Amina erwartete die Ankunft der Ammen von den Banu Sad, damit sie dem Brauch der Vornehmen Mekkas gemäß Muhammad einer übergebe. Dieser Brauch wird bei den Vornehmen Mekkas noch immer befolgt: Sie senden ihre Söhne am achten Tag nach der Geburt in die Wüste und lassen sie nicht in die Stadt zurückkehren, bis sie das achte oder zehnte Lebensjahr erreicht haben. Einige Stämme haben wegen ihrer Ammen einen besonders guten Ruf, darunter der Stamm der Banu Sad. Bis zum Eintreffen der Ammen übergab Amina das Kind Thuwaiba, der Sklavin seines Onkels Abu Lahab. Sie stillte ihn eine Zeit, wie sie es auch mit Hamza tat, so dass sie Milchbrüder wurden. Und obwohl Thuwaiba ihn nur wenige Tage säugte, erinnerte er sich ihrer stets mit Zuneigung und gab ihr Geschenke, solange sie lebte. Als sie im siebten Jahr nach der Hidschra (1) nach Medina verstarb, fragte Muhammad nach ihrem Sohn, der auch sein Milchbruder war, damit er ihm an ihrer Stelle Geschenke gebe. Er erfuhr aber, dass dieser bereits vor ihr gestorben war.
Die Ammen der Banu Sad kamen nach Mekka, um nach Kindern zu fragen, die sie säugen könnten. Und da sie auf großzügige Entlohnung der Väter hofften, pflegten sie sich von den Waisenkindern abzuwenden. Die Hoffnung für die Waisen war somit sehr gering; keine dieser Ammen nahm Muhammad deshalb an. Jede ging mit einem Kind, von dessen Angehörigen sie reichlich Gutes erhofften.
(1) Anmerkung des Obersetzers:
Hidschra bedeutet "Auswanderung"; die Auswanderung des Propheten Muhammad von Mekka nach Medina ist in der islamischen Geschichte als markanter Wendepunkt von der Zeit der Unterdrückung zur Zeit der Entfaltung und Staats- und Gesellschaftsbildung von solch bemerkenswerter Bedeutung, dass sie den Beginn der islamischen Zeitrechung bildet.
Siehe auch Kapitel 10 in diesem Buch.