Historische Romane
George Orwells "Farm der Tiere": Wer sind die Schweine?
Im Roman "Animal Farm" rechnet Orwell mit der sowjetischen Revolution ab. Seine Parabel auf die Macht erschien vor 75 Jahren - und ist aktueller denn je.
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Schöne neue Welt? Was künstlerische Dystopien über unsere Zukunft verraten
Aldous Huxley: "Schöne neue Welt" (1932)
Anders als Utopien beschreiben Dystopien die Zukunft eher bedrohlich. Als Begleiterscheinung der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert wenden sie sich gegen die Technik- und Fortschrittsgläubigkeit jener Zeit. Wie Orwell mit "1984" schuf auch Aldous Huxley bereits 1932 mit "Brave New World" ("Schöne Neue Welt") eine Dystopie, die bis heute für die Schrecken totalitärer Herrschaft steht.
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Der Roman spielt auf einem Bauernhof: "Mr. Jones von der Herrenfarm hatte die Hühnerställe zur Nacht zugesperrt, war aber zu betrunken, um auch noch daran zu denken, die Schlupflöcher dicht zu machen."
Mit einfachen Worten beginnt Orwell (1903 - 1950), der eigentlich Eric Arthur Blair hieß, seine Geschichte über die Tiere der Farm, die eine Revolution gegen ihren ausbeuterischen Besitzer planen.
Dass "Farm der Tiere" zum Klassiker der politischen Literatur avancieren würde, konnte der Meister der Gesellschaftskritik nicht ahnen. Orwell schrieb das Buch Ende 1943 und Anfang 1944.
Im heimatlichen Großbritannien fand er erst keinen Verleger: Denn was zunächst wie eine harmlose Kindergeschichte daherkommt, ist in Wahrheit eine grimmige Satire und eine knallharte Anklage gegen Stalins Diktatur in der Sowjetunion.
Und weil die Sowjetunion im damals noch andauernden Zweiten Weltkrieg Großbritanniens Verbündeter gegen Nazi-Deutschland war, schien die Veröffentlichung einer solchen Geschichte politisch nicht opportun. 1945 konnte "Animal Farm" nach Kriegsende schließlich doch erscheinen.
Einige Tiere sind gleicher als die anderen
Und was erzählt die Fabel? Der alte und angesehene Eber Old Major öffnet den Tieren auf der "Herrenfarm" vom unfähigen und ständig betrunkenen Bauern Mr. Jones mit einer eindrücklichen Rede die Augen: Er brandmarkt den Menschen als Ausbeuter. Die Peiniger müssten durch eine Revolution vertrieben werden. Aber er warnt auch davor, nach der Revolution selbst zu Menschen zu werden: "Alle Tiere seien gleich, unabhängig von ihrer Stärke oder ihrer Intelligenz."
Als Old Major kurz darauf stirbt, nutzen die Tiere die Gelegenheit, Bauer Jones von der Farm zu vertreiben - unter der Führung der Schweine Napoleon und Schneeball. Zunächst übernehmen alle Tiere gemeinsam die Farm und alles wird besser: Die Tiere schuften hart, weil sie für sich selbst arbeiten und sind untereinander solidarisch. Die "Herrenfarm" wird in "Farm der Tiere" umbenannt.
Doch die schlauen Schweine reißen bald das Kommando an sich und bauen ihre Vormachtstellung nach und nach zur Diktatur aus, die alles in den Schatten stellt, was die Tiere eigentlich abschütteln wollten. Ihre Macht rechtfertigen die Schweine mit der Parole: "Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als die anderen."
Kapitalismus gegen Sozialismus
Die Unterschiede zwischen den Menschen und den Schweinen als Herrscher verschwimmen am Ende des Romans - auch optisch. Die anderen Tiere auf dem Hof können nicht mehr erkennen, wer Mensch und wer Schwein ist - wer Kapitalist und wer Sozialist.
"Animal Farm", wie das Buch im englischem Original heißt, schildert den Verlauf einer Revolution, die scheitern muss. Denn Revolutionen, so meinte Orwell, können zwar Macht verschieben. Die gesellschaftlichen Grundstrukturen aber bleiben unangetastet: Wenige Mächtige beuten viele Rechtlose aus.......
www.dw.com/de/...m-der-tiere-wer-sind-die-schweine/a-54566528