Wer was weiß, verkauft auch mal


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joker67:

Wer was weiß, verkauft auch mal

 
26.09.03 12:17


Aktien laufen wieder, vergessen alle
Kurseinbrüche. Jetzt heißt es noch schnell dabei zu sein, um die nächste
Kursverdopplung nicht auch noch zu verpassen. Es sieht ja auch viel besser aus,
das zeigen schließlich alle Konjunkturindikatoren. Nur die, die es am besten
wissen, sind schon längst wieder am Verkaufen.

   Keine Frage, die Skepsis ist immer noch groß unter den Anlegern. Kann man
nun von einem neuen Wirtschaftsaufschwung in den USA und Euroland sprechen?
Haben die Unternehmen ihre Ertragskrise wirklich schon wieder überwunden?
Natürlich, das Tief der Rezession scheint allerorts schon hinter uns zu liegen
-vorerst zumindest. Nicht nur für die USA, wo fast alle Indikatoren wieder
starkes Wachstum signalisieren, auch für den europäischen Raum werden wieder
Wachstumsraten prognostiziert, die diese Bezeichnung auch verdienen. Also alles
wieder in Ordnung?

   Glaubt man den Kursen, dann ist die Frage schnell beantwortet: Alles
bestens. Seit dem Frühjahr klettern die Indizes weltweit wieder fröhlich nach
oben, und die Kursverläufe mancher High Tech-Aktie erinnert wieder genauso stark
an die gute alte Tech-Bubble wie deren Bewertungen. Aber zu stören scheint das
momentan kaum jemanden. Gut, die Kurse sacken mal durch. Aber das wird eher als
Gelegenheit zum schnellen Einstieg genutzt, denn als mahnender Hinweis auf ein
drohendes Ende. Nun steht die Quartalssaison an, und manch ein Experte warnt vor
bösen Überraschungen. Doch davon scheint sich die wiederbelebte Anlegergemeinde
nicht beirren zu lassen. Sie hat wieder Blut geleckt. Jetzt lockt der schnelle
Gewinn. Andere dagegen brauchen keinen Experten, um zu wissen, wann die Zeit zum

Ausstieg gekommen ist. Sie sitzen an der Quelle - und sie verkaufen schon seit
einiger Zeit massiv.

   Die Sprache ist von amerikanischen Firmenchefs und Aufsichtsratmitgliedern,
diejenigen also, die in den USA als Insider gelten und ihre Aktien(ver)käufe der
Börsenaufsicht melden müssen. Wer hätte ein besseres Verständnis, einen besseren
Blick für das eigene Unternehmen, als diese Manager. Sie sind es doch, die zu
wirklich allen Informationen bezüglich des Unternehmens Zugang haben. Auf die
Qualität ihres Urteils zu setzen, ist also kaum abwegig. Das belegen viele
Studien. Glaubt man ihnen aber, so sollte die folgende Information sehr
nachdenklich stimmen.

   An der Nasdaq hat das Verhältnis von Insider-Verkäufen zu Insider-Käufen den
höchsten Stand aller Zeiten erreicht. Speziell vor heißgelaufenen Tech-Werten
ist also Vorsicht geboten. Aber nicht nur hier droht Gefahr. Den gesamten
US-Markt betrachtet, lag das Verhältnis von Insider-Verkäufen zu Käufen im
August bei 45 zu 1. Für jeden investierten Dollar wurden fast 45 verkauft - so
viel, wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr.

   Natürlich, das Verhältnis der Insider-Trades ist nur ein Indikator unter
vielen. Es gibt andere, die genau das Gegenteil darstellen. Aber seine Relevanz
ist kaum zu leugnen und dürfte manch einen technischen Indikator noch weit in
den Schatten stellen. Deshalb gilt: Die Wende im Markt kann auch dieser
Indikator nicht voraussagen. Immerhin weisen die Insider-Trades schon seit vier
Monaten dieses verkaufslastige Verhältnis auf, der Markt aber lief unbeirrt
weiter. Trotzdem jedoch sollte jederzeit mit einem (deutlichen) Rückschlag
gerechnet werden - welcher Firmenboss verschenkt schon gerne Geld, besonders,
wenn es das eigene ist?

   
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