"Zu Beginn Deines Berichts suggerierst Du, dass man „mit ein wenig Analyse und logischem Menschenverstand schon jetzt eine Entscheidung treffen“ könnte (wenn auch als rhetorische Frage formuliert)."
--> der Punkt hier ist, dass die KPMG Untersuchung eine Farce zur Beruhigung der Anleger ist. Man kann jedoch an der Bilanz erkennen, dass round tripping nicht stattgefunden haben kann.
--> die Entscheidung bezieht sich auf Kauf oder Verkauf
"Später schreibst Du dann: „Durch geschicktes Agieren ist es zwar möglich, Wirtschaftsprüfer über einige Zeit hinweg zu täuschen“ (genau darum geht es ja eigentlich) und nennst namhafte Beispiele von Milliarden-Unternehmen (Steinhoff, Worldcom, Enron), die es auch geschafft haben, über Jahre hinweg die Wirtschaftsprüfer, Analysten, Investoren zu täuschen. Also irgendwie fehlte mir DAS Argument, warum das bei Wirecard völlig anders geartet ist und daher dort nicht eintreten kann."
--> die Argumentation fußt darauf, dass man Umsätze und Gewinne nicht einfach so aus dem Nichts fiktiv erhöhen kann, sondern dass man ebenfalls die Bilanz aufblähen soll.
--> Wirecard hat nur sehr wenige Bilanzpositionen.
Eine Manipulation von Cash ist nicht möglich
--> Receivables kann man nur fälschen, wenn man Transaktionen mit Drittunternehmen so geschickt einfädelt, dass es die Wirtschaftsprüfer nicht merken. Es gibt weder Beweise für kontrollierte Drittunternehmen, noch für gefälschte Forderungen. Die Frage, ob das nicht doch sein kann, musst du dann aber jedem einzelnen Unternehmen auf dieser Welt stellen. Wenn man Wirecard verdächtigt, dann auch Adyen, Paypal und alle anderen Unternehmen.
--> Am wahrscheinlichsten ist die Fälschung von Intangibles, weil hier der größte Spielraum gegeben ist, aber auch nicht einfach so und schon garnicht beim Kauf des Unternehmens. Darauf spielt Mccrum ab. Seine Argumentation ist aber buchhaltärisch völlig haltlos. Gewinne aus dem Unternehmenskauf fallen nur bei der Zuschreibung oder beim Widerverkauf an. Beides hat nicht stattgefunden.
--> Von Umsätzen zu sprechen, die umgeroutet werden, ist auch völlig falsch. Es entstehen keine Umsätze bei Unternehmenskäufen.
"Bezüglich der Indien-Akquisition finde ich nichts über diese komische Tatsache, dass das Unternehmen innerhalb von wenigen Wochen einmal für 37 Mio USD und einmal für 300 Mio USD über den Tisch gegangen ist. Der wichtigere Aspekt jedoch: ich mag mich falsch erinnern, aber ich dachte der Vorwurf war, dass der möglicherweise zu viel bezahlte Kaufpreis iHv 300 Mio später als Umsatz wieder zu Wirecard geflossen ist, oder? M.e. stand nie zur Diskussion, dass Wirecard die Beteiligung zu hoch angesetzt hat. Ich weiß daher nicht, ob Du an dem eigentlichen Vorwurf vorbei argumentiert hast, aber vllt täusche ich mich hier."
--> Bei Akquisitionen spielt der eigentliche Kaufpreis und das Unternehmen mit seinen Assets eine untergeordnete. Es geht primär darum, in einem neuen Markt Fuß zu fassen. Ein paar hundert Millionen sind ein kleiner Preis, wenn man einen Milliardenmarkt dahinter vermutet.
--> Außerdem ist es nicht so, dass Kaufpreise von Unternehmen wie beim Metzger an der Wurst dran stehen, sondern solche Preise sind Firmengeheimnisse, die gehütet werden. Wie Wirecard in ihrer Stellungnahme schreiben, war überhaupt nicht bekannt, für welchen Preis das Unternehmen zuvor weiterveräußert wurde. Das ist auch absolut glaubhaft, wenn man sich ein bisschen mit dem Thema auskennt.
--> Wenn man sich andere Acquisitionen anschaut, auch in den Wirecard Bilanzen ist diese Übernahme keine Ausnahme, sondern die Regel. In 90% aller Fälle ist der Goodwill die mit Abstand größte Position des Kaufes. Das kannst du in den Jahresabschlüssen nachlesen.
--> Bei all diesen Goodwills ist es aber trotzdem so, dass der Anteil der Intangibles in den Bilanzen von Wirecard fällt primär zugunsten von Cash. Einen besseren Beweis gibt es nicht, wenn man Bilanzbetrug ausschließen will. Wenn Wirecard hier betrügen wollte, und da gebe ich Dir Brief und Siegel drauf, würdest du eine steigende Kurve wie bei Steinhoff sehen und keine fallende.
"Ansonsten danke für den interessanten Artikel, der viele Dinge noch mal gut zusammenfasst. Ob das jetzt hilft, diesen (in deutsch geschriebenen) Artikel an jeden FT/McC Tweet dranzuheften, darf man aber bezweifeln. "
Gerne, ich hoffe diese Ausführungen konnten das ganze nochmal etwas verdeutlichen.