Wer kennt noch Angelika Unterlauf ?


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vega2000:

Wer kennt noch Angelika Unterlauf ?

 
22.11.01 22:29
Leider findet sich kein Bild von ihr.
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vega2000:

???????????? o.T.

 
22.11.01 22:35
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vega2000:

Die Lösung: Siehe 19.45h

 
22.11.01 22:47

Der 9. November 1989
Stunde um Stunde

5 Uhr. DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz steht auf und joggt durch Wandlitz.

7.00. Morgennachrichten im Rias. Der Aufmacher: die Krenz-Reformen. Zulassung des "Neuen Forums", Ankündigung späterer freier Wahlen. Das Wetter: Wechselnd bewölkt, vereinzelt Schauer, Temperatur 8 Grad, der Wind weht aus West bis Süd-West. Danach wird Purple Schulz gespielt, damals ein Riesen-Hit das Lied "Sehnsucht". Mit der Textzeile "Lass mich raus..."

7.20 Uhr. Lutz Müller, 41, Wirt der Kneipe "Zum Kleinen Mohren" (Foto), die direkt am Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße liegt, steht in seiner Schöneberger Wohnung auf. Er hat ein komisches Gefühl, "als ob irgendwas bevorsteht".

7.45 Uhr. Krenz trifft in seinem Berliner Amtssitz ein und liest "zutiefst berührt" im "Neuen Deutschland", dass DDR-Oppositionelle (u.a. Christa Wolf , Bärbel Bohley, Gerd Poppe, Kurt Masur, Stefan Heym) einem Aufruf des "Neuen Forum" die DDR-Bürger auffordern, hier zubleiben.

8 Uhr. Arbeitsbeginn für 600 NVA-Soldaten und 400 MfS-Kader, die als Busfahrer und Lokführer aushelfen, weil zu viele DDR-Bürger zuvor abgehauen sind.

9 Uhr. Am Kottbusser Damm 76 öffnet "Rudis Reste Rampe". Im Angebot an diesem Tag, der ein historischer werden soll: die 24 Stunden Zeitschalt-Uhr für 19.90 Mark.

14.30 Uhr. Im Tegeler Fließ entdeckt der Kajak-Fahrer Rudi., 55, die Leiche von Helmuth R. Er hat ein Küchenmesser im Rücken. Der Sozialhilfe-Empfänger wurde vermutlich am letzten Oktober-Wochenende ermordet.

14.55 Uhr. Im ZDF läuft "Das Traumschiff". Story: Ein Passagier hat schreckliche Angst vor einem Schiffsuntergang.

15.00 Uhr. Im Rias tritt Moderator Andreas Dorfmann seinen Dienst an. Er spielt "Wunsch-Hits", lässt Udo Lindenbergs "Sonderzug nach Pankow" abfahren: "Die Leute konnten damals nicht genug davon kriegen."

17 Uhr. Alle Kreis- und Bezirksleitungen der SED werden per Fernschreiben über die neue Reisereglung informiert.

17.05 Uhr. Herren in dunklen Anzügen, Damen im kleinen Schwarzen nehmen Platz im Foyer des Axel-Springer-Hochhauses an der Kochstraße. Es beginnt die feierliche Verleihung des "Goldenen Lenkrads" (Foto). Ausgezeichnet werden das BMW-Motorrad K1, der neue Mercedes SL, der Citroen XM, der Honda Accord, der Mazda 323. Auch BMW-Vorstandsvorsitzender Eberhard von Kuenheim bekommt den Preis von "Bild am Sonntag" - für seine Verdienste in der Automobil-Industrie.

17.10 Uhr. In SAT.1 läuft "Nachbarn", eine Familien-Serie.

17.15 Uhr. Absprache zwischen Krenz und Günter Schabowski (Foto) über die Bekanntgabe des Reiseverordnung, wo es das historische Missverständnis zum Beginn gab. 18.30 Uhr. Der Festakt im Verlags-Haus direkt an der Mauer ist zu Ende. Die Gäste fahren zum Empfang nach oben in den 18. Stock, nippen am Schampus. Dass sie für die Nacht der Nächte in Nachkriegsdeutschland Logenplätze haben werden, wissen sie noch nicht.

18.53 Uhr. Auf seiner Pressekonferenz gibt SED-Politbüromitglied Günter Schabowski ganz am Ende auf Anfrage eines italienischen Journalisten die neue Reisereglung bekannt: "Genehmigungen für Reisen werden kurzfristig erteilt." Auf Nachfrage zur Gültigkeit reagiert Schabowski unsicher: "So weit ich weiß unverzüglich..."

