Was will Iraks Diktator Saddam Hussein wirklich?


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PRAWDA:

Was will Iraks Diktator Saddam Hussein wirklich?

 
08.04.02 16:14
Iraks Diktator Saddam Hussein (64) steht mit dem Rücken zur Wand. Sein Volk hungert, ein Militärschlag von Amerikanern und Briten droht. Jetzt zieht der Irre von Bagdad die Öl-Waffe – will die westliche Welt über den Benzinpreis in die Knie zwingen.

In einer im arabischen Fernsehsender „El Dschasira“ übertragenen Rede kündigte Hussein einen sofortigen Stopp der irakischen Ölexporte an. Einen Monat lang. Am Mittag wurden dann die Pipelines in alle Welt dicht gemacht.


Saddam Hussein kündigt im Fernsehen den Öl-Stopp an
Der Irak exportierte zuletzt 2 Millionen Barrel täglich, das ist ein Anteil von 4 Prozent des Welthandels.

Was will Hussein bezwecken?

Offiziell soll Israel zum Ende der Militäroffensive gegen die Palästinenser gezwungen werden. Doch in seiner Rede spricht Saddam vor allem von seinen Erz-Feinden, den Amerikanern. In Wirklichkeit will er sie und ihre Verbündeten mit der Öl-Waffe vor einem Militärschlag gegen den Irak warnen!

Direkt nach der Saddam-Rede schoss der Öl-Preis nach oben. Ein Barrel (rund 159 Liter) kostete 27,35 Dollar (31,13 Euro). Noch am Freitag war ein Barrel für 25,99 Dollar zu haben.

Müssen wir jetzt höhere Benzin-Preise fürchten?

Experten rechnen bereits mit einen Preis-Anstieg bis zu 40 Dollar je Barrel. Denn auch Libyen und ausgerechnet Saddams Ex-Todfeind Iran drohen mit Export-Stopp.

Die Drohung des Diktators - die meisten Öl-Staaten lässt sie kalt. Ein Opec-Delegierter erklärte, man nehme Saddam Husseins Export-Stopp nicht ernst, es gebe auch keine Pläne für die Anhebung der Produktion um irakische Ausfälle auszugleichen: "Wir sehen den irakischen Liefer-Ausfall nicht als großen Verlust für die Märkte."

Bitter: Die irakischen Erdölexporte wurden von der UNO nur genehmigt, damit dringend benötigte Lebensmittel und Medikamente besorgt werden können. Der wahnsinnige Diktator spielt sich auf, seinem Volk droht eine neue Katastrophe.

 
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Dr.UdoBroem.:

Illegitimer Krieg ohne Perspektive

 
08.04.02 17:12
Aus der FTD vom 21.3.2002

                    Kommentar: Illegitimer Krieg ohne Perspektive
                    Von Thomas Hanke

                    Ein Angriff auf Irak ist unter den heutigen Bedingungen nicht zu rechtfertigen
                    und aussichtslos.

                    Die Entscheidung über einen Feldzug gegen Irak rückt offenbar näher: Die
                    US-Regierung intensiviert ihre psychologische Vorbereitung eines Krieges. Die
                    Europäer werden bald klar Position beziehen müssen.

                    Statt sich wie auf dem EU-Gipfel in Barcelona davor zu drücken, sollten sie der
                    Regierung Bush mit deutlichen Worten abraten. Ein Krieg gegen Irak ist jetzt nicht zu
                    rechtfertigen. Er ordnet sich nicht in ein schlüssiges politisches Konzept ein und es
                    gibt dafür keine überzeugende militärische Planung.

                    Kein Zweifel: Saddam Hussein strebt danach, Massenvernichtungswaffen zu besitzen.

                    In die Öffentlichkeit sind bislang aber keine Erkenntnisse darüber gelangt, wie weit ihm
                    dies schon gelungen ist. Seine A-, B- und C-Waffenprogramme sind durch die
                    UN-Kontrolleure geschwächt worden, bevor er diese 1998 aus dem Land getrieben hat.

                    Ende 1998 schrieben die Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Agentur: "Es
                    gibt keine Anzeichen dafür, dass in Irak noch Kapazitäten für die Erzeugung von
                    waffenfähigem Nuklearmaterial verbleiben, die irgendeine praktische Bedeutung
                    hätten." Hat sich das in der Zwischenzeit signifikant verändert? Auf den bloßen
                    Verdacht hin kann niemand einen Angriff starten.

