Von Claudia Wanner, Frankfurt
Auch das dritte Quartal hat keine Erholung bei Fusionen und Übernahmen (M&A) gebracht.
In den drei Monaten von Juli bis September wurden weltweit 6200 Transaktionen mit einem Gesamtwert von 434,5 Mrd. $ angekündigt, belegen die aktuellen Zahlen des Finanzdienstleisters Thomson Financial. Im Vergleich zum dritten Quartal 2000 war das eine Schrumpfung von 45 Prozent. Gegenüber dem schon schwachen Vorquartal blieb das Volumen um 1,5 Prozent zurück.
Der Rückgang bestätigt den bisherigen Jahrestrend: ein drastischer Einbruch der Transaktionsvolumina. In den ersten neun Monaten wurden weltweit Fusionen und Übernahmen im Wert von 1344,4 Mrd. $ angekündigt, nicht einmal halb so viel wie die 2744 Mrd. $ der Vorjahresperiode.
Nach drei Rekordjahren für die Branche belastet nun die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung. Mit dem Einbruch der Aktienmärkte weltweit hat die Übernahmewährung "eigene Aktien" massiv an Wert verloren.
Schrumpfen ohne Grenzen
Die Schrumpfung bleibt nicht auf einzelne Regionen begrenzt. Bisher liegen Zahlen für Europa und die USA vor. Während das Transaktionsvolumen auf dieser Seite des Atlantiks im bisherigen Jahresverlauf um 49 Prozent auf 423,8 Mrd. $ schrumpfte, ging es in den USA um 53 Prozent auf 637,7 Mrd. $ zurück.
Das trifft nicht zuletzt die M&A-Beratung, die Königsdisziplin des Investmentbanking. Das US-Institut Goldman Sachs, das die europäische Rangliste von Thomson Financial anführt, hat in den ersten neun Monaten Übernahmen von 128,8 Mrd. $ angekündigt. Das waren nur 20 Prozent des Vorjahresvolumens.
Goldman konnte mit diesem Ergebnis dennoch Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW), die Investmentsparte der Dresdner Bank, wieder vom ersten Platz verdrängen. DrKW hatte zum Halbjahr 2001 erstmals die europäische "League Table" angeführt. Mittlerweile sind die DrKW-Berater wieder auf den dritten Platz abgerutscht, hinter das US-Institut Merrill Lynch. Auf den Plätzen vier und fünf folgen die Investmenteinheiten der großen Schweizer Geldhäuser, UBS Warburg und Credit Suisse First Boston (CSFB).
Ein beachtliches Ergebnis hat die Pariser Investmentboutique Gimar Finance erzielt. Mit acht Transaktionen im Wert von 11,8 Mrd. $ belegt sie 18 Monate nach ihrer Gründung Platz 20 der europaweiten Rangliste.
Goldman Sachs ganz vorn
Goldman Sachs kann auch das größte Volumen bei der Übernahme deutscher Unternehmen vorweisen. Grundlage dieser Statistik sind allerdings nicht die angekündigten, sondern die bisher schon abgeschlossenen Transaktionen. Auf den nächsten Plätzen folgen JP Morgan, die Deutsche Bank, DrKW und die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim.
Großbritannien stellte im dritten Quartal nicht den größten M&A-Markt Europas - laut Thomson Financial zum ersten Mal in der Geschichte. Neuer Spitzenreiter ist Italien. Dort wurden M&A-Transaktionen im Wert von 22 Mrd. $ angekündigt. Dazu gehörte auch die größte europäische Übernahme des vergangenen Vierteljahres von Montedison durch Italenergia, außerdem der Kauf von Olivetti durch Pirelli.
Die drei größten Übernahmen des Quartals fanden in den USA statt: Das 57,5-Mrd.-$-Angebot von Comcast für das Breitbandgeschäft von AT&T, die Übernahme von Hughes Electronics durch EchoStar (31,5 Mrd. $) und die Fusion der PC-Hersteller Hewlett-Packard und Compaq (23,5 Mrd. $).
Trotz des anhaltenden Rückgangs der M&A-Transaktionen bleiben einige Branchenvertreter optimistisch. Das Ergebnis zähle schließlich zu den fünf besten überhaupt.