News - 16.04.07 21:22
Teilverkauf macht Chrysler attraktiver
Mit dem Angebot, eine Minderheit an Chrysler zu behalten, könnte DaimlerChrysler den Verkaufsprozess für die angeschlagene US-Sparte beschleunigen. Teuer sind vor allem die Versicherungen der Chrysler-Mitarbeiter.
"Dadurch wäre ein Verkauf leichter und schneller zu erreichen, weil ein Investor nicht alleine die hohen Belastungen für Renten und Krankenversicherungen der Chrysler -Mitarbeiter tragen müsste", sagt Jürgen Pieper, Analyst vom Bankhaus Metzler.
Neben der Absicherung dieser von Dresdner Kleinwort auf 14,1 Mrd. Euro geschätzten Belastungen suchen Chrysler-Bieter zudem Wege, das Risiko zu senken, falls die laufende Chrysler-Sanierung nicht greift. Auch deshalb könnten Interessenten einfordern, dass Daimler investiert bleibt, meint Robert Heberger von der Investmentbank Merck Finck. "Eine Restbeteiligung an Chrysler wäre dann der saure Apfel, in den Daimler beißen muss", sagt der Analyst. Die Minderheitsbeteiligung könnte bei 10 bis 20 Prozent liegen.
DaimlerChrysler -Chef Dieter Zetsche lässt derzeit seinen Strategievorstand Rüdiger Grube über einen möglichen Chrysler-Verkauf verhandeln. Die Investmentfirma Tracinda des US-Milliardärs Kirk Kerkorian bietet 4,5 Mrd. $ in bar. Auch der kanadische Autozulieferer Magna hat Interesse an Chrysler bekundet und angedeutet, die Tracinda-Offerte in einem Konsortium mit dem kanadischen Beteiligungskonzern Onex zu überbieten. Zudem gelten die Finanzinvestoren Cerberus und Blackstone als Bieter für Chrysler. Der Stuttgarter Autokonzern bestätigt Verkaufsgespräche, nennt aber keine Namen und äußert sich nicht zum Stand der Verhandlungen. Seit Wochen wiederholen Firmensprecher, dass für Chrysler alle Optionen offen seien.
Bericht über Zetsches "Geheimplan"
In Branchenkreisen wird bereits seit Längerem gemutmaßt, ein möglicher Chrysler-Käufer könne wegen der hohen Gesundheitskosten darauf bestehen, dass Daimler einen Anteil an Chrysler behält. Dieses Szenario wurde jetzt vom Nachrichtenmagazin "Spiegel" als Zetsches "Geheimplan" bezeichnet.
Für den Konzern hätte eine Chrysler-Beteiligung den Vorteil, dass die Deutschen weiterhin Einfluss auf die zwischen Mercedes und Chrysler laufenden Projekte nehmen könnten, bei denen beispielsweise Teile wie Türschlösser, Achsaufhängungen oder Sicherheitsgurte gemeinsam verbaut und entwickelt werden. Zudem sparen Mercedes und Chrysler durch einen gebündelten Einkauf.
Analysten halten operative Überlegungen allerdings nicht für das vorrangig entscheidende Kriterium. Schließlich können Kooperationen auch vertraglich abgesichert und weitergeführt werden. Vielmehr wären verkaufstaktische Zwänge für ein teilweises Festhalten an Chrysler entscheidend. "Die Idee, dass Daimler weiter an Chrysler beteiligt bleibt, öffnet dem Konzern mehr Optionen in den Verkaufsverhandlungen", sagt Albrecht Denninghoff von der Commerzbank. Ein möglicher Käufer läuft dadurch nicht Gefahr, irgendwann alleine mit einem Scherbenhaufen dazustehen.
Für den Konzern sei ein Komplettverkauf dagegen die einfachere Lösung, meint Denninghoff. "Und wenn der Preis stimmt, wäre das auch die Traumversion", meint der Analyst. Ein guter Preis sei aber nur schwer durchsetzbar, weil die Bieter wissen, dass der Konzern Chrysler abstoßen will. In Finanzkreisen war bisher ein Verkaufspreis von bis zu 9 Mrd. Euro genannt worden. Allerdings blieb dabei unklar, wie die Gesundheitskosten bei einer derartigen Offerte verrechnet sind.
Ein zusätzliches Szenario, dass in der Branche gehandelt wird, sieht vor, dass Daimler lediglich das Chrysler-Autogeschäft ohne die Finanzierungsparte verkauft. Denn eine Vereinbarung, die Daimler exklusiv das Geschäft mit Chrysler-Autofinanzierungen sichert, könnte für den Konzern lukrativ sein. "Dann könnte Daimler auch einen niedrigen Kaufpreis akzeptieren", vermutet Denninghoff.
Zumal der Konzern zusammen mit dem Finanzierungsgeschäft für die Marke Mercedes und die Lkw-Sparte hohe Einsparungen erzielen kann. Das Finanzierungsgeschäft ist für DaimlerChrysler hoch profitabel. 2006 machte die Sparte konzernweit einen operativen Gewinn von1,7 Mrd. Euro.
Von Oliver Wihofszki (Stuttgart) und Kristina Spiller (Hamburg)
Quelle: Financial Times Deutschland