Wer bekommt G, H, I, J, M, P, U und Z?


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Wer bekommt G, H, I, J, M, P, U und Z?

 
31.01.05 11:43
Buchstabensuppe an der Wall Street: Durch den Milliardenzusammenschluss von Gillette und Procter & Gamble wird an der US-Börse das historische, einbuchstabige Tickersymbol G frei. Neuer Kandidat für das begehrte Prestigekürzel: Google.


New York - Es ist der Coup des Jahres: Der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble  schluckt den Rasierkonzern Gillette. Der 54-Milliarden-Dollar-Deal hat nicht nur die Wall Street in helle Aufregung gestürzt. Auch dem Börsenneuling Google  bereitet die Meldung Freude.

Mit dem Ende von Gillette als selbständiges Aktienunternehmen wird nämlich eines der begehrtesten Tickerkürzel der New York Stock Exchange (NYSE) frei: der Buchstabe G. Den könnte sich Google schnappen, wenn die Suchmaschine den Sprung von der Computerbörse Nasdaq  an die NYSE wagen würde, wie hier gemunkelt wird.

Einzelbuchstabensymbole sind an der NYSE eine begehrte Ware. Schließlich gibt es nur 26. Alle anderen der über 2700 Firmen, die am Big Board gelistet sind, müssen sich mit zwei, meist sogar mit drei Buchstaben begnügen. Zwar sind die kürzesten Kürzel längst nicht mehr die Statussymbole von früher, als die Börse diese nur an Top-Listings verlieh. Trotzdem bleiben sie eine Prestigefrage, vor allem wegen ihrer Einprägsamkeit: "Ihr Reiz ist ungebrochen", sagt Dow-Jones-Börsenreporter Gaston Ceron.

Der scharlachrote Buchstabe

Der Ursprung der Börsenkürzel liegt tief in der Geschichte der Wall Street. Entwickelt von Standard & Poor's, sollten sie die Weitergabe von Kursdaten vereinfachen, die ganz am Anfang noch auf Zettel gekritzelt und per Boten vom Händlerparkett in die nahen Büros der Broker befördert wurden.

Um die Schreibarbeit für die aktivsten Firmen zu vereinfachen, bekamen diese damals nur je einen einzigen Buchstaben zugewiesen: T (Telephone), F (Ford), K (Kellogg), G (Gillette), X (Steel), Z (früher Woolworth). Dieses System blieb auch nach Einführung des telegrafischen Tickers erhalten. Fusionen, Pleiten und Neugründungen weichten die strikte Leistungsmaßgabe schließlich auf, seither ist ein Buchstabe frei verfügbar, wenn ihn ein Unternehmen aufgibt. So sicherte sich Citicorp - vormals CCI - das hohe C, das nach der Fusion von Chrysler mit Daimler-Benz verwaist war.

Die Börse wuchs, neue Börsen kamen hinzu, und aus dem einfachen System wurde eine dicke Buchstabensuppe. Die NYSE führt Tickersymbole mit einem, zwei oder drei Buchstaben. Die Amex teilt ebenfalls drei Lettern aus. Die noch relativ junge Computerbörse Nasdaq gibt ihren Listings vier oder fünf Buchstaben. Der letzte weist dabei meist auf das Wesen der Notierung hin: X kennzeichnet Mutual Funds, F steht für "Foreign", E brandmarkt Firmen, die mit der Börsenaufsicht SEC auf Kriegsfuß stehen - der scharlachrote Buchstabe der Börse also.

Aus MMM wurde 3M

Die Vergabe der Kürzel folgt - wie alles an der Börse - einem hoheitlich-strengem Prozedere. Die Nasdaq reserviert einem Unternehmen eine gewünschte Buchstabenkombo bis zu sechs Monate im Voraus; der Antragsteller muss allerdings auch noch zwei Alternativen angeben. Die NYSE vergibt ihre Symbole nach dem "First-come-first-serve"-Prinzip.

Viele Konzerne suchen sich Kürzel aus, die sich gut einprägen und "klicken". So wählte der Damenbekleider Charlotte Russe die Kennung CHIC, das Freizeit- und Vergnügungspark-Unternehmen Cedar Fair findet sich auf dem Börsenticker unter FUN, der Elektronikkonzern Hitachi stellt ab sich selbst einen hohen Anspruch, als HIT. Originell auffallen wollen wahrscheinlich auch CRZY (Crazy Woman Creek Bancorp, eine Kommunalbank in Wyoming), INSEX (ein Mutual Fund) und LUV (Southwest Airlines).

Manchmal ist einem das Kürzel inzwischen sogar geläufiger als der Name der eigentlichen Company dahinter. Die Minnesota Mining and Manufacturing Company zum Beispiel (MMM) hieß im Parkettjargon immer nur "Three M", weshalb sich 1992 offiziell in 3M umtaufte. Und den Computerkonzern mit dem einst so sperrigen Namen International Business Machines, den kennt heute jeder als IBM.

Wer will H, P und Z?

Doch nichts schlägt die flotten Einer-Kürzel der NYSE. Auf der A-List der Börsenticker tummeln sich zurzeit so große Namen wie Liberty Media (L), Qwest (Q), Sears (S), aber auch Listings wie Agilent Technologies (A), Dominion Resources (D) und das New Yorker Industrie-Konglomerat Alleghany Corporation (Y). Sogar ein Ausländer hat's in den Club der Einzähler geschafft: der italienische Öl- und Gaskonzern ENI SpA (E).

G ist nicht der einzige Großbuchstabe, der jetzt an der NYSE frei wird. Im Angebot stehen auch noch H, J, P, U und das alte Woolworth-Z. Die Kürzel I und M sind ebenfalls seit einiger Zeit unbesetzt - doch, wie man hört, von der NYSE längst für zwei begehrte, erhoffte Überwechsler von der Nasdaq reserviert: Intel und Microsoft.  
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