Entscheidung am Little Bighorn
Wow – was für ein geschichtsträchtiger Tag. Gestern noch habe ich geschrieben, dass die Entscheidung um die Marke von $1.300 in die eine Richtung oder die andere Richtung kurzfristig fallen würde. Dass es aber am heutigen Tag zu unterschiedlichen Zeitpunkten zwei verschiedene Sieger geben würde, das habe selbst ich nicht erwartet.
Dabei sah es heute Vormittag noch so aus, als wenn das Gold Kartell der Sieger der heutigen Schlacht werden würde – um bis zu zehn Dollar haben General Custer und seine Mannen das Gold herunterkämpfen können. Aber der Tiefpunkt kurz vor Beginn des Londoner Vormittags-Handels leitete zugleich die Wende in der heutigen Schlacht ein.
Zwar stand Gold zum A.M. Fix um 11:30 Uhr MEZ mit $1.289,00 (EUR 958,44) noch um neun Dollar niedriger als am gestrigen Tag, aber immerhin schon sechs US-Dollar höher als zum Tages-Tiefstand.
Mit Beginn des Handels an der New Yorker COMEX ging es wieder etwas abwärts mit Gold. Diese Entwicklung hielt aber nicht lange an und das gelbe Metall stieg wieder auf bis zu $1.295. Der kurz darauf folgende P.M. Fix kam mit $1.294,00 (EUR 959,09) etwas niedriger zustande.
Im Anschluss holten sich nun die Gold-Indianer die Skalpelle der sich in ihrer Überlegenheit total verschätzenden Gold Kartell Soldaten: Es ging innerhalb kurzer Zeit auf $1.305 hoch – die mehrere Tage gehaltene Marke von $1.300 wurde wie Butter nach oben durchstoßen.
Im weiteren Verlauf stieg das gelbe Metall sogar bis über $1.310 an, wurde aber bis zum Schluss des COMEX-Handels wieder auf $1.307 gedrückt. Damit können wir leben.
Was für ein Debakel für das Gold Kartell.
Selbst im späten Access Handel konnten sich die versprengten Truppen von JP Morgan, HSBC und Deutsche Bank nicht mehr sammeln, um den Gold-Preis unter Kontrolle zu bringen. Die Marke von $1.300 ist schneller und tiefgreifender gefallen, als ich das erwartet habe. Der in Aussicht gestellte Bonus hat sich innerhalb weniger Stunden in Luft aufgelöst.
Ist das Gold Kartell am Ende?
So hat es nach der heutigen Schlacht den Anschein. Allerdings konnten die Europäer mit ihrem Euro erneut kaum von dieser Entwicklung partizipieren. Euro-Gold ist nämlich nur leicht angestiegen.
Die Weißen Edelmetalle konnten nach anfänglich schweren Verlusten ebenfalls wieder in die Gewinnzone drehen. Besonders Silber erfreut sich neuer Höchststände. Aber auch Palladium steuert mit Kursen jenseits der Marke von $560 immer näher der $600er-Marke zu. In Wirklichkeit ist das für die Markt-Psychologie aber auch nicht weiter bedeutsam: Only Gold matters – nur auf den Gold-Kurs kommt es an.
Der US-Dollarindex (USDX) verlor heute 0,3 Punkte auf 79,0. Ein Großteil der Verlust war auf den Euro zurückzuführen, der fast 0,8 Prozent gewann. Das Verhältnis US-Dollar/Schweizer Franken scheint nun auch für die nächste Zeit geklärt zu sein: Der Franken gewann 0,9 Prozent gegen den US-Dollar und steht nun bei über $1,02.
Die Renditen der 10-jährigen Treasury Notes fielen weiter, aber wegen der Rundungsdifferenz blieben sie mit 2,5 Prozent rein äußerlich unverändert. Da sich die Zinsen der langfristigen Staatsanleihen immer näher der Marke von Null – wo sich die kurzfristigen Titel mit zum Teil negativen Zinsen bewegen – nähern, werde ich demnächst dazu übergehen, zwei Stellen hinter dem Komma zu reporten.
Was für ein Tag: Wir haben eine Schwankungsbreite von $27 beobachten dürfen, einen anfänglichen taktischen Sieg des Gold Kartells, welches am Nachmittag skalpiert wurde. Die Gold-Freunde werden in der Zukunft sicherlich viele dieser Skalpells als Trophäe in ihrem Heim aufhängen dürfen. Das Ende des Papiergeld-Zeitalters rückt sichtbar näher.
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"Heute geht es uns schlechter als gestern, aber besser als morgen!"
"In Zeiten der universellen Täuschung wird das Aussprechen der Wahrheit zur revolutionären Tat!" (George Orwell)