Spekulanten setzen weiterhin auf steigende Ölpreise - Erinnerung an die 70er
26.02.2008 | 8:14 Uhr | Miriam Kraus (Rohstoff Daily)
Inflation und Öl
Nach wie vor notieren die Ölpreise auf ihrem hohen Preislevel. Trotz steigender Lagerbestände in den USA, trotz US-Rezession und gerade wegen der steigenden Inflationsraten.
Gegenwärtig notiert WTI Crude zur Lieferung im April bei 99,11 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX. Brent Crude zur Lieferung im April notiert gegenwärtig bei 97,35 US-Dollar pro Barrel an der ICE Futures Exchange in London.
Im besten Falle als überraschend möchte man das hohe Rohölpreislevel betiteln, betrachtet man zugleich die fundamentale Ausgangslage. Fakt ist zwar, die wachsenden Schwellenländer generieren nach wie vor eine steigende Rohölnachfrage. Hier allen voran China, das gegenwärtig aufgrund des durch die verheerenden Schneestürme beeinträchtigten Kohlenachschubs seinen Energieverbrauch zunehmend durch Rohöl substituiert.
Fakt ist aber auch: die USA leider unter einer Rezession. Der weltweite Erdölverbraucher Nummer 1 weist eine sinkende Nachfrage und steigende Rohöl-und Benzinvorräte auf.
Auch die OPEC sieht die Versorgungslage keineswegs kritisch, geht sie doch von einer weltweiten Wirtschaftswachstumsabschwächung aus. Obgleich ich der Aussage einiger Ölminister, mögliche Förderkürzungen betreffend immer noch skeptisch gegenüber stehe, wird die OPEC im Angesicht steigender Teuerungsraten und vor allem der schwachen US-Wirtschaft mit Sicherheit keine Produktionsausweitung vornehmen.
Hier stehen nun also sowohl die US-Rezession, als auch eine keineswegs kritische Versorgungslage entgegen der massiven Preissteigerung. Warum ist das so?
Fakt 1: Die Spekulanten
Wieder haben die Hedge-Fonds und andere große Spekulanten ihre Wetten auf steigende Ölpreise erhöht, den CFTC–Daten gemäß.
Die Netto-Long–Positionen sind in der vergangenen Woche um 52% auf 60.873 Kontrakte gestiegen, der höchsten Anzahl innerhalb eines Monats.
Fakt 2: Inflation
Niemand kann es mehr leugnen: die Teuerungsraten steigen. Während China auf eine Inflationsrate von 7,1% mit Leitzinserhöhungen reagiert und eine leichte Abschwächung des immerhin größten Wirtschaftswachstums der Welt hinnimmt, forciert gerade die US-Zentralbank mit ihrer Politik zur Bekämpfung der Rezession in Form von Leitzinssenkungen die Inflation weiter. Selbst von offizieller Seite wird die Geldentwertung inzwischen zu- und bekannte gegeben. Die USA melden eine Teuerungsrate von 4,3%, das entspricht bereits einem 16-Jahres-Hoch. Auch die Eurozone hob die Schätzung für die Inflation des Euro auf 2,6% an.
Interessant wird die Betrachtung dieser Zahlen allerdings vor allem dann wenn man bedenkt, dass seit der Clinton-Administration zur Berechung der Teuerungsrate eine andere Methode herangezogen wird. Die so genannte Warenkorb-Definition, die einige wesentliche austauschbare Faktoren beinhaltet und (noch wesentlich interessanter) einen geringeren Prozentsatz zum Ergebnis hat, als die alte Berechnungsmethode aus der österreichischen Volkswirtschaftslehre. Zieht man nämlich die alte Methode zur Berechnung vor, erhält man eine gegenwärtige Inflationsrate von fast 8% für die USA. Auch Euroland nutzt im Übrigen verstärkt Faktoren der Warenkorb-Definition zur Berechnung.
Fakt 3: Die Wiederauferstehung der Stagflation
Nun, die Inflation ist da, nicht gefühlt sondern real. Zeitgleich aber haben die USA ja nun auch noch mit einer Rezession, oder mit einer wirtschaftlichen Fast- Stillstandsphase zu kämpfen. Eigentlich erwartet man in Rezessionsphasen keine steigenden Preise. Wenn diese aber auftreten, wie jetzt, dann ist dies meist nur der staatlichen Einmischung zu verdanken, wie jetzt. Die Politik der US-Zentralbank ist der Konjunkturförderung gewidmet, führt aber zeitgleich zu einer Inflationsförderung. Dieses Szenario aus Inflation und Rezession nennt man Stagflation.
Und nicht wenige fühlen sich momentan an die Zeit der späten 70er Jahre und beginnenden 80er erinnert.
