40-Dollardrückung bereits Krisen-Standardreaktion
Zugegeben, die kommenden Dienstag und Mittwoch stattfindende Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der FED in Washington wird gerne von einer kräftigen Goldpreis-Drückung begleitet. Zumal die Signale nach der letzten Sitzung, wo die bislang geltenden Null-Zinsen für die nächsten Jahre garantiert wurden, auf noch mehr Gelddrucken hindeuten. Ob sich das Kind dann QE3 nennt oder ob Timmy Geithner 50 Jahre laufende Treasury Bonds einführt, welche die FED sodann durch Aufkaufprogramme monetarisiert, ist eigentlich zweirangig.
In diesem Zusammenhang muss man sich allerdings fragen, was aus der Vereinbarung zwischen Kongress und Präsident geworden ist: Dort sollte es ja keine höheren Steuern geben und auch die Ausgaben – insbesondere bei den ausufernden Sozialprogrammen Medicare und Maidaid – sollten schrittweise zusammengestrichen werden. Aber Obama stellt derzeit als sein Programm der Öffentlichkeit ein (staatsfinanziertes) massives Konjunktur-Programm und eine Steuererhöhung für Bürger mit Einkommen jenseits der Ein-Millionen-Dollargrenze in Aussicht. Das soll man einmal verstehen.
Derweil werden die aus dem Nichts kommenden 40-Dollarabstürze bei Gold immer regelmäßiger. Das Gold-Kartell versucht inzwischen schon gar nicht mehr, sein Eingreifen zu verbergen. Früher bemühte man sich noch veröffentlichter Nachrichten, die sodann durch Bloomberg & Co als goldnegativ gedeutet wurden – und schon gab es eine (allerdings vorgeschobene) Begründung für den Absturz bei Gold.
Während das gelbe Metall zum COMEX-Schluss um 2 Prozent in US-Dollar und 0,8 Prozent in Euro fiel, geriet Silber mit einem Dollar-Minus von 3,6 Prozent noch stärker unter die Räder. Auch Platin konnte mit einem Verlust von 2,2 Prozent nicht grade brillieren – geschweige denn Palladium mit einem Tagesverlust von 2,6 Prozent.
US-Leichtöl (WTI) verlor fast drei Dollar oder mehr als drei Prozent auf $85 pro Barrel. Der Abstand zur europäischen Sorte Brent vergrößerte sich erneut – hier kostet das Fass $109. Das ist übrigens der Grund, warum der Preis an den Tankstellen hierzulande nicht unter die Marke von 1,50 Euro fallen mag – während sich der US-Bürger an niedrigen WTI-Preisen erfreut, müssen wir immer noch auf Basis des hohen Brent-Niveaus tanken.
Eigentlich wären diese massiven Preisunterschiede die ideale Basis für sogenannte Arbitrage-Geschäfte: Man kauft billig zum WTI-Preis in den Vereinigten Staaten ein und verkauft es zum teuren Brent-Preis in Europa. Allerdings darf man sich an diesem Carry-Trade-Geschäft nicht verheben – ein Öltanker kostet nicht nur viel Geld, sondern während der Transportzeit kann sich schon viel verändert haben.
Die Woche startete heute früh im asiatischen Handel genauso positiv, wie sie am Freitag zum Nachmittag endete: Mit positiven Vorzeichen für das gelbe Metall. Aber so richtig oberhalb der Marke von $1.820 konnte sich Gold nicht halten. Der A.M. Fix war mit $1.817,00 (EUR 1.332,31) zwar um $39 höher als am Freitag zu derselben Zeit. Aber ein Teil der Gewinne in Asien war damit schon wieder passe.
Ein Grund war sicherlich der schwache Euro, der zum Abend 1,2 Prozent gegenüber dem US-Dollar abgeben musste. Die Renditen der 10-jährigen Treasury Notes sind um massive 0,2 Prozentpunkte auf nur noch 1,9 Prozent gefallen. Mit dem um 0,6 Punkte auf 77,2 gestiegenen US-Dollarindex (USDX) explodierte der von mir ermittelte Quotient aus USDX und den Realrenditen um 4,1 Punkte (!!!) auf 40,6.
Sicherlich war ein Grund die Euro-Schwäche, die viele Investoren nicht nur in den Dollar-Raum, sondern insbesondere in die angeblich sicheren US-Staatspapiere flüchten ließ. Der US-Dollar als ultimative Flucht-Währung – das war noch nie gut für das gelbe Metall, das sich selbst als diese Flucht-Währung sieht. Aber bei weitem nicht – trotz des sehr liquiden Handels – das Aufnahmevolumen des US-Bondmarktes vorzuweisen hat.
Es bedurfte jetzt nur noch eines Anschubs zum Londoner P.M. Fix – in Form von physischem Gold der um den Euro kämpfenden europäischen Notenbanken – um die heutige 40-Dollardrückung einleiten zu können. Der P.M. Fix war mit $1.794,00 (EUR 1.317,66) im Tagesvergleich unverändert, aber gegenüber dem A.M. Fix um $23 niedriger.
Den Rest besorgten dann die Schmeißfliegen: In der Folge fiel Gold um weitere $15.
Der COMEX-Schluss lag mit $1.775,60 (EUR 1.303,26) um $37 niedriger als noch am Freitag-Abend zu derselben Zeit. Mission accomplished. Der heute spät Abend bei einer Diskussions-Runde über Gold auftretende Finanztest-Tenhagen wird jubeln – und das gelbe Metall als hochspekulativ verteufeln. Schließlich ist ja seine Empfehlung während der ersten Euro-Krise vom Mai 2010, lieber in Schrebergärten zu investieren, voll aufgegangen. Oder vielleicht doch nicht: Seinerzeit kostete Gold 900 Euro und heute sind es mit 1.300 Euro immerhin 45 Prozent mehr.
Dazu hätte Herman-Josef Tenhagen allerdings einen Schrebergarten mit Gartenzwerg-Besamungsanlage kaufen müssen. Das klingt Ihnen zu unrealistisch – genau wie die Empfehlungen dieses Experten, der Lemminge zum gemeinsamen Klippenabsturz antrainiert.
Der A.M. Fix tendierte mit einem Plus von $39, der P.M. Fix unverändert und der COMEX-Schluss mit einem Minus von $37. Das sieht mathematisch nach einer symmetrischen Funktion mit dem Wendepunkt um den P.M. aus. Das Gold-Kartell liebt anscheinend solche besonders auffälligen Muster, um seine Macht zu demonstrieren.
Natürlich ändert sich dadurch nichts an den fundamental schlechten US-Daten. Und so wird auch diese Goldpreis-Drückung nachträglich höchstens als ein gewonnenes Scharmützel bewertet werden – aber keinesfalls als eine gewonnene Schlacht. Und schon gar nicht als ein gewonnener Krieg.
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