Dax & Stoxx-Schlussbericht: Große Zurückhaltung an den europäischen Märkten
Von Meike Schreiber, Nina Luttmer und Elisabeth Atzler, Frankfurt
Die psychologische Grenze von 4400 Punkten verpasste der Dax knapp. Der Ausblick bleibt aber positiv.
Die Anleger an den deutschen Märkten verhielten sich am Montag vorsichtig. Der Dax schloss nahezu unverändert bei 4386,40 Punkten. Andere europäische Leitindizes gaben nach. Der Footsie verlor 0,05 Prozent und fiel auf 5041,8 Zähler, der französische CAC 40 notierte bei 4012,11 Punkten und einem Minus von 0,12 Prozent. Allein der Stoxx 50 konnte mit einem Schlusskurs von 2918,73 Nennern einen leichten Zugewinn von 0,1 Prozent verzeichnen.
Anleger scheinen auf die bevorstehenden Reden des US-Notenbankchefs Alan Greenspan sowie auf wichtige Konjunkturdaten aus den USA zu warten. "Die Anleger setzen zur Zeit auf eine Buy-and-Hold-Strategie. Es besteht wenig Bedarf an Absicherung", sagt Raed Mustafa, Analyst bei der BW-Bank. Es passiere deswegen wenig auf den Märkten, die Volatilität sei auf einem historischen Tief.
Dabei war der Dax am Vormittag kurzfristig auf ein Jahreshoch von 4398,79 Punkte gestiegen, "Es fehlte aber die Kraft, die psycholgische Marke von 4400 Punkten zu nehmen", sagt Mustafa. Trotz der Verluste bewerten Analysten den Markt aber positiv. "In den kommenden Wochen könnten die 4500 Punkte geschafft werden", prognostiziert der Analyst. Allerdings könnte es zwischenzeitlich noch Rückschläge geben. "Falls der Dow Jones wieder stark ins Minus geht, könnten wir morgen durchaus nur mit 4325 Zählern eröffnen", prognostiziert Fidel Helmer, Analyst bei Hauck & Aufhäuser.
VW mit überraschend guten Zahlen
Volkswagen-Aktien waren die Gewinner des Tages und schlossen mit Zuwächsen von 2,7 Prozent. Europas größter Autokonzern hat sein reduziertes Gewinnziel 2004 übertroffen und den Markt damit überrascht. Trotz eines gesunkenen Reingewinns will Volkswagen die Dividende stabil halten. "VW hat keine tollen Ergebnisse präsentiert", sagt Marktbeobachter Helmer. "Aber Analysten haben durchweg schlechtere Zahlen erwartet." Die Aktien des Mischkonzerns MAN, die auch Nutzfahrzeuge herstellen, stiegen um 0,31 Prozent und gehörten ebenfalls zu den Spitzenreitern des Handelstages. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge hat das Unternehmen Interesse an der Übernahme des Großdieselmotor-Herstellers MTU Friedrichshafen angemeldet.
Andere Autobauer landeten auf der anderen Seite des Kurszettels. DaimlerChrysler gaben 0,7 Prozent nach. Im vergangenen Jahr soll mit der Kleinwagen-Marke Smart ein Verlust von 600 Mio. Euro eingefahren worden sein. Damit hätten sich die Verluste der Marke seit 1998 auf 2,6 Mrd. Euro summiert. BMW verloren 0,6 Prozent.
ThyssenKrupp sackten am Montag um 1,1 Prozent ab und das obwohl der weltweite Stahlboom dem Mischkonzern im ersten Quartal des Geschäftsjahres einen Gewinnsprung bescherte. Außerdem bekräftigte der Stahlriese am Montagmorgen seine Prognose, im Geschäftsjahr 2004/05 den Vorsteuergewinn des Vorjahres zu übertreffen. Allerdings gab die Konzernleitung auch bekannt, dass Thyssen die Erhöhung der Stahlpreise wohl nicht im vollem Umfang an die Kunden weitergeben könne.
Deutsche Börse sind Dax-Verlierer
Technologiepapiere konnten am Montag zulegen. Infineon schlossen mit 2,3 Prozent Zuwachs, wobei das Unternehmen von zuversichtlichen Aussagen zweier Branchenverbände sowie einer anhaltenden hohen Nachfrage nach Halbleitern aus Asien profitierte. Aussagen #SAP# gewannen 1,3 Prozent, obwohl der weltweit zweitgrößte Softwarekonzern damit rechnet, dass sich seine Investitionstätigkeit vom kommenden Jahr an abschwächt. #Ericsson# legten ein Prozent zu. Dennoch geht BW-Bank-Analyst Mustafa davon aus, dass die Anleger zukünftig wieder stärker auf die Dividendenwerte schauen. "Die Blue Chips sind in den letzten Wochen besser gelaufen als die Technologiewerte", sagt Mustafa.
Zu den größten Verlierern gehörte erneut die HypoVereinsbank mit einem Abschlag von 0,9 Prozent. In den Handelsräumen macht derzeit das Gerücht die Runde, die Bank plane erneut eine Kapitalerhöhung. Noch stärker gaben die Deutsche Börse nach. Sie büßten 1,5 Prozent ein.
Fiat gefragt
Auch in Italien verhielt sich eine Auto-Aktie auffällig: Der italienische Fiat-Konzern und der US-Autobauer General Motors (GM) einigten sich darauf, ihre Zusammenarbeit zu beenden. Fiat wird die im Jahr 2000 vereinbarte Verkaufsoption für seine Autosparte nicht ausüben. Dafür zahlt GM den Italienern eine Summe von 1,5 Mrd. Euro. Das teilten beide Unternehmen am Abend nach mehrstündigen Verhandlungen in Rom mit. Die Fiat-Aktien gewann im Laufe des Handelstages deutlich, schlossen jedoch nahezu unverändert zum Vorhandelstag.
Höhere Öl- und Gaspreise haben im vergangenen Jahr die Einnahmen des norwegischen Energiekonzerns Statoil auf Rekordhöhen getrieben. Wie das teilstaatliche Unternehmen am Montag in Oslo mitteilte, belief sich der Nettogewinn auf 24,9 Mrd. norwegische Kronen (2,95 Mrd. Euro), verglichen mit 16,6 Mrd. Kronen im Jahr 2003. Die Titel fielen aber um 0,7 Prozent.
Der Euro notierte bei 1,2974$.
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