Kommunikator des Niedergangs
Roland Flach bleibt im Amt. Auch nach der Verschmelzung von WCM und Klöckner wird er nach eigenen Angaben Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, das dann aber den Namen Klöckner tragen wird, bleiben. Dabei kann er nicht gerade eine Erfolgsgeschichte vorweisen.
Nach Jahren des Erfolgs setzte bei WCM 2002 ein Niedergang ein, der nun in der völligen Dekonstruktion des Unternehmens mündet. Sogar vom früheren Geschäftsmodell - eine Immobiliensparte mit stetigen, fast risikofreien Erträgen und ein Beteiligungsgeschäft mit hohem Risiko und entsprechenden Renditen - hat man sich verabschieden müssen. Zuletzt ging es um nichts als das Überleben des Unternehmens. Warum die WCM trotz spektakulärer und nachhaltiger Talfahrt weiter an ihrem Vorstandschef festhielt und -hält, liegt neben seinem nun erzielten Sanierungserfolg möglicherweise an dessen Kommunikationsfähigkeiten. Früher, als es dem Unternehmen noch gutging, war seine Aufgabe im wesentlichen, der Öffentlichkeit das wenig transparente und für deutsche Verhältnisse ungewöhnliche Geschäftsmodell näherzubringen. Gerade den Kapitalmarkt galt es zu überzeugen, der das Modell mit Konglomeratabschlägen würdigte.
In der jüngeren krisenhaften Vergangenheit änderten sich Flachs Aufgaben, und auch dafür war er gewappnet. Dem gebürtigen Sauerländer ist beispielsweise in besonderem Maße die Fähigkeit gegeben, Entscheidungen, die einander im Zeitablauf offenkundig widersprechen, mit gleichbleibender Überzeugungskraft nach außen zu vertreten. Gut beherrscht er auch das wiederkehrende Ankündigen von positiven Ereignissen wie beispielsweise dem Eintritt großer Investoren oder dem Überspringen der Gewinnschwelle, auch wenn diese dann regelmäßig nicht eintreten.
Auch aus anderen Gründen war Flach bei der WCM in ihrem zuletzt gesehenen Zustand gut aufgehoben. Er vermag strikt zwischen Arbeit und Privatem zu trennen; Beschimpfungen von verärgerten Aktionären, die Auszeichnung zum Geldverbrenner des Jahres 2003, die ihm ein Wirtschaftsmagazin verlieh - all das ficht ihn nicht wirklich an. So tritt er auch im privaten Zwiegespräch freundlich-zurückhaltend auf, öffentliche Auftritte bestreitet er dagegen mit um so stärkerer Vehemenz.
Den Niedergang der WCM allein Flach anzulasten wäre zudem völlig falsch. In den nunmehr sechs Jahren Tätigkeit für die WCM durfte der Vorstandschef vielmehr nie so walten, wie er wollte. In guten Zeiten saß ihm der Großaktionär Karl Ehlerding im Nacken, in schlechten bestimmten die kreditgebenden Banken Teile der Geschäftspolitik, und seit rund einem Jahr hat er es mit Dieter Vogel zu tun, einem starken Aufsichtsrat. Zudem geriet die WCM wegen ihres Geschäftsmodells mehrfach in den Blick mehr oder minder seriöser Finanzjongleure, was teilweise fatale Folgen mindestens für den Aktienkurs des Unternehmens hatte. Mit dem nun vollzogenen Umbau des Konzerns werden sich Flachs Aufgaben erneut ändern, und das scheint sehr in seinem Sinne zu sein. Selten sah man den WCM-Vorstandschef derart entspannt und aufgeräumt wie bei der Verkündigung des Umbaus.
Zur WCM war Flach Ende 1998 gestoßen, als das Unternehmen die Nürnberger Bund AG übernahm, deren Vorstand er damals angehörte. Zuvor hatte er Karriere im Handel gemacht. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem Trainee-Programm bei Horten arbeitete er als Generalbevollmächtigter eines großen technischen Kaufhauses in Offenbach. Kurz vor dessen Konkurs war Flach bereits zu Neckermann gewechselt. Nach einer Station bei Hertie, wo er für Strategiefragen zuständig war, machte sich Flach mit Gründung der Handelskette "Sound & Technik" selbständig, die er mit einigem Gewinn verkaufte. Seit 1999 ist er Vorstandsmitglied der WCM, seit 2001 Vorstandsvorsitzender. Der Vertrag ist bis 2007 datiert. Er wird ihn wohl erfüllen.
RALF NÖCKER
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2004, Nr. 283 / Seite 18
MfG kiiwii


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