Ich bekomme in letzter Zeit immer wieder Anfragen, wo verzweifelt angemerkt wird: "Das Gold-Kartell wird immer eine Möglichkeit finden, den Gold-Preis zu drücken". Und andere Zuschriften zeigen mir, dass der Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Gold-Preises und der Zins-Entwicklung bzw Gesundheit unseres Finanz- und Wirtschafts-Systems nicht verstanden wurde.
Ich möchte deshalb den heutigen Gold-Bericht im Wesentlichen diesen beiden (oder drei) Bereichen widmen, da sie gut die derzeitige Domino-Kette im Wirtschafts- und Finanzsystem aufzeigen.
: Der Gold-Preis kann nur solange unter Kontrolle gehalten werden, wie das Angebots-Defizit (Nachfrage minus Angebot) durch Gold aus Zentralbank-Lagerbeständen ausgeglichen werden kann.
: Bricht die Goldpreis-Drückung zusammen, so kann nach Gibson's Paradox ein stark steigender Goldpreis nur durch hohe langfristige Zinsen der Staatsanleihen verhindert werden.
: Steigen die Zinsen der langfristigen Staatsanleihen stark an, dann werden viele Privat-Haushalte und Firmen in den Konkurs gehen und Unternehmer Investitions-Entscheidungen zurückstellen.
Ich möchte nachfolgend die drei Thesen erläutern. Ausserdem möchte ich kurz darstellen, wie das Ereignis "Erschöpfung des Zentralbank-Goldes" die Domino-Kette beginnend mit These
#1, folgend mit These
#2 zu These
#3 auslösen kann.
Zu These
#1:
In einem freien Markt wird ein Preis dadurch gefunden, dass sich Verkäufer und Käufer auf ein gemeinsames Preis-Niveau einigen, wo die meisten "Tauschgeschäfte" (z.B. Geld-gegen-Gold oder Gold-gegen-Geld) zustande kommen. Ein Angebots-Überhang (d.h. es gibt mehr Verkäufer als Käufer) wird dabei so lange zu tendentiell sinkenden Preisen führen, bis der Überhang nicht mehr existiert. Genauso wird ein Angebots-Defizit (d.h. es gibt mehr Käufer als Verkäufer) zu tendentiell steigenden Preisen führen, bis das Dezit nicht mehr existiert. D.h. bei einem Angebots-Defizit kann man entweder mit den steigenden Preisen bestimmte Käufer abschrecken oder neue Verkäufer anlocken. Über diesen Mechanismus pendelt sich der Markt-Preis ein, bei dem es weder ein Angebots-Überhang noch ein Angebots-Defizit geben kann. Dieses Prinzip gilt auch für den Gold-Handel.
Im Gegensatz zu Papier-Geld, das die Zentralbanken in unbegrenztem Masse ohne Kosten herstellen können, kann Gold nicht "aus dem Nichts" geschaffen werden. Es muss aufwendig gefördert werden. Die Nachfrage am Gold-Markt ergibt sich aus der Investment-Nachfrage ("Horten von Gold"), der Industrie-Nachfrage (Elektro-Industrie, aber auch Zahngold) und der Schmuck-Nachfrage. Das Angebot speisst sich aus Rückläufen von Gold der o.g. drei Nachfrage-Gruppen (scrap gold), aus der Minen-Förderung und den Verkäufen der Zentral-Banken. Die Bilanz aus Angebot und Nachfrage muss immer ausgeglichen sein.
Ich habe in meinen Berichten immr wieder dargestellt, dass das (nicht offiziell berichtete) Angebots-Defizit von jährlich 500 Tonnen (vor der Finanz-Krise) bis jährlich 1.000 Tonnen (während der Finanz-Krise) durch versteckte Zentralbank-Verkäufe ausgeglichen werden muss. Die Lager-Bestände scheinen zwischenzeitlich aber erschöpft, so dass das Gold-Kartell illegal Gold aus Lagerbeständen der COMEX und der Gold-ETFs verkaufen muss, ohne dass die Teilnehmer in diesen Märkten (denen das Gold gehört) etwas davon wissen. Wir werden also plötzlich mit einer jährlichen Angebots-Lücke von bis zu 1.000 Tonnen konfrontiert werden.
