Wie viele Anleihen sollte ich im Portfolio haben?


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Der Bauer:

Wie viele Anleihen sollte ich im Portfolio haben?

 
24.01.03 14:02

von Prof. Dr. Max Otte, IfVB GmbH

In viele, aber nicht in alle Wertpapierdepots gehören Anleihen, Geldmarktfonds oder Termingelder. Eine einfache Faustformel zur Bestimmung des Anleihenanteils ist:

  • 100 - Lebensalter = Aktienanteil
  • 100 - Aktienanteil = Anleihenanteil

Noch einfacher: das Lebensalter entspricht dem Anleihenanteil in Prozent. Ich halte diese Formel für nicht mehr zeitgemäß, vereinfachend und in vielen Fällen schlicht für falsch. Allerdings enthält sie einen wahren Zusammenhang: je älter wir werden, desto mehr setzen wir normalerweise auf Sicherheit und Berechenbarkeit in unserem Wertpapierdepot und desto mehr wollen wir von einem stetigen Einkommensstrom leben.

Ein Fallbespiel

Vor einiger Zeit beriet ich ein Ehepaar - sie Anfang 70, er Anfang 80 - die insgesamt drei Millionen Euro angelegt hatten. 50 Prozent waren in Blue Chips, 50 Prozent in Anleihen angelegt. Dieses Vermögen war die einzige Alterssicherung. "Nicht so schlecht", denken Sie vielleicht, "mit 3 Millionen Euro komme ich wohl über die Runden." Allerdings war das Ehepaar einen aufwendigen Lebensstil gewöhnt.

Die Dame des Hauses hatte sich zu Zeiten der Börseneuphorie als Hobbyspekulantin betätigt, erzielte anfänglich wie viele gute Erfolge und musste dann in den Jahren 1999 - 2002 mit ansehen, wie das Vermögens von neun Millionen Euro auf drei Millionen Euro zusammenschmolz. Das zerrt an den Nerven. Erst zu Schluss war sie zu der Auffassung gekommen, dass auch Anleihen in ihr Portfolio gehörten. Als ich im Frühjahr 2002 mit den beiden sprach, empfahl ich, den Anleihenanteil weiter zu erhöhen. Im Mai 2002 begann ich auch, die Gesamtmarktsituation trotz der bereits zwei schlechten Jahre sehr kritisch zu sehen.

Mit einem reinen Anleihenportfolio hätten die beiden vor Steuern immerhin ca. 150 000 Euro pro Jahr, also ca. 80 000 Euro nach Steuern, verdient. Wenn Sie dann noch ca. 50 000 Euro entnommen hätten, hätten sie ihren Lebensstil weiter finanzieren können - und nach weiteren 20 Jahren immer noch ca. eins - 1,5 Millionen Euro gehabt. Allerdings kam man meiner Empfehlung nicht nach. Beide waren nervlich so belastet, dass sie sagen: "Wir machen jetzt erst einmal gar nichts mehr!"

Drei Faktoren sind ausschlaggebend

Ich bestimme den Anleihenanteil nach drei Faktoren: Anlagezielen, Alter und konjunktureller Situation.

Anlageziele und Vermögenssituation
In der Phase des Vermögensaufbaus ist der Anleihenanteil zweifelsohne kleiner als in der Phase der Vermögenssicherung oder der Entnahme (wenn Sie also ein laufendes Einkommen aus Ihrem Vermögen beziehen wollen). Wenn Sie zum Beispiel in der Phase des Vermögensaufbaus einen Aktien- oder Fondssparplan verfolgen, dürfte Ihr Anleihenanteil gegen Null gehen. Für unvorhergesehene Ausgaben halten Sie Termingelder oder ein Girokonto bereit.

Die meisten deutschen Anleger sind NICHT in der Situation des oben genannten Ehepaares, den nur die wenigsten deutschen Ruheständler leben ausschließlich von ihrem Wertpapierdepot. Insofern werden die meisten Ruheständler nicht nur Einkommen entnehmen, sondern ihr Vermögen sichern oder sogar weiter aufbauen wollen.

