Wer in NRW Windräder baut...

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Wer in NRW Windräder baut... Happy End
Happy End:

Wer in NRW Windräder baut...

 
16.03.02 21:59
#1
... wird nichts als Streit ernten, sagt die FDP. Die Regierung dagegen freut sich über Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft


Früher oder später fällt in dieser Diskussion das böse Wort: "Don Quichotte". Wer über Windmühlen spricht, so scheint es, der kann sich eine Anspielung auf den halluzinierenden Narren nicht verkneifen. Fragt sich nur, in welchem Lager er zu suchen ist. Ist Don Quichotte einer von denen, die beim Anblick von drehenden Windmühlenflügeln ins Schwärmen geraten - von einer schadstofffreien Stromversorgung der Zukunft? Oder steht er auf der anderen Seite, bei denen, die in Windrädern hässliche, nutzlose und somit bekämpfenswerte Rotor-Riesen sehen? Sicher ist bislang nur eines: Don Quichotte, das ist immer der andere.

Betrachten wir das Phänomen aus beiden Perspektiven.

Vor sieben Jahren zog die Familie Schiffer aus Berlin in das Eifel-Örtchen Weilerswist-Lommersum und baute sich dort ein Haus. Lommersum liegt gut einen Kilometer östlich von der Autobahn A1 und acht Kilometer südwestlich von Weilerswist. "Ich dachte damals", erzählt Marion Schiffer, 42 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern, "ich zieh in die schöne Eifel". Sie wusste zwar, dass sie in ihrem Garten den nahen Autobahnverkehr hören würde. Aber, dass Betreiber von Windenergie-Anlagen in und um Lommersum Land akquirierten, das wusste sie nicht. Als sie zum ersten Mal davon hörte, dachte sie noch: "Windkraft? Kann man dagegen überhaupt was haben?" Um Klarheit zu bekommen, rief sie im Januar 2000 zu einer ersten Informationsveranstaltung auf. Gut zwei Dutzend Interessierte seien gekommen. Beim nächsten Termin waren es schon 250. Marion Schiffer sammelte Material für zehn Leitz-Ordner und Argumente, mit denen sie ihre Überzeugung stützt: "Die Windräder bringen nichts und machen alles kaputt."

Am 1. April 2000 verabschiedete die Bundesregierung das Gesetz über den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG), das die großen Energieversorger verpflichtet, Strom aus Windrädern mit 17,8 Pfennig pro Kilowattstunde zu vergüten. Damit war in Lommersum die Zeit reif für die erste Bürgerinitiative gegen die geplanten Windparks. Es wurde um Standorte gerungen. Und um Abstände: Erst sollten die Turm hohen Anlagen bis auf 500 Meter an die Häuser heranrücken. Für die derzeit gültigen Planungen konnte die Bürgerinitiative im Gemeinderat eine Distanz von 1200 Metern durchboxen. Für Marion Schiffer jedoch ist auch das nicht hinnehmbar, weswegen sie eine zweite, weniger konsensbereite Bürgerinitiative gründete: die "IG Sturmwind". Sollten die Windräder trotzdem gebaut werden, "will ich da nicht mehr wohnen", sagt Marion Schiffer.

Mittlerweile gibt es im Land rund 150 Bürgerinitiativen. Und es werden mehr. So wie auch die Zahl der Windparks steigt. Ende des Vorjahres drehten sich in NRW 1285 Windräder, am 1. März dieses Jahres waren es bereits 1478. Und die erzeugen derzeit rund ein Prozent des in NRW verbrauchten elektrischen Stroms (Bundesdurchschnitt: drei Prozent). Die niedrige Zahl entschuldigt das zuständige Bauministerium damit, dass NRW "ein Energie-intensives Land" sei. Gerhard Papke, energiepolitischer Sprecher der FDP, sieht das anders: "NRW ist für die industrielle Nutzung von Windkraft schlichtweg ungeeignet." Reiner Priggen dagegen, Fraktionsvize der Grünen, schätzt, dass es in NRW noch effektive Standplätze für bis zu 1000 weitere Turbinen gebe.

Josef Meier-Binkhoff hält auch sein Grundstück für ausreichend windig. Meier-Binkhoff, 66 Jahre alt, bewirtschaftet in Ennigerloh-Ostenfelde im Kreis Warendorf 80 Hektar Land. Seit dem Jahr 1236 gibt es den Binkhoffschen Hof. Erst viel später kam die BSE-Krise: Ein Stall für 216 Rinder steht derzeit leer. Bleiben noch Kartoffel- und Getreideäcker und die gemeinsam mit dem Nachbarn betriebene Kornbrennerei. Da hatten Meier-Binkhoff und sein Nachbar die Idee, zwei Windräder zwischen die beiden Höfe zu stellen, Abstand zu ihren Wohnhäusern: je 300 Meter. Im Juni des vergangenen Jahres beauftragten sie einen Gutachter, holten sich sodann das Einverständnis von 21 Nachbarn und reichten einen Bauantrag ein. "Wir wollten eine GmbH gründen", sagt Meier-Binkhoff, "3,6 Millionen Mark hätten wir für eine Anlage gebraucht": Nabenhöhe 98 Meter, Höhe bis zur Spitze der Rotorblätter: 133 Meter. "Mit diesen Rädern", so rechnet Meier-Binkhoff, "hätten wir das Geld in zehn Jahren wieder drin gehabt".

Im November 2001 hat der Kreis Warendorf den Antrag der beiden Landwirte abgelehnt. Der verhinderte Windmüller suchte Rat bei den Lokalpolitikern. Doch die, sagt er, machten ihm keine große Hoffnung. "Die Leute aus den Städten", heiße es hinter vorgehaltener Hand, "sind eben gegen die Verspargelung der Landschaft". Zudem gibt es auch in Ennigerloh eine Bürgerinitiative gegen vier bereits laufende Rotoren - und gegen 15 geplante. Sollte nun auch Meier-Binkhoffs Widerspruch abschlägig beantwortet werden, so will er vielleicht klagen. Er weiß von einem Kollegen, der damit durchkam.

Noch wird in den Gemeinden gerungen; noch wagt niemand zu sagen, wie viel Energie die NRW-Turbinen am Ende eines vollständigen Windkraftausbaus tatsächlich ins Stromnetz abgeben könnten. In dieser unruhigen Phase verweist die Landesregierung schon mal gerne auf die Sekundärerfolge ihrer Politik. Eine Umfrage bei NRW-Unternehmen habe ergeben, so teilt das Wirtschaftsministerium auf Anfrage von WELT am SONNTAG mit, dass es im Jahr 2000 mindestens 2500 Arbeitsplätze in Hersteller- und Zulieferbetrieben für Windenergieanlagen gegeben habe (1997: 1044 Arbeitsplätze). Die Umsätze dieser Unternehmen haben sich in dieser Zeit sogar verdreifacht (von 335,6 Millionen Mark auf 1,258 Milliarden). Und im laufenden Jahr sollen in der Branche allein in NRW Gesamtinvestitionen von über 115 Millionen Mark getätigt werden. Für 2003 sind dann sogar über 183 Millionen angekündigt.

Übrigens wird aus Steinfurt-Hollich berichtet, dort sei ein Windpark ganz ohne Gezänk errichtet worden.
Wer in NRW Windräder baut... mothy
mothy:

Bitte geb mal die Quelle an!!! o.T.

 
16.03.02 23:10
#2
Wer in NRW Windräder baut... Happy End

Gerne, mothy:

 
#3
www.welt.de/daten/2002/03/17/0317wi320778.htx

Gruß
Happy End


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