AUSBLICK: Programm STAR überstrahlt Quartalsbilanz der Deutschen Post
FRANKFURT (dpa-AFX) - Bei der Deutschen Post wird sich die Aufmerksamkeit der Anleger an diesem Donnerstag (31. Oktober) weniger auf die vorgelegten Zahlen als auf das gleichzeitig detailliert vorgestellte Sparprogramm STAR konzentrieren. Mit dem als Wertsteigerungsprogramm bezeichneten Konzept versucht der ehemalige Monopolist die angeordnete Portosenkung und die erzwungene Rückzahlung von Subventionen zu kompensieren. "Star ist die Antwort der Post auf die Portosenkung", urteilt Analyst Nils Machemehl von M.M. Warburg. Wie auch andere Experten erwartet er von dem Post- und Logistikkonzern sinkende Ertragszahlen. Das traditionell schwächste dritte Quartal im Kerngeschäft Brieftransport werde durch das fallende Volumen bei Werbesendungen zusätzlich belastet, so Alastair Gunn von Bear Stearns. Von dpa-AFX befragte Analysten rechnen für das dritte Quartal mit 9,47 Milliarden bis 10,3 Milliarden Euro Umsatz und einem Gewinn je Aktie zwischen 15 und 18 Cent. Im Vorjahreszeitraum hatte die Post bei 8,314 Milliarden Euro Umsatz einen Gewinn je Aktie von 20 Cent erzielt. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Firmenwertabschreibungen (EBITA) soll nach 468 Millionen Euro zwischen 364,8 Millionen und 460 Millionen Euro betragen. UNSICHERHEITSFAKTOR STEUERQUOTE Für die vergangenen neun Monate erwarten die Analysten Einnahmen zwischen 28,8 Milliarden und 29,171 Milliarden Euro. Bei einem EBITA-Ergebnis zwischen 1,73 Millionen und 1,766 Millionen Euro rechnen sie mit einem Gewinn je Anteilsschein zwischen 29 und 32 Cent. Im Vorjahreszeitraum nahm die Post 25,762 Milliarden Euro ein und erzielte ein EBITA-Ergebnis von 1,882 Milliarden Euro und einen Gewinn je Aktie von 1,13 Euro. Als großer Unsicherheitsfaktor könnte sich für die Prognosen die Steuerquote erweisen. Während Analyst Christian Götz von der Landesbank Baden-Württemberg deshalb den Reingewinn gar nicht erst beziffert, rechnet Gunn mit einem Anstieg um 14 Prozentpunkte auf 40 Prozent. KLASSISCHES BRIEFGESCHÄFT ERTRAGSSCHWACH Neben finanziellen Verbesserungen soll das STAR-Programm dem Kurs der "Aktie Gelb" zum Anstieg verhelfen. Eine erfolgreiche Ein- und Durchführung vorausgesetzt, schließt Raymond Maguire von UBS Warburg eine entsprechende Wirkung nicht aus. Jedoch sei STAR zum Erfolg verdammt: Der Vorstand müsse die Finanzmärkte von der Wirksamkeit überzeugen. "Wir glauben, dass das STAR-Projekt von enormer Bedeutung für die Glaubwürdigkeit des Managements ist und den Aktienkurs für die nächsten sechs Monate vorgibt", nimmt der Experte an. Diese Einschätzung teilt auch Mario Kristl von der Helaba: "Allein von den Quartalszahlen sollten keine nennenswerten Impulse auf die Post-Aktie ausgehen." Der Analyst erwartet vom STAR-Programm neben umfangreichen Einsparungen in den Bereichen IT und Einkauf für die kommenden Jahre auch einen Stellenabbau von bis zu 20.000 Arbeitsplätzen. Dies werde überwiegend im Rahmen der natürlichen Fluktuation passieren. "Diese für das Unternehmen positiven Maßnahmen könnten dem Titel vorübergehend Kursauftrieb geben." Nach der Gewinnwarnung des Konzerns im Juli wird das klassische Briefgeschäft laut Prognose von Gunn jene Ertrags-Schwäche aufweisen, die er im gesamten Halbjahr erwartet. Der Rückgang bei Werbesendungen und Presseerzeugnissen drücke auf die Gewinnspanne, noch bevor die angeordnete Portosenkung 2003 eingeführt werde. Für das Logistik-Geschäft erwartet der Experte für das dritte Quartal ein Umsatzplus von 4,8 Prozent, auf Basis der Neunmonatszahlen jedoch ein Minus von 2,4 Prozent. Beim Expressgeschäft erwartet Gunn durch die erstmalige Konsolidierung von DHL fast eine Verdoppelung der Umsätze. Jedoch drücke die Tochter kräftig die Gewinne, da sie durch Umstrukturierungen erst auf Jahressicht rentabel arbeiten werde. Angesichts der Wirtschaftsschwäche in Deutschland ist der Analyst bei der Postbank inzwischen selbst von seinem prognostizierten Quartalswachstum von 1,8 Prozent abgerückt. Potenzial gebe es eher durch Sparmaßnahmen./so/mr/ar
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