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Als „Exportweltmeister“ hat Deutschland in der Krise einen besonders tiefen Einbruch erlitten. Von Sommer bis Winter 2008/2009 ist der Welthandel mit einer Wucht eingebrochen, die dem Tempo in der Großen Depression vergleichbar war. Der deutsche Export lag im ersten Halbjahr 2009 durchschnittlich 23 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.
Schwieriger Wiedereintritt
Wie schnell kann er sich davon erholen? „Die Standardmodelle sagen, wenn sich die Weltwirtschaft erholt, dann schnellt die Nachfrage hoch, und der Export steigt wieder kräftig“, sagt der Kieler Ökonom Holger Görg. „Aber es kann auch anders sein.“ Görg warnt vor zu großem Optimismus. Seiner Ansicht nach sind die globalen Produktionsnetzwerke und die enge Verflechtung, auf der die Erfolge der Exportwirtschaft beruhen, durch die Krise für längere Zeit beschädigt. Kleinere und mittlere Exporteure hätten sich mangels Geschäft aus einigen Auslandsmärkten zurückgezogen. „Wenn einer einmal aus einem Markt ausgeschieden ist, dann wird der Wiedereintritt sehr schwierig“, warnt Görg.
Er bezieht sich dabei auf eine ältere Studie von Andrew Bernard und Joachim Wagner. Diese hatten die Effekte von Währungsschocks auf deutsche Exporteure gemessen. Wer sich nicht aus einem Markt zurückzog, der hatte um 50 Prozent höhere Erfolgschancen auf diesem Auslandsmarkt; umgekehrt gilt, wer sich zurückzieht, dessen künftige Chancen sinken um 50 Prozent. "Das hat mit den Einstiegskosten zu tun, die ziemlich hoch sind", erklärt Görg, der kürzlich den renommierten Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik, der deutschen Ökonomen-Vereinigung, erhielt und als einer der forschungsstärksten jüngeren Wirtschaftswissenschaftler gilt.
Die heutige Weltwirtschaft ist ein hochkomplexes Gebilde. Sie funktioniert mit einer extremen Arbeitsteilung mit langen, feingesponnenen Produktionsnetzwerken. Gemeinsam mit zwei Kieler Kollegen, Oliver Godart und Dennis Görlich, hat Görg ein Papier über die Verletzlichkeit dieser Netzwerke geschrieben. An Beispielen machen sie den hohen Grad der Verflechtung der Produktion deutlich: So steckten in einem amerikanischen Auto - gemessen am Wert - durchschnittlich mehr als 17 Prozent Teile und Technik aus Japan, 30 Prozent ergab die Montage in Korea, 7,5 Prozent steuerten deutsche Entwickler bei, 4 Prozent waren kleinere Teile aus Taiwan und Singapur, 2,5 Prozent entfielen auf britische Dienstleistungen. Und der Anteil der ausländischen Vorprodukte an der Wertschöpfung nimmt weiter zu. Von 1990 bis 2005 hat er sich in den deutschen Exporten fast verdoppelt.
Die globalisierte Wirtschaft ist stärker als je zuvor vernetzt - so übertragen sich aber auch Schocks schneller als je zuvor. Der Nachfrageausfall in Amerika hatte einen Dominoeffekt auf Exporteure in der ganzen Welt. Das forderte Opfer entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Einige Unternehmen haben nun in der Krise entschieden, ihr Lieferantennetzwerk zu verkleinern. Der Autohersteller Ford etwa hat derzeit 3000 Zulieferer, künftig will er nur noch mit 2000 zusammenarbeiten. Und der japanische Elektronikkonzern Sony will die Zahl seiner Zulieferer von 2500 auf 1200 halbieren.
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