Wettbewerb der Reformmodell/eine Übersicht


Thema
abonnieren
Beiträge: 12
Zugriffe: 517 / Heute: 1
das Zentrum d.:

Wettbewerb der Reformmodell/eine Übersicht

 
10.10.03 08:39

Radikale Vereinfachung, niedrige Steuersätze
In der Steuerpolitik läuft ein Wettbewerb der Reformmodelle / Von Joachim Jahn

FRANKFURT, 9. Oktober. Welch Reformeifer sich derzeit in der Steuerpolitik breitmacht, gerät im Streit um "Bürgerversicherung" und "Kopfpauschalen" fast ein wenig aus dem Blickfeld. Zuletzt hat Unions-Fraktionsvize Friedrich Merz die Grundzüge eines Steuermodells vorgestellt, das seine Partei - die CDU - Anfang November billigen soll (F.A.Z. vom 9. Oktober). Zugleich kündigte CSU-Chef Edmund Stoiber ein eigenes Konzept an. Bereits auf dem Tisch liegen außerdem weitere Vorschläge für einen mehr oder weniger radikalen Umbau der Abgabengesetze, die verschiedene Arbeitsgruppen von Steuerrechtlern und Wirtschaftswissenschaftlern in letzter Zeit ausgetüftelt haben. Wir präsentieren einen Überblick.


Der CDU-Finanzpolitiker Friedrich Merz will fast alle Steuervergünstigungen streichen, um "extrem niedrige Steuersätze" möglich zu machen - von "deutlich unter 40 Prozent" in der Spitze. So sollen Pendlerpauschale, Arbeitnehmerpauschbetrag und Sparerfreibetrag wegfallen, obwohl die CDU-geführten Länder im Bundesrat sich derzeit schon gegen Pläne der Bundesregierung zu einer bloßen Kürzung der Pendlerpauschale stemmen. Zuschläge auf Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit müssen nach Merz' Vorschlägen vom Mittwoch künftig voll versteuert werden, während die rot-grüne Koalition lediglich eine Kappungsgrenze einführen will. Auch an Wertzuwächsen von Aktien und nicht selbst genutzten Immobilien will Merz den Fiskus bei einem Verkauf beteiligen; bisher gibt es dafür eine Steuerpflicht nur vor Ablauf bestimmter Fristen, die Rot-Grün allerdings drastisch verlängert hat. Das sogenannte Bankgeheimnis soll nach dem Willen von Merz ganz wegfallen. Von einer solchen Reform erhofft er sich auch eine "radikale Vereinfachung" des Steuerrechts; Steuererklärungen sollen per Postkarte möglich werden. Ausnahmen gibt es dann nur noch für Aufwendungen zur eigenen Altersvorsorge und für Spenden an gemeinnützige Organisationen. Jedes Familienmitglied bekommt einen Freibetrag von rund 8000 Euro.

Die CSU kündigte am Mittwoch überraschend an, ein eigenes Konzept zu entwickeln - unter Federführung von Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser. Nach Angaben des Parteivorsitzenden Stoiber soll es aber grundsätzlich beim "linear-progressiven" Tarif bleiben, bei dem der Steuersatz mit wachsendem Einkommen kontinuierlich steigt.

Die FDP hatte bereits am Montag einen Reformplan vorgestellt. Er soll die Bürger jährlich um 26 Milliarden Euro entlasten. Ziel sei auch, daß jeder Bürger seine Steuererklärung wieder selbst ausfüllen könne - und zwar auf einem einzigen Blatt Papier. Finanzieren wollen die Liberalen das Projekt durch massive Privatisierungen und einen wesentlich drastischeren Subventionsabbau, als ihn die Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) vorgeschlagen haben, wie Parteivize Andreas Pinkwart sagte. Vorgesehen sind nur noch drei Tarifstufen bei der Einkommensteuer von 15, 25 und 35 Prozent. Die unterschiedliche Besteuerung von Privatpersonen, Mittelstand und Konzernen soll aufgehoben werden. Zur Freistellung des Existenzminimums wollen die Liberalen für jeden Bürger, also auch für jedes Kind, einen Grundfreibetrag von 7500 Euro einführen. Einzelheiten will FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms kommende Woche präsentieren.

