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„die kommunizierenden Gefässe“: die Tanks unserer Autos und die Bäuche der 3.Welt (Agrarrohstoffe)
Die Herstellung von Lebensmittel ist im Zuge der Industrialisierung und Globalisierung des 20 Jahrhunderts eine sehr (Öl-) Energie aufwendige Produktion geworden. Jeder Anstieg der Rohölpreise wirkt sich daher unmittelbar auf die Kosten für Diesel für Traktoren, andere schwere landwirtschaftlichen Maschinen und Dieselgeneratoren für die Bewässerungsanlagen sowie Öl basierende Fertilizer aus (Check Fertilizer nur aus Erdgas oder auch aus Rohöl). Auch der Transport von landwirtschaftlichen Produkten vom Bauernhof und die weitere Verarbeitung bis hin zum täglichen Brot, Müsli, Fertiggericht und Wiener Schnitzel kosten erhebliche Mengen an Energie. Kein Bauer kann es sich leisten, teueren Diesel für seine Traktoren und Maschinen zu kaufen, und seine Produkte billig unter seinen Kosten zu verkaufen. Die Landwirte trifft keine Schuld, die müssen um zu überleben, die gestiegenen Kosten weitergeben. In einer globalisierten Weltwirtschaft hat der Preis für Rohöl unmittelbare Auswirkungen auf den Preis von Agrarrohstoffe und damit auch für Lebensmittel, aber auch auf den Preis anderer Energien
Vor etwa hundert Jahren waren etwa 30 % US Amerikaner in der Landwirtschaft tätig. Der damalige Einsatz betrug weniger als 1 kcal Arbeitsaufwand durch den körperlichen Einsatz von Menschen und (Zug)tier für 1kcal vegetarisches Lebensmittel, das auf den Teller gelangen sollte. Heute beträgt der Energieaufwand, überwiegend durch den Einsatz in der Form von „Diesel“ etwa 17 kcal. Für 1 kcal Fleisch, welches auf den Teller kommen soll, sind in der industrialisierten Landwirtschaft sogar rund 100 kcal Energieaufwand geworden, da zuerst Futtermittel für das Mastvieh erzeugt werden muss.
Die sogenannte „Grüne Revolution“, die es durch den Einsatz schwerer landwirtschaftlicher Geräte ermöglichte, dass heute nur noch weniger 1,5% der Amerikaner in der Landwirtschaft tätig sind, basierte in erster Linie auf den massiven Einsatz billiger Erdölenergie. Die Preise für Erdöl fielen real (also inflationsbereinigt), lange Zeit selbst nominal (also in nackten Zahlen), über mehr als 20 Jahre lang von 1980 bis fast 2000 und wirkten sich dabei, produktivitätssteigernden und kostendämpfend auf die Lebensmittelpreise aus. Einen großen Teil unseres Wohlstandes verdanken wir den gefallenden Erdölpreises in den letzten 20 Jahren im alten Jahrtausend. Die Kosten und damit die auch die Preise von Lebensmittel einer energie(Öl)-aufwendigen, industrialisierten, Landwirtschaft stehen aber auch in Europa in einer direkten, untrennbaren und sehr unmittelbaren Beziehung zum Ölpreis.
Verstärkt wird diese Verknüpfung zwischen Öl- und Lebensmittelpreisen, durch den einigen Jahren zunehmenden Trend zu „Biotreibstoffen“, eine sehr fragliche und wie sich immer mehr herausstellt, wahrscheinlich untaugliche Maßnahme, die CO2 Bilanz zu verbessern und dem stetigen Anstieg der Treibstoffpreise Einhalt zu gebieten. Auf die Frage nach Energie- und CO2 Bilanz der Herstellung von Biotreibstoffen soll hier nicht weiter eingegangen werden. Agrarfläche die der Herstellung von Biotreibstoffen dient, steht für die Lebensmittelherstellung nicht mehr zur Verfügung. Ein paar Zahlen untermauern, die Beobachtung, dass sich die Herstellung von Lebensmitteln und Biotreibstoffen auf einer begrenzt vorhanden landwirtschaftlichen Nutzfläche sich wie „kommunizierende Gefäße“ verhalten: aktuell werden etwa 19 % der Fläche der USA landwirtschaftlich genutzt. Die USA müssten diese Fläche aber auf 33% erhöhen und auf diese zur Gänze der Herstellung von Biotreibstoffen widmen, um den aktuellen Treibstoffverbrauch zu decken. Die USA müsste dann zu 100% Lebensmittel importieren. In diesem rein hypothetischen Szenario, würden die weltweiten Preise für Agrarrohstoffe und andere Lebensmittel auf Grund der erhöhten US-Nachfrage in die Höhe schnellen. Der Transport, Verteilung& Kühlung der importieren Agrarrohstoffe und Lebensmittel würden die Nachfrage nach Treibstoffen zusätzlich erhöhen (Schiffe, Flugzeuge, schwere LKWs). Besonders aber in Europa scheinen sich langsam aber zunehmend die Stimmen zu mehren, die nicht nur die Energiebilanz der aktuellen Biotreibstoffherstellung in Frage stellen, sondern auch den ethischen Aspekt in die Diskussion bringen.
