Gold & Gesellschaft: Konjunkturpakets-Strohfeuer
Was hat uns eigentlich die Abwrackprämie des letzten Jahres gebracht, mit welcher der Neukauf von 2 Millionen Personenkraftwagen gefördert wurde? Antwort: Kosten von EUR 2.500 pro gefördertem Fahrzeug und Gesamtkosten von fünf Milliarden Euro.
Zusätzlich eine signifikante Erhöhung des Marktanteiles von ausländischen Herstellern wie Skoda, Hyundai und Dacia zu Lasten der in Deutschland produzierten Marken von Volkswagen, Opel und Ford.
Und nun ist – wie allgemein erwartet – der Verkauf von neuen Fahrzeugen um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Besonders betroffen waren davon die Klein- und Mittelklassefahrzeuge. Also die Autotypen, die durch die Abwrackprämie gefördert wurden.
Dumm, dümmer, Bundesregierung hatte ich in einem Bericht vor mehreren Monaten geschrieben. Das Geld ist verpulvert und nun kommt der massive Einbruch. Keiner kauft sich einen Zweit- oder Drittwagen nur weil dieser staatlich gefördert wird.
Hinzu kommt die massive Verschuldung, in die sich viele Haushalte wegen des Neukaufs begeben haben. In dem Marktsegment, wo die Abwrackprämie gewirkt hat, kommt ein Großteil sowieso kaum mit seinen laufenden Einnahmen zum Leben aus. Da muss man – ähnlich wie in den Vereinigten Staaten – den kompletten Kauf finanzieren.
Die in letzter Zeit vielgescholtenen Hartz-IV Empfänger waren jedoch nicht dabei: Die gezahlte Prämie wäre auf die Hartz-IV Leistungen angerechnet worden und hätte zu einer Minderung der Sozial-Leistungen geführt. Hier war man zumindest so klug, diese Gruppe nicht noch in die vollkommene Versklavung durch Schulden zu schicken. Es gab zum Teil Politiker, die das ernsthaft gefordert hatten.
Aber auch um die anderen deutschen Konjunkturpakete sieht es nicht viel besser aus. Nach einem Bericht DER WELT sind die staatlichen Investitions-Projekte zu einem geringeren Teil abgerufen worden als erwartet. Das liegt daran, dass die Gemeinden ein Drittel der Kosten selbst aufbringen müssen: Sei es nun für die Modernisierung von Schulen oder die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Aber die Gemeinden leiden besonders stark unter der einbrechenden Gewerbesteuer, die nicht proportional mit den Umsätzen der Unternehmen sinkt, sondern mit dem Gewinn. Viele der die letzten Jahre gutverdienenden Unternehmen sind in die Verlustzone gerutscht, und damit ist die Gewerbesteuer dieser Unternehmen für die Stadt oder Gemeinde einfach ausgefallen. Bei großen Arbeitgebern können dies zweistellige Millionen-Beträge sein.
Gewirkt hat lediglich die Ankurbelung des privaten Konsums: Durch Einkommensteuer-Senkungen, ein höheres Kindergeld und Sonderzahlungen wie den Kinderbonus. Von der Abwrackprämie einmal ganz abgesehen. Das sind dann natürlich nicht die nachhaltigen Investitionen, die deutschen Unternehmen beispielsweise der Baubranche zugute kommen. Vielmehr leistet sich der private Verbraucher dann noch mehr Klamotten, made in China oder Vietnam, oder Flachbildschirme made in Korea. Über die Effekte für die ausländische Autoindustrie habe ich ja bereits berichtet.
Ordnungspolitisch waren die Aktionen also eine reine Katastrophe – denn das Geld ist ausgegeben und kommt nicht als neue oder stabilisierte deutsche Arbeitsplätze und Steuereinnahmen wieder zurück.
In der 70er-Jahren hat die damalige rot-gelbe Koalition unter Kanzler Schmidt auch eine Reihe von Konjunktur-Programmen aufgelegt, die wirkungslos verpufften. Die heutigen Programme wirken sogar noch negativ, weil sie einseitig die ausländische Industrie fördern.
Aber eines haben beide Programme gemeinsam: Das Geld ist weg. Und ein Strohfeuer kann eben längerfristig nicht wärmen. Es wird zunehmens kälter werden in Deutschland.
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Man hat hart gekämpft im Gold Cartel Headquarter: Den Dollar hat man steigen lassen und damit lediglich historische Rekordstände beispielsweise in Euro provoziert. Selbst das befreundete Britische Pfund hat man gestern links liegen lassen.
Aber es hat alles nicht geholfen – Gold hat heute die Marke von $1.120 nach oben durchbrochen. Und mit dem Fall dieser Marke waren die Herren nun eher damit beschäftigt, die Einhaltung der täglichen Zwei-Prozent-Regel sicherzustellen. Bei einem gestrigen Schlusskurs bei $1.118 durfte Gold heute nur bis auf $1.140 steigen.
Das konnte Gold zwar heute nicht bewerkstelligen, aber der Tageshöchststand kam mit $1.138 wenige Minuten vor Ende des COMEX-Handels nahe dieser Grenze zustande. Mit $1.137,00 beschloss Gold dann wenige Minuten später den Handel. Ein Tagesgewinn von $20.
Dabei sah es vormittags noch gar nicht nach einer solchen Entwicklung aus. Im asiatischen Markt musste Gold noch wenige Dollar im Vergleich zum gestrigen Schluss-Stand in New York ($1.118,00) abgeben. Und auch der Vormittags-Handel in London lief eher ruhig.
Der A.M. Fix mit $1.116,00 (EUR 826,97) stand unter dem Eindruck des immer noch starken Dollars – dieser stand zu diesem Zeitpunkt um die Marke von 81 (USDX) – etwas unter Druck.
Kurz danach ging es aber mit dem Dollar wieder südwärts und Gold begann zu steigen. Zum Nachmittag kurz vor Eröffnung des Handels in New York stand das gelbe Metall bereits neun Dollar höher als zum A.M. Fix. Es folgte das übliche Anfangsdrückungs-Spiel an der COMEX, das nach einer halben Stunde Gold wieder bis an die Marke von $1.120 heranbeförderte. Zum nahenden P.M. Fix ging es aber dann wieder aufwärts: $1.126,50 (EUR 831,24) lautete der Kurs in London.
Dann ging es eigentlich – mit dem weiter bis auf 80,5 fallenden US-Dollar – nur noch weiter nach oben. Bis mit $1.137,00 das Ende des Handels an der COMEX den Anstieg unterbrach. Natürlich hat das Gold-Kartell im späten Access Handels diese praktisch handelsfreie Zeit dazu verwendet, um den Preis wieder zu drücken.
Der US-Dollar musste nach anfänglicher Stärke, die ihn zum Vormittag auf 81,1 hochtrieb, Federn lassen und schloss gegen 21:00 Uhr MEZ bei 80,5. Dieser Tagesverlust von 0,3 Punkten sieht zwar nicht dramatisch aus. Aber im Laufe des Tages hat der Dollar ein Spektrum von 81,1 bis runter auf 80,4 hingelegt. Und 0,7 Punkte beim USDX an einem Tag stellen schon eine hohe Volatilität dar.
Ich vergaß zu erwähnen, dass es heute wieder einen neuen Höchststand in Euro gab: Um 18:00 Uhr MEZ stand Gold bei EUR 836.
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