Wesentliche Vorarbeiten hat eine Expertenrunde um den früheren Verfassungsrichter Paul Kirchhof geleistet, der auch eine Forschungsstelle dazu an der Universität Heidelberg leitet. Zusammen mit dem Juraprofessor Hans-Wolfgang Arndt, dem Ökonomen Peter Bareis und Finanzbeamten hat er den "Karlsruher Entwurf" für ein kurzes und verständliches Einkommensteuergesetz entwickelt. Auch sie wollen nahezu alle Sonderregelungen und Vergünstigungen abschaffen. Unternehmen, die bislang Körperschaftsteuer zahlen, wurden nachträglich in dieses Modell eingebaut. Der Steuersatz liegt einheitlich bei 25 Prozent; Abstufungen gibt es aber durch unterschiedlich hohe Abstriche von der Bemessungsgrundlage. Kirchhof hat zwar besonders enge Kontakte zur CDU, bemüht sich aber, auch SPD und Grüne von seinem Vorhaben zu überzeugen. Manche Steuerfachleute kritisieren allerdings, daß der Entwurf viele Spezialregelungen nur in Verordnungen verlagere. In einigen Finanzministerien gibt es auch Zweifel an der praktischen Anwendbarkeit.

Ein gänzlich anderes Modell hat ein anderer Steuerprofessor aus Heidelberg ausgearbeitet: Der Wirtschaftswissenschaftler Manfred Rose fordert zusammen mit seinem Kollegen Bernd Raffelhüschen - gesponsert von bekannten Unternehmern - eine "Einfachsteuer", die vor allem den Konsum belastet. Renditen werden nur oberhalb der Inflationsrate versteuert und Aufwendungen für die Altersvorsorge freigestellt. In Kroatien hat Rose dies teilweise umsetzen können.

Der Wirtschaftsprofessor Joachim Mitschke erhielt soeben fast eine halbe Million Euro als Auszeichnung für einen Gesetzentwurf, der Gewinne von Unternehmern und Freiberuflern erst bei deren Ausschüttung oder Verwendung versteuert.

Auch der Ökonom Bert Rürup, der sich derzeit eher um die sozialen Sicherungssysteme kümmert, hat in einer eigenen Kommission einen Reformentwurf erstellt. Dieser wäre kurzfristig umsetzbar und würde trotzdem für Bürger und Finanzämter eine erhebliche Arbeitserleichterung bedeuten. Er sieht eine Verdoppelung des Arbeitnehmerfreibetrags vor, mit der sich die meisten Nachweise einzelner Ausgaben erübrigen würden. Kapitalerträge sollen bereits an der Quelle steuerlich abgegolten und die Einkommensteuererklärung nur noch alle zwei Jahre ausgefüllt werden.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2003, Nr. 235 / Seite 15


es grüßt

das Zentrum der Macht


wußtet Ihr schon, man kann jetzt bis zu

50% größer Fernsehen

Antworten
das Zentrum d.:

