Zahnloser Löwe


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Nassie:

Zahnloser Löwe

 
25.06.03 11:41
Lion Bioscience pfeift im dunklen Wald  
 
Das am 31. März abgelaufene Geschäftsjahr hat  Lion Bioscience im wahrsten Sinne des Wortes abgeschrieben. Nach den Mega-Verlusten und einer Umstrukturierung wird es schwierig, verlorenen Kredit bei den Investoren zurückzugewinnen.

 
Mit 29,7 Millionen Euro lag der Umsatz um 25 Prozent unter dem Vorjahreswert. Für das Geschäftsjahr 2003/04 rechnet Vorstandschef Friedrich von Bohlen und Halbach mit Erlösen von 40 Millionen Euro - vorausgesetzt, die Investitionsbereitschaft der Life-Science-Firmen zieht wieder an und der Dollar-Wechselkurs bleibt einigermaßen stabil.
Abschreibungen auf Firmenwerte, Beteiligungen und Wertpapiere gaben den Ausschlag, das der operative Verlust gegenüber 2002 von 47,7 auf 126,8 Millionen Euro explodierte. Dazu kommen die Kosten aus der Schließung der Sparte Wirkstoff-Forschung. p Der Nachsteuerverlust von 152,5 Millionen Euro oder 7,67 Euro je Aktie liegt damit im Rahmen der 7,70 Euro je Aktie, die boerse-online.de erwartet hatte.    


   
Die Gefahr einer Insolvenz ist erst einmal abgewendet. Der Cash-Bestand von 72,9 Millionen Euro zum 31. März zeigt, dass Lion von Quartal zu Quartal weniger Geld verbraucht. Lion rechnet damit, dass die Cash-Flow-belastenden Kostensenkungen bis Juli abgeschlossen sind.
Dass der operative Verlust vor Abschreibungen (EBITDA) trotzdem von 35,8 auf 54,2 Millionen Euro gestiegen ist, zeigt aber: Noch immer ist nicht ersichtlich, wie das Unternehmen jemals schwarze Zahlen schreiben will. Pharma- und Biotechunternehmen sparen weiter an Investitionen. Das gilt insbesondere für den Kauf von Technik-Plattformen, wie sie Lion im Angebot hat.

 

Das Softwareprogramm SRS (Sequence Retrieval System) bildet weiter den Kern von Lions Produktpalette. Es verbindet interne und externe Datenbanken der Kunden. Die Suche nach Zielmolekülen für die Medikamentenforschung und nach den geeigneten Wirkstoffen wird damit zeit- und kostensparender.
Allerdings hat sich gezeigt, dass die Biotechnologiebranche es vorzieht, einzelne Programm-Bausteine per Lizenz zu erwerben. Lion dagegen verkaufte zu Zeiten des Börsengangs vor drei Jahren die Equity Story, dass sich zukünftige Deals mit der Life-Science-Branche auf die komplette Bioinformatik-Plattform "i-biology" konzentrieren würden, Wartung und Consulting inbegriffen.

Derartige Abkommen würden über mehrere Jahre verteilt Umsätze von mehr als 100 Millionen Euro einspielen. Und in der Tat konnte noch vor dem IPO Bayer als Großkunde präsentiert werden.

Dabei blieb es bis heute. Erstaunlich ist das nicht, denn angesichts der derzeitigen Enge des Kapitalmarkt findet sich kein Unternehmen, das dreistellige Millionenbeträge in den Aufbau einer IT-Struktur für die klinische Forschung investiert.

Immerhin ist in der Vorstandsetage ist inzwischen Realitätssinn eingekehrt. "i-biology"-Deals sind ad acta gelegt. In Zukunft sollen kleinere Deals zwischen einer und fünf Millionen Euro Umsätze generieren. Eine Schlüsselrolle kommt drei neuen Produkte und vier neuen Updates rund um SRS zu.

Das Management ist optimistisch und hält am Ziel fest, im vierten Quartal des neuen Geschäftsjahres auf EBITDA-Basis die Gewinnschwelle zu erreichen. Ob die Firma tatsächlich schlanker und beweglicher geworden ist, wie es der neue Geschäftsbericht verspricht, muss sich noch zeigen. Die weiterhin steigenden operativen Verluste deuten an, dass Lion nur über den Preis auf Kosten der Margen steigende Erlöse erzielen kann.


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