Krieg oder Frieden? Die Antwort darauf kann in den nächsten Tagen zu heftigen Ausschlägen an den Finanzmärkten führen. Doch was folgt danach?
Frankfurt - Am Donnerstag gab es einen ersten Vorgeschmack darauf, was die Finanzmärkte in den kommenden Tagen und Wochen erwarten könnte. Ein Gerücht, demzufolge die CIA mit führenden irakischen Militärs über eine Kapitulation verhandelt, ließ die Börsenkurse in wenigen Minuten um rund fünf Prozent steigen. Der Dollar erholte sich gegenüber dem Euro um über einen Cent. Im Gegenzug fielen die Kurse an den Rentenmärkten, was zu einem Renditeanstieg von mehr als zehn Basispunkten innerhalb eines Tages führte.
Sollte es tatsächlich zu einer derartigen Kapitulation oder einer anderen friedlichen Lösung kommen, dürften die Ausschläge der Kursbarometer noch heftiger ausfallen. Zwar ist allen Anlegern klar, dass der Irak-Konflikt nicht die Ursache der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist. Doch an den Finanzmärkten geht es zurzeit kaum um Fundamentaldaten. „Die wirklich weltweite Konzentration auf ein einziges Ereignis hat zu einer ungewöhnlich starken Gemengelage von spekulativen Positionen geführt", erklärt Jonathan Wilmot von Crédit Suisse First Boston. Im Falle einer günstigen Lösung der Irak-Frage könnten die Spekulanten ihre Positionen Hals über Kopf schließen - und damit zu einer allgemeinen Rally an den Finanzmärkten beitragen.
Die Frage ist jedoch, was „günstige Lösung der Irak-Frage" bedeutet. Für Wilmot wäre das massenhafte Desertieren irakischer Soldaten oder gar ein Militärputsch die favorisierte Variante. Auch ein Gang ins Exil von Saddam Hussein oder ein kurzer, unblutiger Militärschlag dürften dazu führen, dass Aktien-, Renten- und Devisenhandel dem Beispiel vom Donnerstag folgen.
Doch selbst wenn dieses positive Szenario eintritt, bleibt die Frage, wie nachhaltig die Kursgewinne sind. Der Dollar dürfte schon sehr bald wieder seinen Trend nach unten fortsetzen. Das Leistungsbilanzdefizit der USA erklimmt immer neue Höhen. 500 Milliarden Dollar, also fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts, für das Gesamtjahr 2003 gelten wegen des hohen Ölpreises inzwischen schon als vorsichtige Schätzung. Zur Finanzierung dieses Defizits müssen tagtäglich rund 1,4 Milliarden Dollar an Devisen in die USA fließen, vor allem als Investitionen. Sind es weniger, sinkt der Dollarkurs.
Auch an den Börsen gibt es wenig Grund zu der Annahme, dass eine nachhaltige Wende bevorsteht. In den USA liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) immer noch bei rund 25. In Deutschland ist der Wert deutlich niedriger, doch gehen viele Unternehmen noch von Gewinnen aus, die sich immer mehr als Wunschdenken erweisen. Sowie sie ihre Prognosen senken, erhöht sich damit auch das KGV wieder.
Bleibt der Rentenmarkt. Hier mehren sich zwar die Stimmen, die von einer Blase sprechen. Allerdings: Wenn Aktien keine attraktiven Bewertungen bieten und der Immobilienmarkt in den USA und Großbritannien schon deutlich überhitzt ist - wo soll das Geld denn dann hin?
Eine wirkliche Wende kann es an den Finanzmärkten daher nur geben, wenn die Wirtschaft wieder deutlich zulegt. Eine Reihe von Frühindikatoren werden in der kommenden Woche wieder Hinweise darauf geben, ob dies der Fall ist, so in den USA der Philadelphia Fed-Index vom Donnerstag und in Deutschland der ZEW-Index vom Dienstag. Allerdings erwartet beispielsweise die Deutsche Bank bei beiden Indikatoren erneut einen Rückgang der Werte.