Finanzamt macht die Steuererklärung selbst

 
10.10.03 08:40

Noch ist er nicht öffentlich vorgestellt worden, doch führende Unionspolitiker nutzen ihn bereits als Blaupause - den "Kölner Entwurf" für ein einfacheres und gerechteres Steuerrecht. "Wir gehen stärker von den geltenden Regeln aus als der Karlsruher Entwurf von Paul Kirchhof", sagte Joachim Lang, Steuerrechtsprofessor an der Universität Köln, am Donnerstag dieser Zeitung. Doch in manchem ist sich Langs Arbeitskreis mit den Mitstreitern um den früheren Verfassungsrichter einig: Durch Streichung fast aller Steuervergünstigungen sollen die Tarife deutlich sinken. Lang gibt sich aber mit einem Spitzensatz von 35 Prozent zufrieden. "Der Steuersatz ist nicht alles", sagt er. Weitere Kernpunkte: Jegliches Sparen für das Alter - nicht nur wie bisher die Lebensversicherungen - soll steuerfrei gestellt werden; erst auf die Ausschüttungen greift der Fiskus zu ("nachgelagerte Besteuerung"). Den Unterhaltslasten in der gesamten Familie wird durch ein "Realsplitting" Rechnung getragen, ähnlich den geltenden Vorschriften für Geschiedene. Durch eine Berücksichtigung der Inflation werden keine Scheingewinne mehr etwa auf Sparbücher oder Immobilien besteuert. Doch am meisten dürfte viele Steuerzahler die vorgeschlagene Reform des Verfahrens erfreuen. Die Steuererklärung macht dabei nämlich das Finanzamt selbst. "Jeder Bürger bekommt lebenslang eine bundesweit einheitliche Steuernummer", erläutert Lang. "Arbeitgeber und Geldinstitute teilen Auszahlungen und einbehaltene Steuern der Finanzverwaltung mit, die den Steuerpflichtigen dann einen fertigen Entwurf zuleitet." Zu Langs Gruppe zählen der Steuerrechtspapst Klaus Tipke, der Ökonom Norbert Herzig, der Steuerrechtler Roman Seer und die erst 33 Jahre alte Steuerrechtsprofessorin Johanna Hey von der Universität Düsseldorf. (jja.)

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2003, Nr. 235 / Seite 15


es grüßt

das Zentrum der Macht


wußtet Ihr schon, man kann jetzt bis zu

50% größer Fernsehen

Antworten
das Zentrum d.:

Hm, interessiert wieder keinen - schade

 
10.10.03 08:59

es grüßt

das Zentrum der Macht


wußtet Ihr schon, man kann jetzt bis zu

50% größer Fernsehen

Antworten
JoBar:

dZdM Sein micht so empfindlich :) So ein Stoff

 
10.10.03 09:16
schon am frühen Morgen?

J

Wettbewerb der Reformmodell/eine Übersicht 1211181jobar.p9.org.uk/weiter2.gif" style="max-width:560px" >
Antworten
Happy End:

@dZdM: Leistest Du für Deinen Werbelink

 
10.10.03 09:23
eigentlich schon Zahlungen an Paul? *g*
Antworten
Kicky:

Hildebrandt hat das in der Abschiedsvorstellung

 
10.10.03 09:29
sehr schön karikiert.Ich fürchte die Leute sind der verschiedenen Vorstellungen zu Steueränderungen,Rentenkürzungen,Krankenkassenreduzierungen usw. müde und warten einfach ab,was passiert.Da kommt bestimmt noch mehr:Merz,Stoiber,Blum.....Herzog..Vorher kann man eh nicht reagieren,oder doch?
Antworten
das Zentrum d.:

Kicky du hast den Nagel auf den Kopf getroffen

 
10.10.03 09:37
stimme dir voll zu! Das ist aber bitter.

Happy End: nein, natürlich nicht. Ich würde den Link sofort entfernen wenn dem so wäre. So interessant ist die Zielgruppe hier bei Ariva für mich nicht (einfach zu jung)

es grüßt

das Zentrum der Macht


wußtet Ihr schon, man kann jetzt bis zu

50% größer Fernsehen

Antworten
Kicky:

der Link ist aber nicht uninteressant

 
10.10.03 09:41
89 Euro für son Ding ist entschieden billiger als ein grosser und teurer neuer Fernseher!Ob alte fast blinde Leute damit besser sehen können weiss ich nicht
Antworten
das Zentrum d.:

Doch, können sie wirklich :o)

 
10.10.03 09:43

es grüßt

das Zentrum der Macht


wußtet Ihr schon, man kann jetzt bis zu

50% größer Fernsehen

Antworten
das Zentrum d.:

