Zitat:
"Anglo American schreibt Gold ab
von Wolfgang Drechsler
Wette auf die Inflation: Der amerikanische Hedgefonds Paulson & Co ist beim Goldförderer Anglogold eingestiegen. Damit übernimmt der Hedge-Fonds die restlichen beim Bergbaukonzern Anglo American verbliebenen Anteile an der Goldförderung. Mit dem Verkauf seiner Beteiligungen im Goldsektor geht für Anglo American eine Ära zu Ende.
Goldmine in Südafrika. Inflationsgespenster und Angstkäufe treiben den Preis - aber wie lange? Quelle: apLupe
KAPSTADT. Einer von beiden liegt wohl falsch: Der US-Hedgefonds Paulson & Co ist für 1,28 Mrd. Dollar massiv beim Goldförderer Anglogold eingestiegen. Gekauft hat er die Anteile von Anglo American. Der traditionsreiche Bergbaukonzern ist durch den Verkauf an die Spekulanten restlos aus der Goldförderung ausgestiegen.
Fast unbemerkt ist in Südafrika gerade eine Ära zu Ende gegangen: Über 90 Jahre nach seiner Gründung auf den Goldfeldern um Johannesburg hat der Bergbaukonzern Anglo American die ihm noch verbliebenen 11,3 Prozent an seiner Goldtochter Anglogold Ashanti verkauft. Durch den Ausstieg hat das 1917 von Ernest Oppenheimer gegründete und heute in London residierende Minenhaus erstmals in seiner Firmengeschichte keine Beteiligungen im Goldsektor mehr.
Und das zu einer Zeit, da das gelbe Metall sich nahe seines Allzeithochs bewegt und die einstige Goldtochter stark expandieren will. Die Förderung soll bis 2017 von knapp fünf Mio. Unzen auf sieben Mio. Unzen erhöht werden. Anglo American wird und will daran nicht mehr partizipieren. Der Fokus liegt nun auf den Grundmetallen, auf Platin, Eisenerz und Kohle sowie mit einer 45%-Beteiligung an De Beers auf Diamanten.
Investoren im Goldsektor haben in der Regel andere Erwartungen als Anleger bei anderen Rohstoffen. Wer sich im gelben Metall engagiert, macht dies für gewöhnlich aus Sorge vor einer höheren Inflation – und der damit verbundenen Erwartung auf einen Anstieg des Goldpreises, das in Krisenzeiten als sicherer Hafen gilt.
Genau diese Überlegung hat den US-Hedgefonds Paulson & Co offenbar zu dem 1,28 Mrd. Dollar teuren Einstieg bei Anglogold bewogen. Milliardär John Paulson, der den Fonds verwaltet, ist überzeugt, dass die zuletzt weltweit von den Zentralbanken in den Markt gepumpten Geldmengen zu einer Rückkehr der Inflation führen werden. Der Einstieg von Paulson, den das Forbes Magazin in einem Atemzug mit Investmentguru Warren Buffett nennt, lässt auch deshalb aufhorchen, weil Paulsen bereits vor zwei Jahren gegen die amerikanischen Subprimeprodukte gewettet und hohe Gewinne erzielt hatte. „Paulsen hat ein Gespür dafür, extreme wirtschaftliche Ereignisse vorauszusehen und entsprechend zu handeln“ sagt Michael Dubin von der New Yorker Long Champ Group.
Dass Anglo American schneller als erwartet aus seiner Goldtochter ausgestiegen ist, könnte auch andere als rein strategische Gründe haben. Der Aktienpreis ist im Keller und der Schuldenberg von rund 11 Mrd. Dollar drückt. Im vergangenen Monat wurde erstmals die Dividende gestrichen. Da kommt das Geld des Hedgefonds genau richtig.
Paulsen ist nun hinter der Bank of New York, die einen Anteil von 28 Prozent hält, der zweitgrößte Anteilseigner an Anglogold Ashanti, den er als „stark unterbewertet und einen der am besten gemanagten Goldförderer der Welt“ beschriebt. Seit dem Amtsantritt des neuen australischen Chefs Mark Cutifani vor 18 Monaten weht bei Anglogold ein frischer Wind. Cutifani baute vor allem den Umfang der Terminverkäufe ab, die dem Aktienpreis des Unternehmens zuvor enge Fesseln angelegt hatten.
Anglogold hatte lange Jahre einen beträchtlichen Teil seiner Produktion im voraus zu festen Preisen verkauft, um sich gegen den damaligen Verfall des Goldpreises abzusichern. Die Erlöse aus diesen Jontrakten liegen nun allerdings unter dem gegenwärtig zu erzielenden Goldpreis von 960 Dollar pro Unze. Gleichzeitig ist der Rückkauf der Termingeschäfte ein Indiz dafür, dass Anglogold selber mittelfristig mit einem steigenden Goldpreis rechnet. Cutifani selbst sieht ihn in diesem Jahr zwischen 900 und 1 000 Dollar pro Unze.
Zeitgleich mit den Rückkäufen hatte Anglogold im abgelaufenen Jahr eine Kapitalerhöhung vorgenommen, die deutlich überzeichnet war – ein weiterer Vertrauensbeweis für den Kurs des neuen Managements und seine Expansionsstrategie. Der Goldförderer will einen Teil des aufgenommenen Geldes in neue Minen stecken, zuvorderst ein großes neues Goldvorkommen in Kolumbien, dessen Reserven Cutifani auf über zwölf Mio. Unzen beziffert. Diese Mine soll bereits in fünf Jahren die Produktion aufnehmen.
Um den Rückgang der Förderung in Südafrika zu stoppen, erwägt Anglogold den Ausbau seiner Mponeng-Goldmine auf bis zu fünf km Tiefe, was Weltrekord wäre. Der Pariser Eifelturm würde dann 15 mal übereinander in die gegenwärtig 3,8 Kilometer tiefe Mine passen.
Neben dem Ausbau der Reserven dürften die Titel des Unternehmens nach Ansicht des südafrikanischen Vermögensverwalters Allan Gray auch davon profitieren, dass der jahrelange Aktienüberhang durch den Verkauf des letzten Anglo-Anteils verschwunden ist. Dieser hätte für einen Abschlag von fünf bis zehn Prozent gesorgt. Dank günstiger Aussichten für den Goldpreis und der geografisch breiten Aufstellung des Unternehmens auf vier Kontinenten hätten die Akien trotz ihres starken Anstiegs seit November weiter Potenzial, glaubt der Vermögensverwalter. Zumindest dann, wenn die Inflation wirklich zurückkehrt."
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