Kein Wunder also, dass in den vergangenen Tagen schon wieder eine Diskussion um Zinssenkungen in den USA aufgekommen ist. Zwar rechnet Peter Hooper von der Deutschen Bank nicht damit, dass Alan Greenspan schon am Dienstag den Leitzins erneut senkt. Allerdings dürfte er signalisieren, dass nach einer Invasion im Irak schnell reagiert würde. Doch nicht nur das. „Wenn die Finanzmärkte unter zusätzlichen Druck geraten und sich die Konjunkturdaten weiter verschlechtern, rechnen wir damit, dass die Zinsen spätestens im Mai um 50 Basispunkte gesenkt werden", so Hooper. Dann wäre die Fed bei 0,75 Prozent angelangt. Fast schon japanische Verhältnisse. fhs
Frankfurt - Am Donnerstag gab es einen ersten Vorgeschmack darauf, was die Finanzmärkte in den kommenden Tagen und Wochen erwarten könnte. Ein Gerücht, demzufolge die CIA mit führenden irakischen Militärs über eine Kapitulation verhandelt, ließ die Börsenkurse in wenigen Minuten um rund fünf Prozent steigen. Der Dollar erholte sich gegenüber dem Euro um über einen Cent. Im Gegenzug fielen die Kurse an den Rentenmärkten, was zu einem Renditeanstieg von mehr als zehn Basispunkten innerhalb eines Tages führte.
Sollte es tatsächlich zu einer derartigen Kapitulation oder einer anderen friedlichen Lösung kommen, dürften die Ausschläge der Kursbarometer noch heftiger ausfallen. Zwar ist allen Anlegern klar, dass der Irak-Konflikt nicht die Ursache der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist. Doch an den Finanzmärkten geht es zurzeit kaum um Fundamentaldaten. „Die wirklich weltweite Konzentration auf ein einziges Ereignis hat zu einer ungewöhnlich starken Gemengelage von spekulativen Positionen geführt", erklärt Jonathan Wilmot von Crédit Suisse First Boston. Im Falle einer günstigen Lösung der Irak-Frage könnten die Spekulanten ihre Positionen Hals über Kopf schließen - und damit zu einer allgemeinen Rally an den Finanzmärkten beitragen.
Die Frage ist jedoch, was „günstige Lösung der Irak-Frage" bedeutet. Für Wilmot wäre das massenhafte Desertieren irakischer Soldaten oder gar ein Militärputsch die favorisierte Variante. Auch ein Gang ins Exil von Saddam Hussein oder ein kurzer, unblutiger Militärschlag dürften dazu führen, dass Aktien-, Renten- und Devisenhandel dem Beispiel vom Donnerstag folgen.
Doch selbst wenn dieses positive Szenario eintritt, bleibt die Frage, wie nachhaltig die Kursgewinne sind. Der Dollar dürfte schon sehr bald wieder seinen Trend nach unten fortsetzen. Das Leistungsbilanzdefizit der USA erklimmt immer neue Höhen. 500 Milliarden Dollar, also fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts, für das Gesamtjahr 2003 gelten wegen des hohen Ölpreises inzwischen schon als vorsichtige Schätzung. Zur Finanzierung dieses Defizits müssen tagtäglich rund 1,4 Milliarden Dollar an Devisen in die USA fließen, vor allem als Investitionen. Sind es weniger, sinkt der Dollarkurs.
Auch an den Börsen gibt es wenig Grund zu der Annahme, dass eine nachhaltige Wende bevorsteht. In den USA liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) immer noch bei rund 25. In Deutschland ist der Wert deutlich niedriger, doch gehen viele Unternehmen noch von Gewinnen aus, die sich immer mehr als Wunschdenken erweisen. Sowie sie ihre Prognosen senken, erhöht sich damit auch das KGV wieder.
Bleibt der Rentenmarkt. Hier mehren sich zwar die Stimmen, die von einer Blase sprechen. Allerdings: Wenn Aktien keine attraktiven Bewertungen bieten und der Immobilienmarkt in den USA und Großbritannien schon deutlich überhitzt ist - wo soll das Geld denn dann hin?
Eine wirkliche Wende kann es an den Finanzmärkten daher nur geben, wenn die Wirtschaft wieder deutlich zulegt. Eine Reihe von Frühindikatoren werden in der kommenden Woche wieder Hinweise darauf geben, ob dies der Fall ist, so in den USA der Philadelphia Fed-Index vom Donnerstag und in Deutschland der ZEW-Index vom Dienstag. Allerdings erwartet beispielsweise die Deutsche Bank bei beiden Indikatoren erneut einen Rückgang der Werte.
Kein Wunder also, dass in den vergangenen Tagen schon wieder eine Diskussion um Zinssenkungen in den USA aufgekommen ist. Zwar rechnet Peter Hooper von der Deutschen Bank nicht damit, dass Alan Greenspan schon am Dienstag den Leitzins erneut senkt. Allerdings dürfte er signalisieren, dass nach einer Invasion im Irak schnell reagiert würde. Doch nicht nur das. „Wenn die Finanzmärkte unter zusätzlichen Druck geraten und sich die Konjunkturdaten weiter verschlechtern, rechnen wir damit, dass die Zinsen spätestens im Mai um 50 Basispunkte gesenkt werden", so Hooper. Dann wäre die Fed bei 0,75 Prozent angelangt. Fast schon japanische Verhältnisse. fhs