FDP tritt mit Steuerplan gegen Union an

 
13.10.03 08:29

Stufenstreit über Sätze / Wirtschaft fordert rasche Steuersenkung

mas. BERLIN, 12. Oktober. Politiker von Koalition und Opposition arbeiten mit Hochdruck an ihren Plänen für künftige Steuerreformen. Die FDP stellt an diesem Montag ihren Entwurf für ein völlig neues Einkommensteuerrecht vor. Jede Person soll danach einen Steuerfreibetrag von 7500 Euro erhalten. Die nächsten 7500 Euro will die FDP mit 15 Prozent, die Einkommensteile von 15 000 bis 40 000 Euro mit 25 Prozent und das restliche Einkommen mit 35 Prozent besteuern. Der finanzpolitische Sprecher der FDP, Hermann Otto Solms, sagte dieser Zeitung, Familien würden von dem Reformmodell besonders profitieren. Denn der steuerfreie Grundfreibetrag solle für jedes Familienmitglied geltend gemacht werden können. "Eine vierköpfige Familie zahlt künftig erst dann Steuern, wenn das Haushaltseinkommen mehr als 30 000 Euro beträgt", sagte Solms. Zur Finanzierung der Steuerreform will Solms sämtliche Ausnahmetatbestände streichen. Einzelheiten nannte er nicht. Grundsätzlich sollen alle Einkünfte steuerpflichtig werden, "die durch wirtschaftliche Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht erlangt werden".

Unions-Fraktionsvize Friedrich Merz teilte am Wochenende weitere Einzelheiten seines Plans für eine große Steuerreform für die Zeit nach 2004 mit. Unter dem Strich will er die Steuerzahler um 5 Milliarden Euro entlasten. Ein Grundfreibetrag von 8000 Euro soll in Verbindung mit dem Stufentarif von 12/24/36 Prozent zu einer Bruttoentlastung von 40 Milliarden führen. Dem stehen 35 Milliarden Euro gegenüber, die sich der Fiskus durch das Streichen von Vergünstigungen wieder holen soll.


Derweil hat Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) nach Informationen des Magazins "Der Spiegel" den Gesetzentwurf zur Neuregelung der Rentenbesteuerung fertig. Schrittweise soll von 2005 an die nachgelagerte Besteuerung der Renten eingeführt werden. Von 2040 an wären alle Altersbezüge steuerpflichtig. Das Bundesverfassungsgericht hatte die Regierung verpflichtet, die ungleiche steuerliche Behandlung von Renten und Pensionen zu beseitigen.

Unabhängig von allen Plänen für die fernere Zukunft haben Spitzenvertreter der Wirtschaft an die Union appelliert, dem Vorziehen der Steuerreformstufe von 2005 auf 2004 zuzustimmen. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Ludwig Georg Braun, sagte der "Bild am Sonntag": "Nicht nur die Regierung, sondern auch die Opposition muß wissen: Das Hickhack in der Steuerdebatte nervt die Unternehmen." Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und sein Bremer Kollege Henning Scherf (SPD) schlagen nach Zeitungsberichten vor, nur die Steuerentlastung für mittlere und kleinere Einkommen vorzuziehen, um die öffentlichen Kassen nicht so stark zu belasten.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2003, Nr. 237 / Seite 11

es grüßt

das Zentrum der Macht


wußtet Ihr schon, man kann jetzt bis zu

50% größer Fernsehen

Antworten
das Zentrum d.:

Merz legt sein Steuerkonzept vor

 
30.10.03 08:26

Merz legt Merkel und Glos sein Steuerkonzept vor
Entlastung um bis zu zehn Milliarden Euro / Keine Entfernungspauschale / Abschlagsteuer

