Weitere Verzögerung nicht ausgeschlossen
Vestas-Chef Ditlev Engel gibt sich zerknirscht: "Auch wenn wir die Risiken im Blick hatten, die auftreten, wenn ein Großteil des Umsatzes zum Ende des Jahres generiert wird, bedauere ich sehr, dass wir gezwungen waren diese unbefriedigende Entscheidung zu fallen." Aus Gründen der Sicherheit und Qualität wäre es unverantwortlich gewesen, das Projekt zu beschleunigen.
Es werde nun im kommenden Jahr fertiggestellt. Die Gewinne in Travemünde könnten trotzdem weiter befriedigend sein, so Engel. Doch sind auch weitere Verzögerungen in dem neuen Werk nicht auszuschließen.
Sind da noch andere Probleme?
Analysten sind entsetzt. DZ-Bank-Analyst Sven Kürten bezeichnete die Vestas-Gewinnwarnung als "schwerwiegend". Auch das Quartalsergebnis habe deutlich unter seinen Erwartungen gelegen. Er werde daher seine Einstufung und den von ihm als fair betrachteten Wert der Aktie überprüfen.
Der größte Teil der Einbußen beim operativen Ergebnis scheine zwar ein Timing-Problem zu sein, schrieb Analyst Mark Freshney von Credit Suisse. Der Windkraftanlagenbauer habe sich neben Produktionsproblemen am neuen Standort aber andere Gründe als Hintertür offen gelassen. Freshney senkte entsprechend seine Prognosen im Bewertungsmodell. Sein Votum blieb "Underperform" mit einem Kursziel von 95,00 dänischen Kronen.
Sebastian Growe von der Commerzbank stellte gar die Verzögerung in Travemünde als einzige Begründung angesichts der Dimension der Gewinnwarnung in Frage. Dies sei sehr schwer nachvollziehen, so der Experte, der die neue Ebit-Schätzung nun um rund 20 Prozent unter seiner und gar um 40 Prozent unter der Konsensschätzung sieht. Die Gewinnwarnung unterstreiche zudem seine vorsichtige Einschätzung für 2012. Hier habe der Marktkonsens ein Korrekturpotenzial um etwa 15 Prozent nach unten. Growe stuft die Vestas-Aktie beim Kursziel von 120 Kronen mit "Hold" ein.
Vielleicht bringt der 9. November mehr Licht in die Sache. Dann wird Vestas ausführlich über das dritte Quartal berichten.