19.01 Uhr. Die amerikanische Agentur AP meldet als erste: "DDR öffnet Grenzen".

19.04 Uhr. "Wie eine Bombe" schlägt im Bundestag in Bonn die Nachricht ein. Tosender Applaus brandet auf, die Abgeordneten stimmen die Nationalhymne an. "Das ist faktisch das Ende von Mauer und Stacheldraht", sagt der sichtlich bewegte FDP-Chef Otto Graf Lambsdorff. Die geplante Debatte wird auf Freitag vertagt. "Es fällt schwer, jetzt wieder in die Tagesordnung einzutreten", sagt Annemarie Renger, stellvertretende Bundestagspräsidentin.

19.05 Uhr. Im Prenzlauer Berg laufen die ersten Ostberliner los, zum Grenzübergang Bornholmer Straße. Auch die 26jährige Anlagentechnikerin Kirtsen Pitersdorf lässt "alles stehen und liegen". Sie will rüber zu ihrer Schwester, die in der Limburger Straße im Wedding wohnt: "Die wird Augen machen!"

19.10 Uhr. "Spiegel-TV"-Reporter Georg Mascolo macht sich mit seiner Kamera auf den Weg zum Grenzübergang Bornholmer Straße. Er ist es, der die allerersten Fernsehbilder von den Menschen im Kasten hat, die inzwischen zu Hunderten über die Grenzen strömen.

19.20 Uhr. Im 18. Stock des Springerhauses verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. "Die Grenze ist auf!" Die Berliner Opel-Chefin Heidi Hetzer bricht in Tränen aus: "Ich weiß nicht, ob ich vor Freude lachen oder weinen soll!"

19.22 Uhr. Die Berliner Abendschau berichtet über die Grenzöffnung. Der Wirt vom "Kleinen Mohren" am Übergang Heinrich-Heine-Straße sieht in seiner Kneipe TV. Es ist nicht viel los an diesem trüben November-Tag. Lutz Müller traut seinen Augen und Ohren nicht. Er sieht "die Ansprache der DDR-Polit-Elite", versucht, seine Tränen zu verdrängen.

19.30 Uhr. Die ersten neugierigen Ostberliner kommen am Grenzübergang Bornholmer Straße an.

19.45 Uhr. Nachrichtensprecherin Angelika Unterlauf wird ein Zettel in die laufende "Aktuelle Kamera" gereicht. Stockend liest sie die Schabowski-Verlautbarung vor.

19.47 Uhr. Auch die deutsche Agentur dpa reagiert - sehr verspätet: "DDR-Grenze zur Bundesrepublik und nach Westberlin offen."

20.00 Uhr. Kohl erfährt beim sechstägigen Polen-Besuch in Warschau von der Maueröffnung durch seinen Vertrauten Eduard Ackermann. Kohls Kommentar später: "Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort." Beim Abendbrot beschließt er: Morgen fliege ich nach Deutschland zurück.

20.00 Uhr. Udo Jürgens konzertiert in der Deutschlandhalle. Drüben in der Komischen Oper Unter den Linden fällt dagegen "La BohËme" aus: 8 Tänzer sind nicht mehr zu den Proben erschienen, vermutlich in den Westen abgehauen.

Zur gleichen Zeit nimmt das Renaissance-Theater seinen Bühnen-Hit "Kassandra" wieder auf, nach einer Erzählung der DDR-Schriftstellerin Christa Wolf. Auch Rias-Moderator Andreas Dorfmann sitzt im Parkett. Er kommt direkt vom "Goldenen Lenkrad" ins Theater. Er hat das Gefühl: "Es ist ein Fehler, an so einem Abend drei Stunden im Theater zu sitzen." Als das Stück beendet ist, ist auf der Straße der Teufel los. Er fährt sofort zum Sender. Dort warten Hunderte von Ostberlinern

20.10 Uhr. In der Ostberliner Disco "Thule-Club" in Pankow tanzt die 14jährige Schülerin Katrin Schulz. Dort hört sie von Freunden: "Der Rias hat gemeldet, dass wir rüberkönnen." Sie rennt nach Hause, holt ihre Mutter ab. Beide machen sich auf den Weg.

20.30 Uhr. Im Filmpalast am Zoo hat "Erik der Wikinker" Premiere (mit Tim Robbins, Mickey Rooney, John Cleese), eine pechschwarze Fantasy-Saga. Was in dieser Nacht an der Mauer geschieht, sprengt jede Kino-Fantasie.