Auch das trickreichste Gold-Kartell kann unter dieser Voraussetzung einen Anstieg des Gold-Preises nicht aufhalten. Im physischen Londoner Handel wird der Preis anhand des Angebots und der Nachfrage bestimmt. Herrscht dort eine Angebots-Lücke, dann steigen die Preise solange an, bis diese Lücke an dem Markt geschlossen wird. Nun könnte das Gold-Kartell den in London ermittelten Preis (z.B. $1.100) wieder im Derivate-Handel an der COMEX auf z.B. $950 drücken. Da an der COMEX Papier-Gold gehandelt wird, müssten die Gold-Kartell Banken nur genug Future-Positionen zu $950 verkaufen, um die Nachfrage zu decken. Schon ist der Preis von Gold wieder auf $950 gefallen. Am nächsten Tag würde er aber in London wieder auf $1.100 steigen usw. Dieser Weg ist trotzdem für das Gold-Kartell nicht gangbar. Denn es besteht eine Verbindung zwischen Papier-Gold und realem Gold auch an der COMEX. Ein ablaufender Future-Kontrakt verpflichtet zur Lieferung von realem Gold. Hat der Short-Inhaber dieses Gold nicht, so muss er es sich in London kaufen. Und erhöht damit den Preis in London, da die Nachfrage dort ansteigt. Zwei findige Typen von Investoren würden diese Strategie des Gold-Kartells schnell zu einem Ende führen. Der Käufer würde erkennen, dass er physisches Gold indirekt über Future-Kontrakte an der COMEX wesentlich billiger kaufen könnte, als in London. In London fällt zwar nun die Nachfrage dieses Käufers nach Gold weg, aber er kauft indirekt über das Gold-Kartell, das sich mit Gold in London eindecken muss, um seine Gold-Lieferverpflichtungen aus dem Future-Kontrakt zu erfüllen. Das Gold-Kartell subventioniert dem Käufer sein Gold - er kann es für $950 (an der COMEX) kaufen, anstatt für $1.100 in London. Wahrscheinlich würde dies dem Gold-Kartell nicht grossartig schaden, da viele Käufer den Umweg über die COMEX meiden würden.
Aber Hedge-Fonds und andere Investoren würden dieses Arbitrage-Potential schnell erkennen und solange ausnutzen, bis der Preis an der COMEX sich wieder an den Preis in London annähert. Diese Hedge-Fonds wollen gar nicht in Gold investieren, sondern nur aus dem Preis-Unterschied zwischen der COMEX und London einen satten Gewinn erzielen. Sie kaufen Gold in immer grösseren Mengen an der COMEX, um es in London wieder (zu höheren Preisen) verkaufen zu können. Da das Gold-Kartell das Gold für die COMEX in London kaufen muss, das die Hedge-Fonds wieder in London verkaufen, wird der Gold-Preis in London weder steigen noch fallen. Aber das Gold-Kartell muss für jede über die COMEX so gehandelte Unze $150 an die Hedge-Fonds auszahlen. Man kann sich vorstellen, dass diese Situation bei Hedge-Fonds, die über hunderte von Milliarden Dollar verfügen schnell bereinigt ist.
Schlussfolgerung A zu These
#1: Im Falle eines Angebots-Defizits bestimmt nicht der Papier-Markt den Gold-Preis, sondern der physische Markt in London.
Schlussfolgerung B zu These
#1: Kann das Gold-Kartell das Angebots-Defizit nicht mehr durch physisches Gold ausgleichen, dann bricht die Goldpreis-Drückung zusammen.
Zu These
#2:
In meinem Goldbericht für den 13. Juli habe ich ausführlich dargelegt, dass im Rahmen des Gibson's Paradox ein inverser Zusammenhang zwischen den Real-Zinsen der langfristigen Staatsanleihen und dem Gold-Preis besteht. Kurz: niedrige Real-Zinsen bedingen einen hohen Gold-Preis und hohe Real-Zinsen bedingen einen niedrigen Gold-Preis.
Wir haben z.Zt. historisch niedrige Real-Zinsen (d.h. Nominal-Zinsen minus Inflationsrate) für die Staatsanleihen, während der Gold-Preis noch moderat niedrig ist. In Wirklichkeit müssten wir entweder einen hohen Gold-Preis bei diesem Zins-Niveau beobachten oder die Real-Zinsen müssten wesentlich ansteigen.
Diese Entwicklung konnten wir in den 70er-Jahren wirklich beobachten. Die stark steigende Inflation dieser Jahre hat zu einem Anstieg des Gold-Preises auf über $700 geführt. Die Real-Zinsen waren quasi Null oder sogar noch durch die hohe Inflationsrate negativ, so dass Gold in diesen Jahren von $200 auf über $700 gestiegen ist. Der damalige Vorsitzende des FOMC der FED, Paul Volcker hat daraufhin die Zinsen stark ansteigen lassen. In der Folge sind die Nominal-Renditen der 10-jährigen Treasuries auf zum Teil über 14 Prozent angestiegen, waren also real im positiven Bereich. Mit dieser Geld-Politik konnte Volcker den Gold-Preis wieder auf unter $400 drücken.
