zukunft."  
 
Der Bericht erscheint jedoch auf Konsens ausgerichtet. Einerseits will sich das TAB noch nicht völlig von der Option "Kernfusion" verabschieden und bietet solch unverbindliche Zukunftslyrik. Andererseits zieht der Bericht sehr praktische Schlüsse für die politische Entscheidungsfindung. Das Büro für Technikfolgenabschätzung weist darauf hin, dass es spekulativ sei zu hoffen, dass in 50 Jahren die Kernfusionstechnologie ausgereift sein wird. Es sei auch kein zwangsläufiger Bedarf für Kernfusionskraftwerke zur Energieversorgung ableitbar. Der Mittelbedarf für die Kernfusionsforschung sei mit 60 bis 80 Milliarden Euro beachtlich. Die sehr hohen Investitionskosten würden die Wettbewerbsfähigkeit in Frage stellen, aber auch Umweltprobleme seien zu bedenken, insbesondere durch das radioaktive Tritium, welches kaum zu beherrschen sei. Denkbar seien nicht zuletzt angesichts terroristischer und kriegerischer Bedrohungen katastrophale Unfallgefahren.

Dem Bundestag liegt mit dem Sachstandsbericht des TAB erstmals eine formal tatsächlich unabhängige wissenschaftliche Untersuchung zur Kernfusion vor. Dies ist deshalb hervorzuheben, weil bisherige Papiere für die Politikberatung nur im engen Kreis der Fusionslobby erarbeitet wurden. Das Büro für Technikfolgenabschätzung fordert, dass verstärkt unabhängiger Sachverstand aufgebaut werden muss. Damit soll künftig verhindert werden, dass nur der subjektive Sachverstand der Kernfusionsgemeinde zur Entscheidungsfindung der politischen Gremien beiträgt.

Der forschungspolitische Sprecher der Bündnisgrünen im Parlament,  Hans-Josef Fell, kommentiert diese Entscheidung: "Nun gilt es, die Konsequenzen zu ziehen und die Kernfusionsforschung so lange auf die Grundlagenforschung zu beschränken, bis die grundlegenden Probleme erforscht und weitere Fragen der Technikfolgenabschätzung beantwortet sind." So sieht es dies auch das Ausschussmitglied der PDS-Fraktion,  Eva Bulling-Schröter. Sie weist darauf hin, dass bisher nur aus Bündnis90 / Die Grünen und PDS relevante Teile beider Fraktionen und Parteien konsequent der "Fusionitis" skeptisch bis ablehnend gegenüberstanden. In allen anderen Fraktionen des Bundestages waren die Skeptiker bisher sowieso eine "kleine radikale Minderheit".

Diese Aussage ist in soweit einzuschränken, als in der PDS aus Standortgründen eine Lobby aus Mecklenburg-Vorpommern für den  Greifswalder Fusionsforschungsreaktor wirbt. "Ich stelle mit Freude fest, dass die PDS-Minister in Mecklenburg-Vorpommern das Projekt mit anschieben, während die PDS-Bundestagsfraktion versucht, sich als Blockierer vor die Kernfusion zu werfen," skizzierte dies erfreut die FDP-Forschungsexpertin Flach noch im  vergangenen Herbst. Nun hat sie sich offensichtlich als Ausschussmitglied auf die Seite der "Blockierer" begeben, denn die Entscheidung erfolgte einstimmig.

Aus Bayern kommend, kann jedoch PDS-Frau Bulling-Schröter erahnen, dass diese Ausschussentscheidung mit den Stimmen der SPD, CDU/CSU und FDP nicht die Gnade des Kanzlerkandidaten Stoiber und der CSU finden wird. Die SPD und ihr Finanzminister Eichel suchten jede nur passende Begründung, Haushaltslöcher stopfen zu können. Für die CSU aber sei ihr Lieblingsprojekt  Fusionsreaktorforschung in  Garching eine "heilige Kuh", und   Siemens-Westinghouse, mache Druck, dass das so weiterläuft mit den Subventionen wie bisher, so die PDS-Politikerin zu Telepolis.

