Die Ukrainer sollten dann nach der Niederlage der verbündeten Schweden und Kosaken 1709 in der Schlacht von Poltawa Russland untertan sein. Bis 1922 ausgerechnet der Revolutionsführer Lenin die Ukraine in Form einer Sowjetrepublik endgültig "wiederbelebte".
Zunächst war es nicht Lenin, sondern es waren die Ukrainer, die nach dem Sturz des Zaren und der Machtergreifung der Bolschewiki im Januar 1918 in Kiew die unabhängige Ukrainische Volksrepublik ausriefen – die sowohl von der Roten Armee als auch von konterrevolutionären "Weißen" bekämpft worden ist. Der Großteil der Ukraine ist dann als Ukrainische Sowjetrepublik Teil der Sowjetunion geworden. Zum ersten Mal ist die ukrainische Nation damals von Russland offiziell anerkannt worden, die ukrainische Sprache und Kultur fanden in den 1920er-Jahren Förderung.
Womit allerdings weder der spätere sowjetische Diktator Josef Stalin noch Wladimir Putin einverstanden waren.
Putin gibt heute Lenin die Schuld: Dieser habe die ukrainische Nation "erfunden" und der Ukraine mittels "verbrecherischer Grenzen" 1922 überhaupt erst zur Existenz verholfen. Und damit Russland geschadet. Stalin wiederum misstraute der Ukraine bereits seit langer Zeit – und ergriff seit 1930 brutale Maßnahmen. Die schlimmste war die absichtlich herbeigeführte Hungersnot von 1932/1933, in der Ukraine Holodomor genannt, die circa vier Millionen Ukrainerinnen und Ukrainern das Leben kostete. Auch andere Ethnien litten unter der Hungersnot, aber keine Gruppe derart wie die Ukrainer.
Stalin praktizierte also einen Massenmord, um die Ukraine zu "disziplinieren".
Richtig. Es ist diese ungeheure Gewalterfahrung, die die Geschichte der Ukraine im 20. Jahrhundert kennzeichnet. Mehr als 14 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer starben zwischen 1914 und 1945 einen gewaltsam herbeigeführten Tod: im Russischen Bürgerkrieg, dem Holodomor, dem Stalinschen Terror und zwei Weltkriegen. Diese Gewalterfahrung ist im kollektiven Gedächtnis der Ukrainer tief verankert, und sie wird heute durch den brutalen Angriffskrieg Russlands wiederbelebt.
Josef Stalin: Der sowjetische Diktator löste eine gewaltige Hungersnot in der Ukraine aus.
Josef Stalin: Der sowjetische Diktator löste eine gewaltige Hungersnot in der Ukraine aus. (Quelle: ullstein-bild)
Seit 1941 war die Ukraine einer der Hauptschauplätze des Zweiten Weltkriegs. Diese Tatsache ist vielleicht in der bundesdeutschen Öffentlichkeit heute nicht ausreichend publik.
Dieser Krieg war für den westlichen Teil der Sowjetunion mit ungeheuren Opfern verbunden. In der westlichen Betrachtungsweise des Zweiten Weltkriegs herrscht allerdings ein Denkfehler vor – und zwar die Vorstellung, dass lediglich die Russen die Befreier vom Nationalsozialismus gewesen seien. Dem Kreml ist diese Sicht auf den Zweiten Weltkrieg bis heute nicht unrecht. Tatsächlich aber kämpften Menschen zahlreicher Nationen der Sowjetunion gegen die Nationalsozialisten. Besonders den Ukrainern als zweitgrößte Nationalität kommt ein großes Verdienst am Ende des "Dritten Reichs" zu.
www.t-online.de/nachrichten/ausland/...-hass-auf-ukraine.html