Heute haben wir de facto auch niedrige Real-Zinsen, die gegen Null oder sogar noch darunter tendieren. Allerdings wird die Inflationsrate durch das "Wahrheitsministerium" BLS stark nach unten gefälscht, so dass die offiziellen Real-Zinsen der 10-jährigen Treasuries bei 3 Prozent liegen. Hier müssten wir eigentlich einen starken Fluss von Geld in Gold beobachten, der einen erheblich steigenden Gold-Preis bedingen würde.
Die Alternative für die FED ist die Politik von Paul Volcker Anfang der 80er-Jahre: Die Zinsen der Treasuries müssten sich mehr als verdoppeln, um den Abfluss von Geld in Gold stoppen zu können. Um den heutigen Gold-Preis zu fixieren, müssten die Renditen wohl wieder zweistellig werden.
Schlussfolgerung A zu These
#2: Bei dem derzeitigen Real-Zinsniveau der langfristigen Staatsanleihen müsste der Gold-Preis in einem nichtmanipulierten Markt stark ansteigen.
Schlussfolgerung B zu These
#2: Ein Anstieg von Gold in einem nichtmanipulierten Markt kann nur über eine massive Ausweitung des Real-Zinsniveaus erreicht werden.
Zu These
#3:
Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen sind im Papiergeld-System die risikolose Form der Geldanlage. D.h. sämtliche Ausleihungen an Privat-Haushalte oder Unternehmen müssen zu einem Zinssatz überhalb der Rendite der Staatsanleihen ausgegeben werden. Mit diesem Zinsaufschlag wird das Ausfall-Risiko der Privat-Haushalte und Unternehmen berücksichtigt.
Auch eine unternehmerische Entscheidung über die Rentabilität eines Investments wird auf Basis der Rendite der Staatsanleihen getroffen. Man kann über die Fähigkeiten der MBAs und BWLer geteilter Meinung sein: Dieses eherne Gesetz beherrschen sie jedoch. Eine Investitions-Entscheidung wird nur dann getroffen, wenn die Rendite des Investments, jeweils abgezinst mit dem Zinssatz der Staatsanleihen, einen positiven Beitrag liefert. Diese positive Beitrag muss für den Unternehmer so gross sein, um sein unternehmerisches Risiko abzudecken.
Hierzu einige Beispiele: Ein Privat-Haushalt mit einem monatlichen Netto-Einkommen von $4.000 kann sich ein Haus im Wert von $300.000 leisten, wenn der Kredit mit lediglich 5 Prozent pro Jahr verzinst wird. Die monatliche Zinsbelastung beträgt $1.250. Würden sich die Zinsen der 10-jährigen Treasuries jedoch auf 12 Prozent erhöhen, dann wären ca 15 Prozent pro Jahr für den Immobilien-Kredit fällig. Die monatliche Zinsbelastung stiege auf $3.750. Die Familie hätte kein Geld mehr zum Leben und müsste Bankrott anmelden.
Ein Unternehmer will $1.000.000 in ein Software-Produkt investieren. Würde er das Geld in Staatsanleihen anlegen, bekäme er 3,5 Prozent pro Jahr. Seine Rechnung: Mit Staatsanleihen hätte er mit Zinses-Zinsen am Ende des vierten Jahres $1.147.523. Abgezinst hätte er jedes Jahr $1.000.000. Der Geldfluss eines Investments am Ende des Jahres 1 ist um den Faktor 1,035 niedriger, für Jahr 2 um 1,071 niedriger, im Jahr 3 um 1,109 und im Jahr 4 sogar um 1,148. Mit seinem Software-Produkt erzielt er im Jahr 1 $200.000 Gewinn, im Jahr 2 $300.000 und im Jahr 3 und 4 jeweils $400.000. Insgesamt also $1,3 Mio. Abgezinst sind die $200.000 im Jahr 1 aber nur $193.237 wert, die $300.000 im Jahr 2 $280.053, die $400.000 im Jahr 3 $360.777 und die $400.000 im Jahr 4 $348.577. Insgesamt also $1,18 Mio. Mit $180.000 abgezinstem Gewinn gegenüber den sicheren Staatsanleihen geht der Unternehmer das Risiko wahrscheinlich ein.
Würden nun die Staatsanleihen auf 12 Prozent steigen, dann sähe seine Rechnung folgendermassen aus: $200.000 im Jahr 1 sind nur noch $178.571 wert (Abzinsungs-Faktor ist nun 1,12), die $300.000 im Jahr 2 $239.158 (1,254), die $400.000 im Jahr 3 $284.712 (1,405) und die $400.000 im Jahr 4 $254.207 (1,574). Insgesamt also $0,96 Mio. Der Unternehmer würde sein Geld in Staatsanleihen stecken, da er abgezinst einen Verlust mit dieser Investition machen würde.
