8. Financial Doom: Der endgültige Zusammenbruch der Finanzmärkte
Das Szenario: Der Euro zerfällt nach vielen Jahren vergeblicher Bemühungen, ihn zu retten. Dies sendet eine Schockwelle in die Finanzmärkte der ganzen Welt. Obwohl Amerika den Goldstandard wieder einführt, gelingt es nicht, das amerikanische Bankensystem zu retten, da auch die amerikanische Verschuldung durch die Decke geht. Eine Mischung aus Deflation und Hyperinflation zerstört das Währungsgefüge, auch Chinas Ökonomie kollabiert in einer Blase. Handelskriege brechen aus, und der globale Kapitalmarkt trocknet aus, weil sich das Kapital aus allen Überseeländern zurückzieht. Tausende von regionalen Währungen entstehen, die Welt wird wieder in autonome Länder und Regionen zerteilt.
Die Kaskade: Wie fragil ist das globale Bankensystem? Die Geschichte hat bereits eine Teilauskunft gegeben: Unter bestimmten Voraussetzungen ist der Kapitalstrom hochriskant. Finanzmärkte neigen zur zyklischen Überhitzung, die Gesellschaften, die davon betroffen sind, zur panikhaften Hysterie. Wenn Menschen Angst haben, erzeugen sie erst den wahren Crash – durch Bankruns und Panikverkäufe. Im Zeitalter der Globalisierung sind die dann folgenden Krisen nicht mehr regional und können auf alle Wirtschaftssysteme übergreifen.
Der Resilienzfaktor: Die Kapitalmärkte haben inzwischen selbst am meisten Angst vor der nächsten Krise – und werden sich verändern. Das Spektrum reicht von Verzögerungstechniken, die das Handeln in Echtzeit behindern, über Transaktionssteuern bis zur Zerschlagung von Großbanken. Die kurzfristige Zähmung der Bestie wird jedoch nicht lange anhalten. Die gewaltigen globalen Wirtschaftsentwicklungen, die in den nächsten Jahrzehnten zum größten langzyklischen Boom führen werden, werden erneut riesige Massen von Kapital in die Märkte spülen. Blasenbildung ist so alt wie das Finanzsystem selbst – und wohl unauflöslich mit ihm verbunden. Allerdings gibt es auch hier Autonomisierungsprozesse, die das ganze System stabilisieren können. In Zukunft könnte dies in einer Kombination aus Erst- und Zweitwährungen bestehen – einer offiziellen Währung steht eine regionale „Gebrauchswährung“ gegenüber, die womöglich auf Kaurimuscheln oder Goldindex basiert. Menschen sind erfinderisch. Märkte reagieren spontan. Besonders wenn es sich um jene Ressource handelt, die die Welt regiert wie keine andere. Das Geld.
Zukunftsinstitut, 12/2012
www.zukunftsinstitut.de/artikel/y-events/...tische-szenarien/