Neben der pragmatischen Frage nach der Energieeffizienz, werden sich die Befürworter der Biotreibstofferzeugung in Europa und in den USA zukünftig mehr und mehr wohl die Frage gefallen lassen, wie es mit dem Gewissen vereinbart werden kann, wenn man mit dem Getreide das für eine Biotreibstoff-Tankfüllung benötigt wird, 1 Mensch ein ganzes Jahr ernährt werden kann. Die Treibstofftanks unserer Autos und die Mägen der Menschen in der Dritten Welt scheinen in einer globalisierten Weltwirtschaft mit weltweitem Handel an Agrarrohstoffen, zu „kommunizierenden Gefäßen“ geworden sein. Die Realität ist jedoch noch schlimmer als dieser grausige Vergleich. Man braucht keine profunde Analyse, um schon jetzt zu erkennen, wie sich die zukünftige „Füllung“ auf die Mägen in den armen Ländern und die auf die Autotanks in den reicheren Ländern verteilt wird.
Neben der zunehmenden Herstellung von „Biotreibstoffen“ hat sicherlich auch die außergewöhnlich hohe Ausweitung der Geldmenge (Inflation) in den OECD Ländern, auch in Europa, ganz besonders aber in den USA durch deren verfehlte Zins-, Währungs- und Haushaltspolitik der letzten Jahre, Teuerungen rund um den Globus mitverursacht. Teuerungen trifft wie stets immer besonders die Armen, seien es ärmere Länder oder einkommensschwächere Schichten auch in reichern Ländern.
Zuletzt häuften sich die Bilder und Berichte über Demonstrationen und Aufständen mit zum Teil tödlichem Ausgang gegen die zunehmende Knappheit an Grundnahrungsmitteln wie Reis, Mais, Sojabohnen bei gleichzeitig steigenden Preisen. Laut UNO Welternährungsprogramm (check DE term, english correct: U.N.'s World Food Program.) erfassten zuletzt solche Unruhen zuletzt (stand Mai 2008, Referenz) bereits 34.
Laut Informationen und der deutlichen Warnung der UNO sind derzeit schon etwa 820 Millionen unmittelbar mit Hunger konfrontiert, Tendenz steigend. Mit dem Ende des Zeitalters von „cheap oil“ scheint auch das Ende der Ära von „cheap food“ gekommen. Die Herausforderungen an die Wirtschaften und in den kommenden Jahren zunehmender knapper werdenden Erdölressourcen, werden enorm sein. Energie- und Lebensmittelversorgungssicherheit werden rund um den Globus zunehmend an Bedeutung gewinnen, damit verbunden aber auch alle anderen Bereiche unseres Lebens.
Wie die Zahlen zur landwirtschaftlichen Nutzfläche in den USA zudem zeigt: die Rechung mit Biotreibstoffen kann nicht aufgehen, wenn eine mittel- und langfristig gesicherte Treibstoff- und Lebensmittelversorgung das Ziel ist. Im schlimmsten Fall verzögert und hemmt die kurzsichtige Herstellung von Biotreibstoffen sogar die Bereitschaft der westlichen Regierungen, notwendige mittel- und langfristige Maßnahmen mit einem multidisziplinären Ansatz einzuleiten. Die Herstellung von Biotreibstoffen soll hier aber keineswegs insgesamt verteufelt werden. Die Bioethanolherstellung aus Zuckerrohr in Brasilen, zeigt dass es unter bestimmten Umständen Biotreibstoffe durchaus sinnvoll sein können.