Der grüne Forschungspolitiker Fell, ebenfalls aus Bayern, warnt aus eben diesen Gründen: "Der vorzeitige Bau des Fusionsforschungsreaktors (  ITER) dürfte sich hingegen als immense Geldverschwendung erweisen. Europa sollte daher dem Beispiel der USA folgen und aus ITER aussteigen." Fell entging offenbar aber, dass die Bush-Regierung gerade alle atomaren Optionen erneut in Erwägung zieht und ihr Energieminister  Spencer Abraham  fordert, den Stopp aus dem Jahr 1999 unter Clinton und Gore für die Mitarbeit am International Thermonuclear Experimental Reactor (ITER) wieder aufzuheben.
Antworten
Bronco:

Guter Beitrag !

 
22.03.02 00:08
Hier einige stark verkürzte Infos zur Technik der Kernfusion und den damit verbundenen Fragestellungen:

1.) Risiken und Nebenwirkungen:

Auch ein Kernfusionskraftwerk wird Radioaktivität und radioaktiven Abfall erzeugen. Wesentliche Unterschiede zur Kernspaltung:

- Ein denkbarer GAU beim Fusionsreaktor ist deutlich kleiner als der eines Uran-Kraftwerkes. Die maximal freisetzbaren Mengen an Radioaktivität liegen im Bereich der Mengen, die z.B. die Wiederaufarbeitungsanlage Cap de la Hague in einem Jahr Normalbetrieb abgibt (eine durchaus nicht ungefährliche Menge)

- Die zu erwartende Atommüllmenge unterscheidet sich nicht allzusehr von der eines Urankraftwerkes, allerdings sind die zu erwartenden Halbwertszeiten der enthaltenen Nuklide deutlich kürzer. Demnach wird der "Hands-on level" schon nach einem Jahrhundert erreicht. Die maximalen Konzentrationen an Radioaktivität sind deutlich kleiner als im hochaktiven Müll von Uran-Kraftwerken.

- Im Normalbetrieb wird ein Fusionsreaktor deutlich mehr Radioaktivität an die Umwelt abgeben als ein Uran-Kraftwerk, hauptsächlich in Form von Tritium.

- Als "Brennstoff" wird Lithium benötigt, das gegf. für einige Jahrtausende reichen würde.

- Im Jahr 1991 wurde die Zeit, die nötig wäre, um die Energie in Kraftwerken zur Verfügung zu stellen, mit mindestens 50 Jahren angegeben, vorausgesetzt es würde nun ohne finanzielle Limits mit Hochdruck daran gearbeitet. Die Verzögerung des ITER-Projekts hat seit dem bereits ein Jahrzehnt gekostet. Alles in allem käme die Kernfusion als Energiequelle in jedem Fall zu spät. Wir haben für die Lösung unserer Energieprobleme kein halbes Jahrhundert mehr Zeit - ansonsten lösen sich die Probleme auf unangenehme Art von selbst.

2.) Derzeitige technische Probleme:

- Der Einschluß eines Plasmas in einem stabilen Arbeitsbereich ist noch nicht sichergestellt.

- Dreh- und Angelpunkt ist die "First Wall" des Reaktors. Diese soll eine Eier-legende Wollmilchsau sein: Sie darf die magnetischen Felder des Spulensystems nicht stören, muß eine extrem hohe Neutronenbestrahlung möglichst über Jahrzehnte ohne Versprödung o.ä. überstehen, darf keine Neutronen schlucken, soll möglichst nicht aktivierbar sein, darf von der Innenoberfläche keinen "Dreck" ins Plasma abgeben, ...
Bis jetzt ist diese Wand noch Science fiction.

- Die Tritium-Brutrate aus dem Primärbrennstoff Lithium ist ein äußerst kritischer Punkt, weil die Neutronenausbeute pro Kernreaktion nur seeeehr knapp über 1 liegt, ebenso die "Neutronenvervielfachung" durch z.B. Beryllium. Nur wenn pro verbrauchtes Tritiumatom mindestens ein Neues in den Reaktor eingebracht werden kann, könnte der Prozeß theoretisch leben.

- Es bedarf einer "kritischen" Reaktorgröße, die bei einem Fusionskraftwerk in etwa der Leistung der derzeit größten Kernspaltungsreaktoren entspräche. - Also alle Nachteile der Großkraftwerkstechniken.
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