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EU-Anleihe: Geld für Irland-Rettung fließt reichlich
06.01.2011 06:04 Uhr
Investoren reißen sich um die erste Anleihe, mit der die EU einen Teil der Hilfen für Dublin finanziert. Mit einer Rendite von 2,5 Prozent hat die EU-Kommission das Papier aber auch relativ ausgestattet. Der Bond soll zur Finanzierung des Hilfspakets für Irland dienen - ein Land, um das die Schweizer Notenbank neuerdings einen Bogen macht.
Frankfurt
Die Europäische Union hat eine wichtige Bewährungsprobe bestanden: Internationale Investoren stellten gestern mehr als genug Geld bereit, um den ersten Teil der Hilfen an das kriselnde Irland zu finanzieren. Die EU-Kommission platzierte problemlos eine Anleihe über fünf Milliarden Euro. Die Investmentbanken Barclays, BNP Paribas, Deutsche Bank und HSBC, die den Verkauf an die Investoren übernahmen, hielten die Auftragsbücher nur eine Dreiviertelstunde offen - und bekamen in dieser Zeit rund 20 Milliarden Euro für die Anleihe angeboten.
EU-Kommission bietet
eine Rendite von 2,5 Prozent
"Der erste Testballon ist erfolgreich gestartet und hat den Boden für die weitere Refinanzierung der Irland-Hilfen bereitet", sagte Analyst David Schnautz von der Commerzbank. Das ist wichtig, denn die EU-Kommission und die neu von den Euro-Ländern gegründete Gesellschaft EFSF brauchen noch viel Geld. Beide zusammen gewähren Irland Kredite über 45 Milliarden Euro - und damit mehr als die Hälfte des insgesamt 85 Milliarden Euro schweren Hilfspakets. Die EU-Kommission will dafür in diesem Jahr Anleihen über bis zu 17,6 Milliarden Euro auflegen, die EFSF plant bis zu 16,5 Milliarden Euro.
Hauptgrund dafür, dass die Anleihe so gut ankam, ist ihre relativ hohe Rendite von rund 2,5 Prozent für eine Laufzeit von fünf Jahren. Damit bietet sie Investoren etwas mehr als bisherige Anleihen der EU-Kommission. Besonders attraktiv ist sie im Vergleich zu deutschen Anleihen. Der Bund platzierte gestern eine Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit zu einer Rendite von knapp 2,9 Prozent. Die Platzierung der EU-Anleihe schmälerte laut Analysten die Nachfrage nach der Bundesanleihe nicht.
"Die Rendite der EU-Anleihe war für Investoren ein attraktiver Appetithappen", urteilt Volkswirt Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. Die EFSF, deren erste Anleihe in den nächsten zwei bis drei Wochen erwartet wird, dürfte nach Ansicht von Commerzbanker Schnautz noch etwas höhere Renditen bieten. Der Grund: Für die Anleihe der EU-Kommission haften alle Staaten vollständig, für die der EFSF nur anteilig. Wenn Irland die Kredite zurückzahlt, machen die europäischen Kreditgeber aber ein gutes Geschäft, denn Dublin berappt für die Kredite mit verschiedenen Laufzeiten einen durchschnittlichen Zins von 5,8 Prozent.
Schweizerische Nationalbank verweigert Annahme irischer Bonds
Das ist aber auch für Irland vergleichsweise günstig: Am Markt verlangen Investoren für ausstehende fünfjährige Irland-Bonds eine Rendite von 7,6 Prozent. Und das Misstrauen wächst täglich weiter: Gestern verkündete die schweizerische Nationalbank SNB, dass sie von Banken keine irischen Anleihen mehr als Sicherheit für kurzlaufende Kredite akzeptiert. Anleihen des seit dem Frühjahr auf separate internationale Kredithilfen angewiesenen Griechenlands können Banken schon seit April nicht mehr bei der Zentralbank in Zürich einreichen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat dagegen schon länger ihre Anforderungen gesenkt und akzeptiert Staatsanleihen der Euro-Länder unabhängig von deren Bonität.
Die EU-Kommission, die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds stehen bereit, um anderen Ländern Kredite aus dem im Mai geschnürten Hilfspaket über 750 Milliarden Euro zu geben. Als Kandidat dafür gilt am Markt Portugal. Für nur sechs Monate laufende Zinspapiere über 500 Millionen Euro bekam Lissabon gestern zwar ebenfalls mehr als genügend Anleger zusammen. Dafür musste das Land aber einen Zins von fast 3,7 Prozent bieten und damit so viel wie noch nie im Zeitalter des Euros.