                    Verschwommene Ziele

                    Fraglich ist, wen Saddam mit Massenvernichtungswaffen bedrohen würde. Der
                    irakische Diktator ist skrupellos, aber er rennt nicht in sein Verderben. Teile seiner
                    schutzlosen kurdischen Bevölkerung hat er mit chemischen Waffen getötet. Im
                    Golfkrieg hätte er Giftgas einsetzen können, schreckte aber davor zurück - aus Angst
                    vor der Reaktion. Ein Krieg mit dem erklärten Ziel, ihn zu beseitigen, könnte seine
                    letzte rationale Hemmschwelle vor dem Einsatz von B- oder C-Waffen beseitigen.

                    Selbst wenn man Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ansieht, muss
                    man nachweisen, dass eine durchdachte Politik mit militärischen Mitteln weitergeführt
                    wird. Doch das politische Szenario für einen Irak-Krieg und für die Perspektive danach
                    ist völlig verschwommen.

                    US-Vizepräsident Dick Cheney hat von seiner Rundreise durch den Nahen und
                    Mittleren Osten den Widerstand der arabischen Länder mitgenommen. Diese Reaktion
                    als bloße Rhetorik abzutun, wäre ein Irrtum. Fast alle arabischen Länder sind gegen
                    einen starken Saddam, aber ebenfalls gegen einen Krieg, weil sie nichts zu gewinnen
                    haben. Die Zerschlagung Iraks lehnen sie ebenso ab wie das - ohnehin illusionäre - Ziel
                    eines demokratischen Modellstaats Irak unter neuer Führung.

Die wichtigsten Gegner der USA in der Region, Iran und Syrien, sind die einzigen, die  von einem Krieg profitieren könnten - falls Irak in die Teile zerfällt, aus denen er geschaffen wurde: kurdische Nordprovinz, sunnitisches Zentrum und schiitischer Süden.

                    Iran würde ein Auge auf den Süden werfen, Syrien auf das Zentrum. Ein unabhängiger
                    Kurdenstaat im Norden würde dagegen die Türkei destabilisieren. Schon wegen dieser
                    Gefahr müssen die Europäer gegen einen Krieg mit ungewissem Ausgang sein.


                    USA könnten einknicken

                    Einen militärischen Erfolg gäbe es nur, wenn große Teile der irakischen Bevölkerung
                    ihre Furcht vor Saddams Rache überwänden und die USA unterstützten. Dazu haben
                    sie kaum Anlass: Die USA haben nach dem Golfkrieg Kurden und Schiiten fallen und
                    von Saddam abschlachten lassen. "Das Weiße Haus hat die Aufstände nicht
                    unterstützt, weil es fürchtete, der Zerfall Iraks könnte die gesamte Region
                    destabilisieren", schreibt Mark Strauss in der neuesten Ausgabe von Foreign Policy.
                    Zutrauen wäre allenfalls dann zu gewinnen, wenn die US-Regierung beweisen könnte,
                    dass sie den Krieg gegen Saddam unweigerlich bis zum Ende, bis zu seinem Sturz
                    treibt.

                    Genau diesen Beweis kann keine amerikanische Regierung führen. Wenn manche
                    Bush-Berater heute sagen, eine gewisse Zahl amerikanischer Gefallener werde man
                    eben hinnehmen, ist das leichtfertiges Gerede. Wie viele tote Soldaten können die
                    USA verkraften, ehe sie die Attacke abblasen? In Somalia reichten 39 Opfer, damit die
                    US-Truppen fluchtartig das Land verließen.

                    Schon heute steht die amerikanische Bevölkerung nur sehr bedingt hinter einem
                    möglichen Krieg: Für die Mehrzahl der Befürworter kommt ein Militärschlag nur in
                    Frage, wenn die USA in einer geschlossenen Allianz agieren - die es nicht gibt.

                    Der Krieg ist auch deshalb nicht in aller Härte zu führen, weil er zu einem Blutbad unter
                    der Zivilbevölkerung führen würde. Saddam ist schlau und ruchlos genug, um die
                    Schlacht in den Städten zu schlagen. Er würde seine eigene Bevölkerung als Geisel
                    nehmen und seinen Soldaten befehlen, sich mitten in den Wohngebieten zu
                    verschanzen.

