reportage.spektrum.de/waechter-der-suempfe#323101
Demnach schwächte sich, als der Nagawha-Kauri wenige hundert Jahre alt war, das Magnetfeld der Erde dramatisch ab. Gleichzeitig trat die Sonne in eine periodische, jahrhundertelange Ruhephase mit viel weniger Sonnenflecken und geringerer Energieabgabe ein, ein sogenanntes großes solares Minimum. In dieser Phase wurde der Sonnenwind und das solare Magnetfeld schwächer, die der Erde als Schutzschild gegen die kosmische Strahlung dienen. So war die Erdatmosphäre einige hundert Jahre lang schlecht geschützt und wurde mit ionisierenden Teilchen aus dem Weltraum bombardiert. Wahrscheinlich wüteten Blitze, Polarlichter säumten selbst gemäßigte Breiten und die Wetterlage war extrem wechselhaft. Das muss ziemlich irre gewesen sein, sagte Cooper. Der Ngawha-Kauri hat all das durchlebt. In den drauf folgenden paar Jahrhunderten wuchsen die Eisdecken in Nordamerika rasch, während das Klima in Australien trockener wurde und die Seen im Landesinneren verschwanden. Diese Veränderung lief übrigens mehr als 10000 Jahren nach der Ankunft des modernen Menschen auf dem Kontinent ab. Cooper vermutet, dass in der Zeit des solaren Minimums auch zahlreiche Arten der australischen Megafauna aus-starben, etwa das riesige, wombatähnliche Diprotodon. Demnach sind nicht allein Menschen für das Verschwinden der Arten verantwortlich; wahrscheinlich mussten sie bloß an den austrocknenden Wasserlöchern lauern, um den ohnehin todgeweihten Arten den Rest zu geben.