Schon Einstein hat schon erkannt - ROBERT - ....
(SUBSEKTION Decline-Raten)
Es mag nicht gänzlich unmöglich erscheinen, dass unsere westlichen Wirtschaften mit einem jährlich zunehmenden Angebotsdefizit von 2 % ohne schwere Verwerfungen zurecht kommen könnten, wenn geeignete Massnahmen ergriffen werden. Ein Blick in die jüngste Vergangenheit als der Hurrikan „Katrina“ zu einem temporären Ausfall von etwa 2 % der globalen Produktion zu einem raschen 25 % Preisanstieg bei Rohöl geführt hat – (Referenz), zeigt die Bedeutung von „nur“ 2 % der globalen Produktion. Seit Wirbelsturm Katrina hat der Ölpreis in USD übrigens weitere rund xxx % bis Juni 2008 zugelegt. Im Zuge des Ölembargos arabischer Staaten 1972/1973, der den „Ölschock“ (link wikipedia) und Ölpreis induzierte Rezession zur Folge hatte, fielen etwa 5 % der globalen Produktion dem Embargo zum Opfer. (check Referenz, zB Hirschreport p26)
Beispiele an decline raten von ölfeldern (zB cantarell, Texas, Nordee, Alaska), IEA Birol Stellungnahme
Ölpreis
Der Rohölpreis wurde von seinem Hoch Anfang 1980 von 30 USD bis 1999 gedrittelt (check figures & dates). Über fast zwei Jahrzehnte hat diese Entwicklung erheblich dazu beigetragen, dass die erhobenen Teuerungsraten in den ölverbrauchenden OECD Ländern stetig verringert werden konnten und die Konsumenten in den westlichen Wirtschaften ihre Kaufkraft und damit ihren Wohlstand mehren konnten.
Im neuen Jahrtausend jedoch scheint es für den Ölpreis nur noch eine Richtung zu geben: die nach oben. Seit seinem Tief Anfangs 1999 (check tief) hat sich der Ölpreis in USD verxxxfacht, seit 2001 (11/9) verxxxfacht, seit 2003 (Einmarsch der USA in den Irak) verxxxfacht, seit Hurrikan Katrina in der US Öl-Golfregion im August 2005 um xxx % verteuert und selbst gegenüber Mai 2007 um xx % verteuert (GRAPHIK – Ölpreischart mit den historischen Ereignissen – zumindest seit 1999 besser seit 2 WK oder 1960). Ein Teil der nominellen Preissteigerung ist auf den abschwächenden USD zurückzuführen, doch selbst im „harten €uro“ gerechnet, hat sich der Ölpreis von 1999 bis Mai 2008 mehr als verfünffacht.
Mittelfristig könnte die Nachfrage nach Rohöl durch den hohen Preis selbst gehemmt werden, wenn ärmere Länder der Welt, aber auch sozial einkommensschwächere Konsumenten in den westlichen Industrieländern, mehr und mehr gezwungen sind, ihren Verbrauch und damit die Nachfrage nach Rohöl bzw. Treibstoff zu verringern. Auch hätten eine wirtschaftliche Abschwächung und eine Ölpreis induzierte Rezession sicherlich einen mittelfristig auf Nachfrage hemmenden Effekt auf Rohöl. Eine wirtschaftliche Abschwächung und damit eine Reduktion der Nachfrage könnte auch durch Zinserhöhungen durch die Nationalbanken der USA und der EU induziert werden, ähnlich wie Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre auf die ausufernden Teuerungen reagiert wurde. Eine solche Maßnahme hätte natürlich entsprechende Folgen auf die Volkswirtschaften und auf den Arbeitsmarkt, könnte aber die Nachfrage nach Erdöl und damit auch sehr wahrscheinlich den Preis verringern. Auf diese Weise könnte zudem Zeit gewonnen werden, um langfristig wirkende Maßnahmen einzuleiten, die Abhängigkeit unserer Wirtschaft und unseres Lebens von Erdöl bedeutend zu verringern.
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