Ich könnte dieses Beispiel jetzt noch mit $100.000 Eigenkapital und $900.000 Fremdkapital machen. Dabei käme wohl heraus, dass der Unternehmer bei dem hohen Zinsniveau im Laufe der Jahre wohl sein Eigenkapital durch Zinszahlungen verlieren würde und damit Pleite wäre.
Schlussfolgerung A zu These
#3: Bei hochverschuldeten Privat-Haushalten und Unternehmen würde ein starker Anstieg der langfristigen Zinsen der Staatsanleihen zu einer Welle von Bankrotten führen.
Schlussfolgerung B zu These
#3: Ein starker Anstieg der langfristigen Zinsen würde die Investitions-Tätigkeiten der Unternehmen stark reduzieren.
Diese Domino-Kette ist unserer Finanz-Elite natürlich bekannt. Die Domino-Kette hat ihren verletzlichsten Punkt in der Gold-Preisdrückung. Bricht diese wegen Erschöpfung der Zentralbank-Vorräte zusammen, dann fällt als nächstes der Domino der Staatsanleihen. Dieser Domino reisst dann die überschuldeten Unternehmer und Privathaushalte in den Konkurs. Eine System-Auslöschung wäre wohl die unvermeidbare Folge.
Jeder, der am Goldpreis-Domino wackelt, kann also jederzeit eine Ketten-Reaktion auslösen, die das gesamte System in seinen Grundfesten zerstören kann. Ein plötzlicher sprunghafter Anstieg des Gold-Preises um $100 pro Tag, jeweils bestätigt im Londoner Handel am Folgetag, wäre ein starker Hinweis darauf, dass der Goldpreis-Domino kippt.
Zum heutigen Geschehen an den Gold-Märkten: Gold startete den heutigen Tage in Asien dort, wo der Handel letzten Abend in New York bei $925 beendet wurde. Erst zum einsetzenden Londoner Handel konnte Gold wieder zulegen. Mit $930,00 (EUR 661,40) zum A.M. Fix legte Gold im 24-Stundenvergleich um weitere $8 zu.
Im Nachmittags-Handel stieg Gold eine Stunde vor Eröffnung des Handels an der COMEX plötzlich um $5 auf $935 an. Kurz nach Eröffnung der COMEX um 14:20 Uhr kam es zu einem weiteren Preis-Anstieg auf $940. Die Erklärung hierfür kann man in dem gerade vom "Wahrheitsministerium" BLS persönlich um 14:30 Uhr MEZ veröffentlichten Consumer Price Index (CPI) suchen: Auf Monatsbasis (m/m) ist der CPI-U (nicht saisonbereinigt) um 0,9 Prozent gestiegen. Im Vormonat lag dieser Wert noch bei 0,1 Prozent. Das Preis-Niveau von Gold konnte zum Londoner P.M. Fix bestätigt werden: $938,00 (EUR 666,34) - ein satter Zuwachs von $13 gegenüber dem gestrigen P.M. Fix. Im Verlauf des Handels musste das Gold-Kartell schwer kämpfen, dass die Marke von $940 nicht nachhaltig überschritten wird. Die Gold-Kartell Trading-Systeme sind auch darauf programmiert, dass Gold an einem Tag nicht über 2 Prozent ansteigt. Diese Grenze liegt heute bei $943. Der Handel an der COMEX wurde bei einem Stand von $939 beendet.
Der heutige Tag hat nur dem Aktien-Markt gutgetan: plus 3 Prozent. Der Dollar und die Staatsanleihen gaben heute zum Teil kräftig nach. Der USDX fiel um fast einen ganzen Punkt auf 79,4, während die Renditen der 10-jährigen Treasury Bonds auf 3,6 Prozent zulegten. Der von mir gebildete Quotient aus beiden Zahlen sank heute kräftig um 1,5 Punkte auf 22,1 (Dienstag: 23,6). Damit hat sich der ganze G-8 Manipulationszauber der letzten Woche und in der Vorbereitung der Woche davor wieder in Luft aufgelöst.
www.hartgeld.com/Ziemanns-gold-news.htm "Die Börse reagiert nur zu 10% auf Fakten, der Rest ist Psychologie!" (Kostolany)
"Selten war mehr als ein Zehntel der Bevölkerung an dem beteiligt, was man Geschichte zu nennen pflegt!" (Samhaber)