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Wirecard: Den Shorties geht die Puste aus - Kursfeuerwerk voraus!
Lieber Leser,
Hedgefonds haben in Deutschland kein sonderlich gutes Image. Und der Fall Wirecard wird nicht gerade zur Besserung beitragen. Rückblende, 24. Februar 2016:
Ein bis dahin völlig unbekanntes Research-Haus namens Zatarra wirft Wirecard betrügerisches Geschäftsgebaren vor und orakelt über ein Kursziel von Null Euro. Daraufhin bricht der Wirecard-Kurs um zeitweilig fast -25% ein.
Der Anbieter von Online-Zahlungssystemen dementiert die Vorwürfe umgehend als verleumderisch und unwahr und leitet rechtliche Schritte gegen den Urheber der Studie ein. Die Zatarra-Analysten räumen im Anhang ihrer Studie ein, mit Wirecard-Anteilen zu handeln und von deren Kursbewegungen zu profitieren. Heißt im Klartext:
So verdienen Leerverkäufer
Hinter den bis heute unbekannten Drahtziehern der Analyse stehen vermutlich einer oder mehrere Hedgefonds. Diese leihen sich, gegen Zahlung einer Gebühr, von anderen Wirecard-Aktionären (beispielsweise Investmentfonds) deren Anteile, um diese dann zu verkaufen.
Man spricht hier von Leerverkäufen, da der Anbieter die verkauften Aktien nicht besitzt. Sinkt der Kurs der Aktie wie erwartet, können die leer verkauften Anteile preiswerter zurückgekauft (eingedeckt) werden.
Die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis abzüglich der Leihgebühr ist dann der Profit des Hedgefonds. Soweit die Theorie.
Bei Wirecard haben sich die Hedgefonds ver-spekuliert
In der Praxis hat dies für die Hedgefonds bei Wirecard nicht so gut geklappt. Dafür gibt es mehrere Gründe:
Wirecard konnte die im Februar genannten und wenige Wochen später weitere Vorwürfe detailliert und glaubhaft widerlegen. Damit wurde dem ohnehin dubiosen Verdacht schnell der Boden entzogen.
Der Wirecard-Vorstandschef, Dr. Markus Braun, kaufte am Tage des Kursabsturzes über seine MB Beteiligungsgesellschaft für 4,3 Mio. Euro Aktien des eigenen Unternehmens! Würden Sie in diesem Stil eigene Aktien kaufen, wenn an einem externen Vorwurf wegen betrügerischen Geschäfts-Gebarens auch nur ein Funke Wahrheit wäre? Wohl kaum!
Genau das habe ich übrigens an jenem Tag im Februar auch den Lesern meines Börsendienstes Die Wachstumsaktien-Strategie geschrieben und den Kauf der Wirecard-Aktie empfohlen. Seither sind wir zu 34,45 Euro investiert.
Inklusive des Kaufs im Februar hatte die MB Beteiligungsgesellschaft seit Mai des vergangenen Jahres bereits 920.000 Wirecard-Aktien über die Börse eingesammelt. Gesamteinsatz rund 35 Mio. Euro.
Ein weiterer Beleg für die Unsinnigkeit der damaligen Vorwürfe und ein Vertrauensbeweis in die Stärke des Wachstums-Unternehmens!
Doch es kommt noch besser. Halten Sie sich fest:
Knapp 11% des Wirecard-Streubesitzes ist derzeit leerverkauft
Laut Bundesanzeiger sind derzeit 10,85% des Streubesitzes der Wirecard AG leerverkauft. Zum Vergleich: Am Tag des Kurssturzes im Februar lag dieser Wert bei etwas über 6%! Experten schätzen das wahre Gesamtvolumen aktuell sogar auf über 15%! Der Grund:
Erst wenn Investoren Leerverkaufspositionen von mehr als 0,2% der ausgegebenen Anteile halten oder eine Order die 0,5%-Marke überschreitet, dann muss dies publik gemacht werden. Die Namen der Leerverkäufer, Ihre Gesamtposition und die Historie ihrer Transaktionen können dann im amtlichen Bundesanzeiger nachgelesen werden.