Je weniger Sie auf die laufende Entnahme von Einkommen angewiesen sind und je mehr Zeit Sie haben, desto höher kann Ihr Aktienanteil sein.

Alter
Mit höherem Alter steigt der Anleihenanteil tendenziell. Die Mehrzahl meiner Beratungskunden haben derzeit einen Anleihenanteil von 40 - 60 Prozent. Trotz der schlechten konjunkturellen Situation ist der Anleihenanteil also geringer als es die anfangs erwähnte Faustformel implizieren würde.
Viele meiner Kunden befinden sich im Ruhestand. Dennoch habe ich hier oft einen Aktienanteil von 40 Prozent und mehr empfohlen.

Konjunkturelle Situation
Es klingt einfach: in einer Baisse sollte man den Anleihenanteil erhöhen, in einer Hausse verringern. Wenn Sie aber meine Kolumnen kennen, wissen Sie auch, dass ich der Börse mit einer gewissen Demut gegenübertrete. Wir haben vielleicht eine Meinung bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Börse, aber wir WISSEN es nicht. Die Börse ist jederzeit bereit, uns ein Schnippchen zu schlagen.

Derzeit ist der Anleihenanteil meines Wachstumsportfolios, also des Portfolios, welches die konjunkturelle Situation berücksichtigt, 40 Prozent. Es kann gut sein, dass ich diesen Anteil erhöhe. Bei vielen jüngeren Anlegern, die in den letzten Jahren wie alle viel Geld verloren haben, ist die Bereitschaft, einen Teil Ihres Depots in Anleihen oder Geldmarktfonds zu halten, immer noch gering. Sie setzen sich selber unter Druck, weil sie die Verluste der letzten Jahre schnell aufholen wollen.

Die freie Variation des Anleihenanteils nach der konjunkturellen Lage ist nur der letzte Schritt. Wir können uns ein Bild von der konjunkturellen Lage machen, aber die Basisfaktoren ? Anlageziele und Vermögenssituation, so wie Alter, sind wichtiger.

Empfehlungen

Der Kauf einzelner Anleihen lohnt sich ab Depotgrößen von ca. 150.000 - 200.000 Euro. Bei kleineren Depots bieten Geldmarktfonds eine echte Alternative, z. B. der DWS Variorent (WKN 847658) oder der DEKALUX (WKN 986984). Die Verwaltungsgebühren dieser Fonds liegen zumeist bei 0,5 Prozent oder darunter, und die Gelder sind täglich verfügbar. Die Rendite ist natürlich bescheiden.

Falls Sie sich in der Phase des Vermögensaufbaus befinden und einen Aktien- oder Fondssparplan haben, gilt es, einfach eisern weiter zu investieren.

Falls Sie sich im Ruhestand befinden oder darauf zugehen: überlegen Sie, wie viel Geld Sie jährlich aus Ihrem Depot entnehmen wollen, um Ihren Lebensstand zu subventionieren. Rechnen Sie derzeit mit einer Rendite nach Steuern von 2,5 Prozent. Benötigen Sie also jährlich 10 000 Euro zusätzlich, müssen Sie schon 400 000 Euro angelegt haben.

Die meisten Anleger werden sich in einer Situation zwischen a) und b) befinden, das heißt, schon ein gewisses Portfolio aktiv verwalten und weder einen reinen Spar- noch einen reinen Entnahmeplan fahren. Hier kann es keine Patentrezepte geben, allerdings: ca. 40 Prozent Anleihenanteil sind derzeit ratsam, wenn Sie Ihrem Depot keine weiteren Sparbeträge hinzufügen und nichts entnehmen wollen. Wenn Sie entnehmen wollen, sollte der Anleihenanteil tendenziell höher sein.

Die IFVB GmbH, gegründet von Prof. Dr. Max Otte, ist Deutschlands erste Internet-Gemeinschaft für den privaten Vermögensaufbau. Mitglieder haben die Möglichkeit, das umfangreiche Angebot und den Börsenbrief zu nutzen. Kernstück ist die detallierte Analyse von Top-Unternehmen mit für Privatinvestoren nachvollziehbaren Prinzipien und Kriterien.

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