Wirtschaft erwartet Aufschwung


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Wirtschaft erwartet Aufschwung

 
27.02.02 07:04
Von Christian Schütte und Birgit Marschall, Berlin

In den deutschen Unternehmen setzen sich die Optimisten durch. Drastisch verbesserte Konjunkturerwartungen haben im Februar dafür gesorgt, dass der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts weitaus kräftiger zulegte, als Analysten vorhergesagt hatten.

Der wichtigste Frühindikator für die deutsche Konjunktur stieg zum vierten Mal in Folge und signalisiert nun eindeutig einen Aufschwung im Laufe des zweiten Quartals. "Man kann von einer beginnenden Erholung sprechen", sagte Ifo-Volkswirt Gernot Nerb.

Die Zeichen einer konjunkturellen Wende hatten sich in den vergangenen Wochen bereits gemehrt. Eine breite Aufwärtstendenz nach der Überwindung des Terrorschocks vom vergangenen September war bisher aber noch nicht zu beobachten. Deutschland hat vielmehr im internationalen Vergleich einen besonders heftigen Wachstumseinbruch verzeichnet, der auch die öffentlichen Diskussionen im Wahlkampf bestimmte.

Der deutliche und nachhaltige Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas zeigt nun, dass im Laufe dieses Frühjahrs mit einem Aufschwung gerechnet werden kann. Das Ifo-Institut befragt jeden Monat rund 7000 deutsche Unternehmen zu ihren Erwartungen und ihrer aktuellen Lage. Der daraus ermittelte Gesamtindex für die Gewerbliche Wirtschaft Westdeutschlands verbesserte sich um 2,5 auf 88,7 Punkte.

Stimmung in deutschen Unternehmen verbessert

Treibende Kraft waren die erheblich günstigeren Konjunkturerwartungen der Unternehmen: Sie verbesserten sich im Februar so kräftig wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Der optimistische Ausblick überwog auch, dass die aktuelle Situation nochmals schlechter beurteilt wurde. "Wir sehen das typische Bild vor einer Erholung", sagte Stefan Bielmeier, Volkswirt bei der Deutschen Bank. "Die Erwartungen verbessern sich, während die Lage noch immer düster aussieht."

Carsten-Patrick Meier vom Kieler Institut für Weltwirtschaft gibt sich ebenfalls zuversichtlich: "Wir stehen schon wieder etwas besser da als vor dem 11. September", sagte er. "Dass der Aufschwung kommt, ist jetzt klar." Motor der Erholung sei zunächst die US-Konjunktur. Sie habe bereits die Wende geschafft.

Die Ökonomen verweisen zudem darauf, dass die Lager geräumt sind und nach einer Phase der Zurückhaltung bei den Investitionen wieder Nachholbedarf besteht. Eher schlecht bleiben die Aussichten vorerst beim privaten Verbrauch. "Erst wenn in der zweiten Jahreshälfte die Beschäftigung wieder steigt und die verbreitete Angst um den Arbeitsplatz schwindet, ist wieder mit stärkeren Konsumausgaben zu rechnen", sagte Bielmeier.

Auch die Bundesregierung bezeichnete den erneuten Anstieg des Ifo-Index als Aufschwungsignal. "Wir sollten das Land nicht schlechter reden, als es ist", sagte Kanzler Gerhard Schröder. Das Finanzministerium erklärte, die Wende sei nun erreicht.

Frühindikator signalisiert Wachstum

Die CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl wollte dagegen nur eine "Konjunkturzuckung" erkennen. Es sei "naiv, den leicht verbesserten Ifo-Index als ersten Sonnenstrahl am Konjunkturhimmel zu wähnen", sagte die wirtschaftspolitische Sprecherin der CSU-Landesgruppe im Bundestag.

Der deutsche Aktienmarkt reagierte zunächst mit deutlichen Kursgewinnen auf die guten Ifo-Zahlen. Zu einem Rückschlag kam es jedoch am Nachmittag, als das Forschungsinstitut Conference Board in New York meldete, dass sein Index des Verbrauchervertrauens im Februar gefallen ist. Er sank von 97,8 auf 94,1 Punkte. Eine Umfrage der Universität Michigan zeigte vergangene Woche bereits einen ähnlichen Vertrauensknick. Ökonomen hatten aber dennoch ein Plus bei den neuen Daten erwartet.

Die Stimmung der US-Verbraucher wurde zuletzt durch einen schwierigen Arbeitsmarkt, aber auch durch den Skandal um die Milliardenpleite des Energiehändlers Enron gedrückt. Conference-Board-Ökonomin Lynn Franco sah allerdings noch keine Gefahr für den US-Aufschwung: "Der Index signalisiert weiterhin robuste Konsumausgaben in den nächsten Monaten."



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