Ich bin gegen dieses pauschale Presse-Bashing, denke dass ein Teil der Presse-Kritik an Wirecard auch durchaus seine Berechtigung hat und ich verstehe die Forum-Aversion gegen den Konjunktiv nicht. Letzter ist nun elementarer Bestandteil des Journalismus wenn man nicht gerade aufgezeichnete Interviews, Gerichtsskripte, etc. in Besitz hat.
Was mich aber ärgert sind die heutigen Tweets & Überschriften der FT „Middleman’s profits draw India deal into Wirecard scandal“ und auf dem anderen FT Kanal der Passus „accounting scandal“. FT sagt damit implizit oder will damit festigen, dass es diesen Skandal bereits gibt und das ist in der Tat für mich kein objektiver Journalismus.
Die FT hat zwar den Skandal ausgerufen, aber für mich gilt weiterhin: „the jury is still out there“. Enron war ein Skandal, Comroad war einer, Steinhoff ist einer - das sind alles belegte/bekannt Fälle. Aber bei Wirecard ist das mE (noch) nicht der Fall - auch wenn der Kurs einen solchen bereits widerspiegelt (aber der Kurslevel reicht mE nicht als Grund, diese Definition zu nutzen). Sollte KPMG nichts finden und aus Singapur nichts kommen, dann haben wir evtl im April die Situation, dass Wirecard dann die folgenden Segen erhalten hat:
- EY Testat für 2016
- EY Testat für 2017
- EY Testat für 2018
- Rajah & Tann 2019
- KPMG Sonderprüfung in 1Q20
- EY Testat für 2019 in April 2020
- Singapore authorities (bis April 2020?)
Also wenn diese letzten drei Dinge positiv reinkommen, was passiert dann? Weicht die FT dann von ihrer Definition eines „accounting scandals“ ab (Umbuchungen von einstelligen Mio-Beträge sind für mich übrigens kein Skandal) und schwächt die Sprache ab auf „bleibt dubios“ o.ä.? Kommt ne Entschuldigung? :-)
Überschriften wie „alleged scandal“, oder „potential scandal“, oder „rumoured scandal“ wären für mich noch halbwegs iO, aber was die FT da macht, ist für mich einfach nicht ädaquat und in meinen Augen übergriffig.