«Und die über den Kredit einer Nation verfügen lenken deren Politik und haben das Schicksal des Volkes in der Hand.» (Reginald McKenna, ehemaliger Vorsitzender der Midlands Bank of England)
Am Anfang der Geschichte steht Geld. Viel Geld. Insgesamt 36 Billionen Dollar. Es sind die Ersparnisse von Versicherungen, öffentlich rechtlichen Körperschaften, Banken, Unternehmen und Privatanlegern aus aller Welt; darunter auch Länder, die plötzlich reich geworden sind, wie Indien, China und Saudi-Arabien. Sie alle sind auf der Suche nach einer lukrativen Kapitalanlage, oder anders ausgedrückt, nach einem solventen Schuldner – denn Geld vermehrt sich bekanntlich nur, indem es teuer verliehen wird.
Zu den interessantesten Schuldnern zählt der US-amerikanische Staat – auch wenn die USA als der größte Schuldner der Welt bekannt sind und der US-Dollar mit Aufhebung der Golddeckung im Jahre 1973 eine ungedeckte Währung ist. US-Staatobligationen, also die Schuldverschreibungen der USA, gehören zu den beliebtesten Anlagen, da sie bei geringem Risiko eine passable Rendite in Höhe des US-Leitzinses versprechen. Zielstrebig steuern die Investoren daher die USA als sichersten Renditehafen der Welt an.
Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt aber senkt Allan Greenspan, Chef der US-Notenbank «Federal Reserve», den US-Leitzins von 6,5 auf 1 Prozent. Er muss dringend den Konsum durch billige Verbraucherkredite ankurbeln – zur Stärkung der krisengeschüttelten Märkte, die seit dem Platzen der New Economy Blase und dem 11. September 2001 nicht mehr richtig in Fahrt kommen wollen.
Während die Investoren auf immer mehr Geld sitzen, erteilt Greenspan ihnen mit der Senkung des Leitzinses eine klare Absage. Knapp 40 Billionen Dollar wissen zu diesem Zeitpunkt nicht wohin. Und täglich wird es mehr Geld, dem immer weniger Anlagemöglichkeiten gegenüber stehen. Denn in Aktien oder Firmenanleihen will keiner so richtig investieren; sie gelten in diesen unsicheren Zeiten als riskant und wenig lukrativ. Gesucht wird eine gewinnbringende und zugleich sichere Kapitalanlage.
Hilfe versprechen die großen Investmentbanken der New Yorker Wallstreet. Seit Jahren schon erzielen Banken wie Goldman Sachs, JP Morgan, Merrill Lynch, Morgan Stanley und Lehman Brothers erfolgreich Gewinne mit dem Verkauf von Anteilen an Immobilienkrediten – im Fachjargon «Mortgaged Backed Securities», kurz MBS oder zu Deutsch: hypothekenbesicherte Wertpapiere.
Und genau diese Banken versprechen den Investoren nun mit den MBS eine topsichere Wertanlage und wittern dabei selbst das große Geschäft. Schließlich stehen hinter diesen Wertpapieren Häuser, Wohnungen und große Bauvorhaben, deren Preise nur eine Richtung kennen: nach oben.
Weltweit steigen Geldhäuser und Finanzinvestoren wie die Deutsche Bank, die Schweizer UBS, die französische Crédit Agricole, die britische Royal Bank of Scotland, die japanische Mizuho-Gruppe mit ein in das Boot – fest im Visier der US-Immobilienmarkt, der sich nun zu einer gefährlichen Spekulationsblase aufbläht. Ein Markt mit Millionen von US-Amerikanern, die dank des niedrigen Leitzinsens bereitwillig immer mehr und vor allem immer höhere Kredite zur Erfüllung ihres «American Dreams» beantragen.
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