Seit US Notenbankchef Ben Bernanke zu Protokoll gegeben hat, dass er auch für das Jahr 2011 mit einer hohen Arbeitslosigkeit und einer niedrigen Inflationsrate rechne und deshalb die Politik des leichten Geldes fortsetzen wolle, wird in den Medien das Thema Währungskrieg intensiv diskutiert und die Anleger suchen nach Möglichkeiten wie sie ihren Kopf aus der Schlinge einer fortgesetzten Abwertung des US Dollars ziehen können. In einer ersten Reaktion stiegen die Preise für Gold und Silber sofort deutlich. Der Ölpreis folgte mit einem leichten Zeitverzug, aber auch hier ist die Botschaft deutlich: Der Wertverlust des US Dollars muss kompensiert werden. Höhere Preise und eine dauerhaft steigende Inflation könnten damit schneller Wirklichkeit werden als es den meisten von uns lieb sein kann.
Schon die ersten Reaktionen auf die Aktion der Amerikaner zeigen deutlich in welche Richtung die Reise gehen wird. International kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Regierungen einen zunehmend allein an den nationalen Interessen orientierten Kurs steuern werden. Auf Dauer wird das den Welthandel schwächen, denn national motivierte Handelshemmnisse, Zölle und Kapitalverkehrsbeschränkungen sind vor diesem Hintergrund wohl nur noch eine Frage der Zeit. Unklar ist nicht mehr ob sie kommen werden, sondern nur noch wann und mit welcher Intensität.
US Dollar verliert Status als Weltleitwährung
Ein US Dollar, der zunehmend international an Vertrauen verliert, wird auch schnell seinen Status als Weltreservewährung einbüßen. Außerdem werden sich Käufer und Verkäufer zunehmend fragen, warum sie ihre Waren überhaupt noch in US Dollar fakturieren sollen, wenn sie doch beide das Vertrauen in die US Währung längst verloren haben. Die Ära, in der alle wichtigen Handels- und Rohstoffpreise in US Dollar berechnet werden, könnte somit schon bald zu Ende gehen.
China hat bereits erste Schritte in diese Richtung unternommen, indem es vorwiegend mit Entwicklungsländern bilaterale Handelsabkommen abgeschlossen hat, die unter Umgehung des US Dollars allein auf Basis der nationalen Währungen abgerechnet werden. Andere Länder wie Brasilien oder Thailand sehen sich einer Flut heißen Geldes gegenüber, das plötzlich in ihr Land schwappt und das für die eigene Wirtschaft eine große Gefahr darstellt.
Hot Money als Gefahr für Entwicklungsländer
Besonders gefährlich ist dieses heiße Geld, weil es nicht auf der Suche nach langfristigen Investitionsmöglichkeiten ins Land kommt, sondern weil es Geld auf der Flucht ist. Investoren sorgen sich um den Wert ihres Geldes und flüchten vom US Dollar in den brasilianischen Real oder den thailändischen Bhart. Doch das Geld, dass heute in Massen ins Land kommt wird es schon morgen ebenso schnell wieder verlassen.
Es ist verständlich, dass die Entwicklungsländer das heiße Geld nicht mögen und seinen Eintritt ins Land durch Sondersteuern zu verhindern suchen, denn anderes als Probleme haben sie von ihm auf Dauer nicht zu erwarten. Außerdem wird das hektisch hin- und herfließende Kapital die Volatilität an den internationalen Finanz- und Warenmärkten weiter verstärken.
Wertverlust des US Dollars wird weitergehen
Kurzfristig mag der Abwärtstrend des US Dollars in diesen Tagen etwas gestoppt werden, doch die Märkte richten sich im Grunde bereits darauf ein, dass der Wertverlust mittel- bis langfristig weitergehen wird. Für viele Devisenhändler scheint es inzwischen nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann der Euro gegenüber dem US Dollar ein neues Allzeithoch markieren wird.
Ein schwächerer US Dollar wird auch die Preise der wichtigsten in US Dollar bewerteten Güter weiter verteuern. Das gilt für die Edelmetalle Gold und Silber ebenso wie für das Erdöl, den Schmierstoff unserer Wirtschaft. Steigt der Euro-US Dollar Wechselkurs beispielsweise auf 1,70 so wird der Goldpreis auch ohne zusätzliche Nachfrage vom heutigen Niveau auf 1.664 US Dollar steigen. In Euro gerechnet würde die Unze Gold natürlich das gleiche kosten und auch der Silberpreis würde sich in Euro nicht verändern, während er in US Dollar gerechnet vom aktuellen Niveau auf 29,51 US Dollar explodieren wird.
Für das Öl ist eine ähnliche Entwicklung zu erwarten. Es ist bekannt, dass die Erdölproduzenten wegen des Wertverlusts des US Dollars jetzt schon eine Anhebung des Ölpreises auf rund 100 US Dollar je Barrel wünschen. Dabei würde es natürlich nicht bleiben, sollte der US Dollar gegenüber allen anderen Währungen weiter abwerten.
Dass es bei anderen Rohstoffen wesentlich anders sein wird, werden wohl nur eingefleischte Berufsoptimisten erwarten. Wir können somit davon ausgehen, dass die US Handelsbilanzen in Zukunft wieder viel Anlass zur Sorge bieten werden.