Eine gute Nachricht für Wirecard-Aktionäre
Eine derart hohe (Gesamt-)Leerverkaufsposition klingt zunächst einmal erschreckend. Tatsächlich ist das jedoch eine gute Nachricht für die Wirecard-Aktionäre. Denn:
Wenn viele mittels Leerverkäufen darauf wetten, dass eine Aktie an Wert verliert, dann bleiben kaum noch Anleger, die den Kurs tatsächlich so unter Druck bringen können, dass eine Short-Attacke auch funktioniert.
Im Fall Wirecard hätten die Hedgefonds nach dem Kurssturz im Februar ausreichend Gelegenheit gehabt, um Kasse zu machen und ein gut gelaufenes Geschäft zu verbuchen. Doch stattdessen wurden die Leerverkaufspositionen nahezu noch einmal verdoppelt!
Fataler Fehler: Gier im Aktiengeschäft!
Noch Anfang August wurden weitere Leerverkäufe getätigt: Der größte Wirecard-Shortie, der Hedgefonds Blue Ridge Capital L.L.C., hält aktuell eine Position im Umfang von 3,35%!
Blue Ridge erhöhte seine Position in der Zeit vom 3. bis 8. August in 3 Transaktionen von 2,73% auf den aktuellen Wert. Das entspricht einer Aufstockung im Volumen von mehr als einem Fünftel (+22,7%) zu Kursen zwischen 39,36 Euro und 40,52 Euro (Durchschnitt: 39,94 Euro).
Rechnen wir mal fix: Die Zahl der ausgegebenen Wirecard-Aktien beträgt 123.565.586. Bei 93% Streubesitz sprechen wir allein bei Blue Ridge Capital mithin über eine Leerverkaufsposition in Höhe von 3.849.686 Wirecard-Aktien.
Der zuletzt aufgestockte Anteil umfasst demnach etwa 712.479 Aktien, die im Schnitt zu 39,94 Euro leer verkauft wurden. Aktuell notiert die Wirecard-Aktie bei 45,08 Euro somit liegt Blue Ridge Capital allein mit dem aufgestockten Anteil nach nur 23 Tagen bereits mit 3,66 Mio. Euro im Verlust.
Beim Kurssturz am 24. Februar hielt Blue Ridge eine Leerverkaufsposition von 1,36%. Das bedeutet: Fast der gleiche Anteil wurde am 24. Februar und am 14. März (zwischen 34,65 Euro und 35,75 Euro) zu weit niedrigeren Kursen aufgenommen.
Welch eine grandiose Schieflage!
Der Druck auf die Hedgefonds wächst mit jedem Kursanstieg
Schauen wir nun einmal auf den Chart der Wirecard-Aktie:
wirecard-31-08-2016
Wirecard: Werden die Hegdefonds zum Ausstieg gezwungen, explodiert der Kurs
Er macht deutlich, dass die Leerverkäufer derzeit durch die Hölle gehen müssen: Die Wirecard-Notierung hat Mitte letzter Woche ihre monatelange Seitwärts-Bewegung nach oben verlassen. Gestern folgte ein Kurssprung bei riesigen Umsätzen.
Mit jedem weiteren Kursanstieg wachsen die Verluste der Hedgefonds und erhöhen den Druck, die leer verkauften Anteile einzudecken. Dass kann in einem regelrechten Kursfeuerwerk münden:
Kursfeuerwerk für die Aktionäre Desaster für die Hedgefonds
Denn zusätzlich zur normalen täglichen Nachfrage gesellen sich dann die Eindeckungs-Käufe der Hedgefonds.
Laut Bundesanzeiger hat bis zur Stunde erst ein Hedgefonds, Coatue Management, L.L.C., an den letzten beiden Tagen seine Leerverkaufsposition von 1,29% auf 1,07% abgebaut. Angesichts des gestrigen Umsatzes dürften jedoch noch weitere Eindeckungen erfolgt sein.
Die anderen 9 Hedgefonds spielen offensichtlich auf Zeit ein riskantes Spiel.
Viel Erfolg an den Börsen,
Ihr
Andreas Sommer