                    Und dann? Nehmen die USA Tausende Tote in Kauf, mit dem Argument, Irak sei davor
                    gewarnt worden, keine Militäreinrichtungen in der Nähe von Zivilisten aufzubauen?
                    Damit ist glücklicherweise kaum zu rechnen.

                    Manche Deutsche argumentieren auf einer Metaebene für die Unterstützung des
                    Krieges: Nur so lasse sich die transatlantische Beziehung sichern, nur so könne die
                    EU sich geschlossen zeigen. Doch aus einem unsinnigen Krieg wird durch eine gut
                    gemeinte Begründung keine sinnvolle Operation.

Was will Iraks Diktator Saddam Hussein wirklich? 630067
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cap blaubär:

Habt keine Angst um Saddam,

 
08.04.02 17:22
Kenn den Typ der dafür sorgte das die Bunkerdecke ok iss(hat seiner Firma nix genutzt war Phillipp Holzkopf)
blaubärgrüsse
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PRAWDA:

Saddams Öl-Stopp wirft Westen nicht aus der Bahn

 
08.04.02 17:57
16:33 Uhr: Meinung von Thomas Hoch  


  Saddams Öl-Stopp wirft Westen nicht aus der Bahn  

     
Der Zug hat gesessen. Der irakische Präsident Saddam Hussein hat angekündigt die Ölexporte des Landes zunächst für einen Monat auszusetzen. Die Lieferungen sollen erst dann wieder aufgenommen werden, wenn sich Israel aus den Palästinenser-Gebieten zurückgezogen hat. Mit der Boykott-Bekanntmachung hat es Hussein geschafft, den Ölpreis wieder deutlich nach oben zu treiben und die Börsen auf Talfahrt zu schicken. Nüchtern betrachtet, sollte Iraks Ölpolitik indes kaum Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben.   Thomas Hoch  
 


Bei einem Anteil von rund vier Prozent am weltweiten Ölhandel, sollte der Lieferstopp des Irak für die Weltwirtschaft leicht zu verkraften sein, selbst wenn der Irak tatsächlich seine Ankündigung umsetzt. Schon daran bestehen Zweifel. Der Verkauf von Rohöl ist für das Land einer der wichtigsten Einnahmequellen. Bei Licht betrachtet ist die Abhängigkeit Iraks von diesen Deviseneinnahmen weit stärker abhängig, als umgekehrt die westliche Welt vom irakischen Öl.

Nicht umsonst zweifelt auch die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) an der Ernsthaftigkeit des Lieferstopps. Eine größere Bedeutung für die Märkte hat der Boykott jedenfalls nicht. Die heutige Preisanstieg ist wohl vor allem der allgemeinen Verunsicherung der Märkte über die weitere politische Entwicklung in der Krisenregion zuzuschreiben. Der Ölpreis ist momentan ohnehin nach Ansicht von Experten mit einer "Krisen-Prämie" von drei bis vier Dollar je Barrel versehen.

Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hängen damit entscheidend von der Dauer des Konflikts ab. Während die Volkwirte bei ihren Jahresprognosen bislang einen durchschnittlichen Rohölpreis pro Barrel von kaum mehr als 20 Dollar angesetzt hatten, pendelt der Preis für die Marke Brent inzwischen zwischen 26 und 27 Dollar. Kommt es nicht bald zu einer Normalisierung auf dem Ölmarkt, dann sind negative Auswirkungen auf das weltweite Wachstum nicht mehr auszuschließen.  




Dass der Ölpreis eine stark dämpfende Wirkung auf das Wachstum haben kann, konnte im vergangenen Jahr gut beobachtet werden. Nun wäre es übertrieben, den bevorstehenden Konjunkturaufschwung angesichts des Ölpreisanstiegs gänzlich in Frage zu stellen. Der Export-Stopp des Irak sollte sich ohnehin schnell als Fußnote ohne wirkliche Bedeutung entpuppen. Ein Risikofaktor für die Konjunkturentwicklung bleibt der derzeitige Ölpreis aber allemal. An den Börsen können sich nur die Erdölfirmen über die aktuelle Ölpreisentwicklung freuen.

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