Rohstoffe: MegaHausse
26.02.2008 | 8:14 Uhr | Miriam Kraus (Rohstoff Daily)
Inflation und Öl
Nach wie vor notieren die Ölpreise auf ihrem hohen Preislevel. Trotz steigender Lagerbestände in den USA, trotz US-Rezession und gerade wegen der steigenden Inflationsraten.
Gegenwärtig notiert WTI Crude zur Lieferung im April bei 99,11 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX. Brent Crude zur Lieferung im April notiert gegenwärtig bei 97,35 US-Dollar pro Barrel an der ICE Futures Exchange in London.
Im besten Falle als überraschend möchte man das hohe Rohölpreislevel betiteln, betrachtet man zugleich die fundamentale Ausgangslage. Fakt ist zwar, die wachsenden Schwellenländer generieren nach wie vor eine steigende Rohölnachfrage. Hier allen voran China, das gegenwärtig aufgrund des durch die verheerenden Schneestürme beeinträchtigten Kohlenachschubs seinen Energieverbrauch zunehmend durch Rohöl substituiert.
Fakt ist aber auch: die USA leider unter einer Rezession. Der weltweite Erdölverbraucher Nummer 1 weist eine sinkende Nachfrage und steigende Rohöl-und Benzinvorräte auf.
Auch die OPEC sieht die Versorgungslage keineswegs kritisch, geht sie doch von einer weltweiten Wirtschaftswachstumsabschwächung aus. Obgleich ich der Aussage einiger Ölminister, mögliche Förderkürzungen betreffend immer noch skeptisch gegenüber stehe, wird die OPEC im Angesicht steigender Teuerungsraten und vor allem der schwachen US-Wirtschaft mit Sicherheit keine Produktionsausweitung vornehmen.
Hier stehen nun also sowohl die US-Rezession, als auch eine keineswegs kritische Versorgungslage entgegen der massiven Preissteigerung. Warum ist das so?
Fakt 1: Die Spekulanten
Wieder haben die Hedge-Fonds und andere große Spekulanten ihre Wetten auf steigende Ölpreise erhöht, den CFTC–Daten gemäß.
Die Netto-Long–Positionen sind in der vergangenen Woche um 52% auf 60.873 Kontrakte gestiegen, der höchsten Anzahl innerhalb eines Monats.
Fakt 2: Inflation
Niemand kann es mehr leugnen: die Teuerungsraten steigen. Während China auf eine Inflationsrate von 7,1% mit Leitzinserhöhungen reagiert und eine leichte Abschwächung des immerhin größten Wirtschaftswachstums der Welt hinnimmt, forciert gerade die US-Zentralbank mit ihrer Politik zur Bekämpfung der Rezession in Form von Leitzinssenkungen die Inflation weiter. Selbst von offizieller Seite wird die Geldentwertung inzwischen zu- und bekannte gegeben. Die USA melden eine Teuerungsrate von 4,3%, das entspricht bereits einem 16-Jahres-Hoch. Auch die Eurozone hob die Schätzung für die Inflation des Euro auf 2,6% an.
Interessant wird die Betrachtung dieser Zahlen allerdings vor allem dann wenn man bedenkt, dass seit der Clinton-Administration zur Berechung der Teuerungsrate eine andere Methode herangezogen wird. Die so genannte Warenkorb-Definition, die einige wesentliche austauschbare Faktoren beinhaltet und (noch wesentlich interessanter) einen geringeren Prozentsatz zum Ergebnis hat, als die alte Berechnungsmethode aus der österreichischen Volkswirtschaftslehre. Zieht man nämlich die alte Methode zur Berechnung vor, erhält man eine gegenwärtige Inflationsrate von fast 8% für die USA. Auch Euroland nutzt im Übrigen verstärkt Faktoren der Warenkorb-Definition zur Berechnung.
Fakt 3: Die Wiederauferstehung der Stagflation
Nun, die Inflation ist da, nicht gefühlt sondern real. Zeitgleich aber haben die USA ja nun auch noch mit einer Rezession, oder mit einer wirtschaftlichen Fast- Stillstandsphase zu kämpfen. Eigentlich erwartet man in Rezessionsphasen keine steigenden Preise. Wenn diese aber auftreten, wie jetzt, dann ist dies meist nur der staatlichen Einmischung zu verdanken, wie jetzt. Die Politik der US-Zentralbank ist der Konjunkturförderung gewidmet, führt aber zeitgleich zu einer Inflationsförderung. Dieses Szenario aus Inflation und Rezession nennt man Stagflation.
Und nicht wenige fühlen sich momentan an die Zeit der späten 70er Jahre und beginnenden 80er erinnert.
Rohstoffe: MegaHausse

