Wenn sich der Falke taub stellt


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chrismitz:

Wenn sich der Falke taub stellt

 
07.04.02 14:20
US-Präsident George W. Bush hat Israels Führung eindringlich aufgefordert, ihre Truppen zurückzuziehen. Auch wenn Ministerpräsident Ariel Scharon ein schnelles Ende der Operationen angekündigte - die Militäroffensive in den besetzten Gebieten geht vorerst weiter.

Jerusalem/Gaza/Washington - Die israelische Armee bezog laut Augenzeugenberichten am Sonntagmorgen Stellung in der Umgebung mehrerer palästinensischer Dörfer im Westjordanland. Panzer und hunderte Soldaten hätten Straßen gesperrt und verschiedene Ortschaften umstellt, hieß es weiter, darunter Beit Rima und Kubar in der Nähe der besetzten Stadt Ramallah.
In einem Telefongespräch mit dem amerikanischen Präsidenten hatte Scharon am Samstagabend erklärt, man werde alle Anstrengungen unternehmen, um die Militäraktionen so schnell wie möglich zu beenden. Allerdings benötige die Operation "Schutzwall" Zeit, da es sich um einen militärischen Einsatz in städtischen Gebieten handele, bei der besondere Rücksicht auf palästinensische Zivilisten genommen werden müsse.

Unverzüglicher Rückzug

Vor dem Telefonat mit Scharon hatte Bush Israel bei einer Pressekonferenz deutlicher als je zuvor aufgefordert, sich aus den Palästinenserstädten zurückzuziehen. Bush äußerte sich zusammen mit dem britischen Premierminister Tony Blair auf seiner Ranch im texanischen Crawford. "Israel muss unverzüglich mit dem Rückzug beginnen", sagte Bush und betonte dabei stark das Wort "unverzüglich". "Ich gehe nicht davon aus, dass (die Israelis) dies ignorieren. Ich erwarte von ihnen, dass sie meinen Rat beherzigen." Blair schloss sich dem Rückzugsappell an.

Zugleich kritisierte Bush Palästinenserpräsident Jassir Arafat in ungewöhnlich scharfen Worten. Arafat versage in seiner Führungsrolle und lasse sein Volk im Stich, sagte Bush. "Er hat sich mein Vertrauen nie verdient, weil er nichts geleistet hat." An die Palästinenser erging der Aufruf, dringend ein Ende der Gewalt sicher zu stellen und militante Kräfte zu stoppen.

DPA

In Kairo forderten die Außenminister der arabischen Liga am Samstag die arabischen Diplomaten bei den Vereinten Nationen in New York auf, sich für die Einberufung einer neuen Sitzung des Sicherheitsrates einzusetzen. Thema sollten die jüngsten Entwicklungen in den palästinensischen Flüchtlingslagern von Dschenin und Nablus sein, sagte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, nach dem Treffen der Minister in Kairo. Der palästinensische Planungsminister Nabil Schaath hatte der israelischen Armee am Samstag vorgeworfen, in den Flüchtlingslagern ein Massaker begonnen zu haben.

Angriff auf Arafats Amtssitz?

In der Nacht zum Sonntag wurde bei einem Vorstoß im südlichen Gazastreifen ein Palästinenser erschossen. Nach israelischen Angaben hatte der Mann einen Anschlag auf eine jüdische Siedlung vorbereitet. Bereits zuvor waren israelische Panzer nach palästinensischen Angaben in die Stadt Raffah im Gazastreifen vorgedrungen und hatten mehrere Salven abgefeuert. Dabei sollen zwei Kinder getötet worden sein. Bislang hatte sich die seit über einer Woche anhaltende israelische Militäroperation "Schutzwall" auf das Westjordanland beschränkt.

Israelische Soldaten haben am Samstagabend nach palästinensischen Angaben den belagerten Amtssitz von Palästinenserpräsident Arafat in Ramallah angegriffen. Dabei sollen drei Leibwächter verletzt worden sein. Arafat sei bei dem Angriff unversehrt geblieben, sagte Netta Golan, einer von etwa 40 Friedensaktivisten, die seit Tagen bei Arafat ausharren. Nach israelischen Berichten hatten die Soldaten eine Kleingranate durch ein Fenster gefeuert, aus dem gelegentlich geschossen worden sei. Golan bestritt dies: Die Palästinenser hätten ihre Waffen nicht benutzt.

Kollaborateure verurteilt

Unterdessen hat ein Sicherheitsgericht der palästinensischen Autonomiebehörde in der Nacht zum Sonntag sechs Kollaborateure zum Tode verurteilt. Ein 15-jähriger Jugendlicher wurde wegen Zusammenarbeit mit den Israelis und der Verletzung nationaler Interessen des palästinensischen Volkes zu lebenslanger Haft verurteilt. In einer Mitteilung des Gerichts in Gaza hieß es, die Urteile würden vollstreckt, sobald sie von Arafat bestätigt werden.

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