mas. BERLIN, 29. Oktober. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion Merz hat sein Konzept zur Vereinfachung des Steuersystems fertiggestellt. Kernpunkt ist eine deutliche Verbreiterung der Bemessungsgrundlage, indem beispielsweise die Entfernungspauschale gestrichen, der Arbeitnehmerpauschbetrag reduziert und der Sparerfreibetrag abgeschafft wird. Dafür soll jede Person nicht nur einen einheitlichen Grundfreibetrag in Höhe von 8000 Euro erhalten, sondern auch der Eingangssteuersatz auf zwölf Prozent gesenkt werden. Bei einem Einkommen von mehr als 16 000 Euro greift dann ein zweiter Steuersatz von 24 Prozent. Bei einem Einkommen von 40 000 Euro an ein dritter von 36 Prozent. Der Tarif soll alle zwei Jahre der Geldentwertung angepaßt werden, um heimliche Steuererhöhungen mit der Inflation auszugleichen. Obwohl Merz früher Sympathien für einen Systemwandel bei der Kapitalbesteuerung (Abgeltungssteuer) gezeigt hatte, hält er an der Abschlagsbesteuerung fest. Durch die Aufhebung allgemeiner Steuerbefreiungen, den Abbau von Vergünstigungen und Sonderregelungen sowie die Einbeziehung von Veräußerungsgewinnen in die Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer rechnet er mit Mehreinnahmen in Höhe von etwa 35 bis 40 Milliarden Euro. Dem steht eine Entlastung von 45 Milliarden Euro gegenüber. Bürger und Unternehmen sollen somit um fünf bis zehn Milliarden Euro letztlich entlastet werden.


Auf dem Bezirksparteitag Nord-Württemberg hat der CDU-Politiker am vergangenen Wochenende erstmals die Eckpunkte seines neuen Steuerrechts in der Partei zur Diskussion gestellt. Am Mittwoch hat er sein Konzept der CDU-Parteivorsitzenden Merkel, dem CDU-Generalsekretär Meyer und dem CSU-Landesgruppenchef Glos übergeben. Am Montag wird er es im Parteivorstand erläutern. Zum Schutz von Ehe und Familie will Merz das Ehegattensplitting erweitern, indem auch für Kinder vom ersten Tag an der Grundfreibetrag gewährt wird. Dies soll gegebenenfalls durch Kindergeld ergänzt werden. Die Versorgung von Unterhaltsberechtigten soll weiterhin steuerlich abzugsfähig bleiben. Grundsätzlich will Merz den privaten Haushalt als Arbeitgeber anerkennen.

Nach Ansicht von Merz ist das geltende Einkommensteuerrecht nicht mehr reformfähig. Es soll daher durch ein vollständig neu formuliertes Gesetz ersetzt werden. Ziel ist eine radikale Vereinfachung. Jeder Steuerpflichtige soll eine eigene Nummer erhalten. Die Besteuerung von Löhnen und Kapitaleinkünften soll dadurch erheblich vereinfacht werden. Arbeitgeber und Banken sollen die auf die Einkünfte entfallende Steuer unter Angabe der Steuernummer an den Fiskus abführen. Das Finanzamt soll auf dieser Basis die Steuererklärung für jeden Bürger vorbereiten, der dieser in vielen Fällen nur noch zustimmen muß, beispielsweise wenn er keine weiteren Einkünfte hat. Für 90 bis 95 Prozent der Steuerfälle soll damit der Fall erledigt sein. (Fortsetzung Seite 2.)

Merz schlägt außerdem vor, im Einkommensteuerrecht nur noch vier Einkunftsarten zu unterscheiden: aus unternehmerischer Tätigkeit, aus nicht selbständiger Tätigkeit, aus Kapitalvermögen und sonstige, wozu auch Einkünfte aus der Altersversorgung zählen. Der Steuersatz für Kapitalgesellschaften soll auf einheitlich 36 Prozent für ausgeschüttete und einbehaltene Gewinne festgeschrieben werden, er entspricht damit dem oberen Einkommensteuersatz. So soll weitgehend Rechtsformneutralität erreicht werden. Veräußerungsgewinne zwischen Kapitalgesellschaften will Merz grundsätzlich mit 18 Prozent besteuern. Den Verlustvortrag will er uneingeschränkt weiter zulassen. Kapitaleinkünfte, die nicht Dividenden-Zahlungen sind, sollen künftig direkt an der Quelle (das heißt zumeist bei der Bank) einheitlich mit 24 Prozent belastet werden. Dies ist jedoch nur eine Vorauszahlung auf die Steuerschuld. Die endgültige Belastung der Kapitalerträge ergibt sich erst mit der Einkommensteuerveranlagung. Damit gleicht Merz' Vorschlag zur Kapitalertragsteuer der bestehenden Abschlagssteuer, die die Bundesregierung, aber auch die Liberalen durch eine niedrigere Abgeltungssteuer ersetzen wollen. Wie die Bundesregierung plant der CDU-Politiker bei der Besteuerung der Altersbezüge den Wechsel zur nachgelagerten Besteuerung: Vorsorgeaufwendungen für Systeme, die ausschließlich der Alterssicherung dienen, will er von der Steuer freistellen, Alterseinkünfte im Gegenzug besteuern.