20.30 Uhr. Massenandrang an allen Übergängen. Einzelne besonders drängelnde DDR-Bürger werden nach gründlichen Kontrollen mit Stempel nach Westberlin gelassen. Gestempelt wird auf das Passbild. Ein Trick: Sie sollen nicht mehr in die DDR einreisen dürfen...

20.40 Uhr. Im "Kleinen Mohren" hört Lutz Müller "laute Jubelgesänge. Aus dem Fenster sehe ich plötzlich Menschenmassen auf dem sonst so leeren Moritzplatz. Ich will raus, aber ich schaffe es nur bis zur Tür. DDR-Bürger strömen in Scharen in meine Kneipe, bestellen Champagner und Sekt." Sie bezahlen sogar mit Deutscher Mark.

20.45 Uhr. Ende der Politbürositzung. Jetzt erst erfährt die SED-Führung vom Faux-pas Schabowskis in der Pressekonferenz.

21 Uhr. Stasi-Chef Erich Mielke ruft Krenz an und fragt ihn angesichts der Menschenmassen, ob Waffen eingesetzt werden sollen. Krenz sagt "Bei den paar Stunden bis morgen... Schlagbäume hoch!" Mielkes Antwort: "Hast recht, mein Jung¥".

22 Uhr. Krenz will Gorbatschow in Moskau anrufen (Ortszeit bereits 24 Uhr). Er wird nicht durchgestellt. Begründung: das sowjetische Staatsoberhaupt schläft...

22.05 Uhr. Die Ostberliner Schülerin Katrin Schulz, 14, steht mit ihrer Mutter Elke, 36, auf dem Kudamm. "Ich hätte mir das nie träumen lassen", sagt das Teenager-Mädchen und lacht.

22.30 Uhr. Der entmachtete Erich Honecker sitzt mit seiner Margot vor dem Fernseher in ihrer Wandlitzer Villa und schüttelt den Kopf über die ersten Fernsehbilder von der Maueröffnung.

23 Uhr. Oberstleutnant Harald Jäger, amtierender Chef am Grenzübergang Bornholmer Straße, gibt als erster Offizier den Befehl "Alle Kontrollen einstellen. Wir fluten jetzt."

23.10 Uhr. Von einem Grenzübergang ruft Schabowski Krenz in Wandlitz an, berichtet über die Massenbewegungen. Es fällt kein Wort zum historischen Irrtum auf der PK zuvor.

23.15 Uhr. Der Regierende Bürgermeister Walter Momper verlässt die Live-Diskussion im SFB-Haus, rast zur Mauer. Diepgen spielt Taxifahrer zwischen Grenzübergängen und Kudamm, lädt wildfremde Ostberliner in seinen VW Golf, um ihnen den Westen zu zeigen. Dass seine Tochter Geburtstag hat, vergisst er in dieser Nacht.

0.30 Uhr. DDR-General Mittig meldet Krenz am Telefon: "Alle Grenzübergangstellen zu Westberlin sind geöffnet."

0.45 Uhr. Die Gäste im Springer-Hochhaus an der Kochstraße haben den ganzen Abend die bewegenden Entwicklungen am nahen Checkpoint Charlie beobachtet. Sie haben die Menschenmassen gesehen, die sich vor dem Übergang versammelten. Die Scheinwerfer, die alles in gleißendes Licht tauchten. Jetzt machen sie sich auf den Weg. Opel-Chefin Heidi Hetzer zum Beispiel, auch der Journalistenclub-Angestellte Karsten Rongsted. Sie gehen rüber, zum Alex. "Alle Lokale sind zu. Wir wieder zurück, zum Kudamm. Aber der ist verstopft, kein Durchkommen mehr, erzählen alle."

2 Uhr. Diplomphysikerin Angela Merkel kommt von ihrem ersten West-Ausflug zurück, geht über die Bornholmer Straße. Eine wildfremde Familie hatte die heutige CDU-Generalsekretärin auf ein Bier eingeladen. Aber sie will am Morgen pünktlich in der Akademie der Wissenschaften sein, wo sie arbeitet.

8 Uhr. Angela Merkel betritt ihr Büro. Tausende von anderen Ostberlinern machen an jenem Freitag blau. Sie feiern immer noch auf dem Kudamm, die längste Nacht Berlins ist einfach zu schön.
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