Merz will auf Veräußerungsgewinne zugreifen. Davon ausnehmen will er jedoch Wirtschaftsgüter, die ausschließlich der Privatsphäre zuzuordnen sind, wozu er selbstgenutzte Immobilien oder alte Teppiche zählt. Sie sollen steuerfrei bleiben. Anders werden Gewinne aus der Veräußerung von Wirtschaftsgütern, mit denen üblicherweise Einnahmen erzielt werden, im Konzept von Merz steuerpflichtig. Dazu gehören Grundstücke, vermietete Häuser oder Wohnungen und Wertpapiere. Die zweijährige Inflationsbereinigung des Steuertarifs soll eine Besteuerung von Scheingewinnen vermeiden. Merz begründet seinen Reformvorstoß mit dem kaum mehr durchschaubaren Steuerrecht aus mehr als 100 Steuerstammgesetzen, rund 5000 ergänzenden Schreiben des Bundesfinanzministeriums und etwa 96 000 Verwaltungsvorschriften. Das Prinzip der Leistungsfähigkeit sei der Willkür und Beliebigkeit gewichen. Daher seien alle Ausnahmen zu beseitigen.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2003, Nr. 252 / Seite 1
Bildmaterial: dpa



Und hier der Kommentar der FAZ dazu:

mas. Während die Ministerpräsidenten der Union noch um eine einheitliche Position zum Vorziehen der dritten Steuerstufe ringen, hat Fraktionsvize Friedrich Merz ein Konzept für die Zeit danach entwickelt. Sein Ansatz: Das geltende Recht ist nicht reformfähig, es muß ein gänzlich neues Einkommensteuergesetz her. Dazu streicht er radikal Steuerbefreiungen, Freibeträge, Abzugsbeträge und Ermäßigungen. Dafür gibt es einen günstigeren Tarif mit den drei Sätzen von 12, 24 und 36 Prozent. So soll die Besteuerung einfacher und gleichmäßiger werden. Das alles klingt nicht nur gut, sondern ist es auch. Es bewegt sich zugleich im Rahmen des zu Erwartenden. In einem Punkt liefert Merz etwas wirklich Neues - weil er beim alten bleibt. Bei Kapitaleinkünften hält er am Abschlagssystem fest. Eine Abgeltungssteuer wäre nicht nur einfacher, sondern Merz selbst hat dafür früher Sympathien gezeigt. Nun hat er sich davon verabschiedet, weil es ihm verteilungspolitisch zu riskant erschien, Kapitaleinkünfte geringer als andere Einnahmen zu besteuern. Doch sollte sich niemand täuschen, ein Selbstläufer wird es dennoch nicht. Wer wie er das häusliche Arbeitszimmer streicht oder die Fahrt zur Arbeit als Privatsache einstuft, wird Widerstand ernten. Doch das muß eine Partei aushalten können, die das Steuerrecht wirklich vereinfachen will - zumal wenn die Entlastung überwiegt.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2003, Nr. 252 / Seite 11


es grüßt

das Zentrum der Macht


wußtet Ihr schon, man kann jetzt bis zu

50% größer Fernsehen

Antworten
das Zentrum d.:

Die Merz-Vorschläge zur Vereinfachung des Einkomme

 
04.11.03 08:52
es grüßt das Zentrum der Machtwußtet Ihr schon, man kann jetzt bis zu50% größer Fernsehen
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--