E-Books: So gut sind sie wirklich
Von Christian Mascheck
In einem digitalen Buch ist Platz für eine ganze Bibliothek. Die Technik hat jedoch ihre Tücken.
Antiquare und Bücherliebhaber zittern vor dem E-Book, dem elektronischen Pendant zum Buch. Die Industrie versucht mit aller Macht, das neue Medium auch in Deutschland zu etablieren: Seit der letzten Buchmesse in Frankfurt gibt es sogar einen eigenen Förderpreis. Als E-Books werden sperrige Geräte bezeichnet, mit denen man unterwegs digitale Bücher lesen kann.
Der Vorteil: Man hat gleich eine ganze Bibliothek dabei, da im Speicher viele Hundert Bücher Platz finden. Der Nachteil im Vergleich zum herkömmlichen Buch: Fällt das E-Book vom Tisch, ist erst mal Schluss mit der Lektüre. Auf kostspielige Zusatzgeräte können E-Leser allerdings verzichten: Mit einer entsprechenden Software lassen sich die Inhalte auf jedem PC, Laptop oder PDA anzeigen.
Kostenpflichtiger Download
Doch zuvor muss eine Readersoftware installiert werden, sonst verweigert Amazon die Auslieferung. Ärgerlich: Wie schon beim "Browser-Krieg" zwischen Netscape und Microsoft gibt es auch bei der Anzeigesoftware für E-Books zwei Konkurrenzprodukte von Adobe und Microsoft.
Bis jedoch die erste digitale Seite aufgeschlagen werden kann, muss sich der eilige Leser auf eine kleine Odyssee begeben. Seth Godin hat sein neues Buch "The Big Red Fez" ausschließlich als E-Book veröffentlicht. Im Gegensatz zu seinem letzten Band ist der Download jedoch kostenpflichtig und nur über den Online-Buchhändler Amazon.com möglich. Nach der Registrierung bei Amazon steht das E-Book zum einmaligen Download bereit, wenn zuvor der Adobe-E-Book-Reader installiert wurde. Mit einem herkömmlichen Modem dauert der Download 45 Minuten - schnell ist das nicht.
Plattform für Direktmarketing
Das Buch von Internet-Pionier Seth Godin offenbart sehr schnell, dass es ein originär digitales Produkt ist: Etliche Links verweisen auf Internetadressen, die beim Anklicken direkt auf der Arbeitsfläche angezeigt werden. Godin nimmt den Leser mit auf eine Tour kreuz und quer durchs Internet.
Vor allem anhand von schlechten Beispielen demonstriert er Fallen, die jeden Kunden schon weit vor dem Kauf abschrecken. Da wird der Nutzer mit endlosen Formularen traktiert oder muss etliche Zusatzprogramme laden, bevor er überhaupt auf die Einstiegsseite gelangt. Für Godin steht fest: Bei Online-Shops haben die Techniker das Sagen, nicht die Marketingfachleute. Das Internet sei aber vor allem eine Plattform fürs Direktmarketing. Wegen Seth Godins frecher Kommentare und der vielen Bildschirmfotos lässt sich "The Big Red Fez" flüssig und ohne Ermüdungserscheinungen auch am Bildschirm lesen.
Rebecca Saunders’ Porträt des Online-Buchhändlers Amazon entspricht haargenau der gedruckten Ausgabe - Extras gibt es keine. Interessanterweise bietet der E-Book-Händler Ciando die Option, das Buch auch kapitelweise herunterzuladen. So müssen nur die Teile bezahlt werden, die man wirklich lesen will.
Vorreiter Amazon
Obwohl er bis heute keinen Profit macht, gilt Amazon als Paradebeispiel für ein erfolgreiches Unternehmen im Netz: Gründer Jeff Bezos setzt konsequent auf E-Commerce, hält ein ausgezeichnetes Team zusammen und lässt sich nie von seinen Ideen abbringen. Zudem investiert er viel Kapital in den Markennamen, setzt auf lückenlosen Kundenservice und ein starkes Logistiknetzwerk. Mit Hilfe von öffentlichen Statements und Presseberichten hat Saunders die spannende Erfolgsgeschichte der inzwischen bekanntesten Webadresse für Bücher unterhaltsam aufbereitet und mit etlichen Zitaten von und über Jeff Bezos gespickt.
Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Netz der Netze liefert der Sammelband "E-conomy 2.0", herausgegeben von Michael Hutter. Darin kreisen verschiedene Wirtschaftswissenschaftler das Phänomen Internetwirtschaft von zwei Seiten ein: Aus der Sicht der Gesellschaft und aus der Unternehmensperspektive. Dirk Baeker etwa widmet sich in seinem Artikel "Der Klang der Netze" theoretischen Überlegungen zu ganz grundlegender Kommunikation. Für ihn konkurrieren im Netz Parasiten mit Parasiten. Das ist nicht böse gemeint: Denn erst die Parasiten machen aus einem verstrickten Netzwerk von Möglichkeiten und Daten Anwendungen: Hätten die "Napsters" und "Gnutellas" des Netzes nicht zugeschlagen, wüsste die Musikindustrie heute noch nicht, dass Menschen Musik über das Internet tauschen wollen.
Hilfe durch Zusatzfunktionen
Die Lektüre eines E-Books wird mit allerhand Zusatzfunktionen erleichtert: Automatisch wird die Seite aufgeschlagen, bei der man die Lektüre zuletzt beendet hat. Farbliche Markierungen sind genauso möglich wie Randbemerkungen oder Lesezeichen. Hilfreich für englisch-sprachige Bücher: Sobald ein unbekanntes Wort angeklickt wird, erscheint eine Definition aus dem eingebauten Wörterbuch. Leider läuft die Software nach wie vor sehr instabil: Die vielen Hilferufe verärgerter Nutzer macht deutlich, dass Adobe noch reichlich nachbessern muss. Das gedruckte Buch braucht daher wohl kaum um seine Zukunft bangen.
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Digitales Lesen - und Bezahlen
The Big Red Fez. How to Make Any Web Site Better
Seth Godin
2001. 98 Seiten, 2,70 $.
Größe: 3 MB
Download bei: www.amazon.com, www.thebigredfez.com
Amazon.com. Der schnelle Weg, groß zu werden
Rebecca Saunders
Finanzbuch-Verlag 2001. 229 Seiten, 49 DM.
Größe: 658 KB
Download bei: www.ciando.de
E-conomy 2.0. Management und Ökonomie in digitalen Kontexten
Michael Hutter
Metropolis Verlag 2001. 238 Seiten, 58 DM.
Größe: 1,2 MB
Download bei: www.ciando.de
Von Christian Mascheck
In einem digitalen Buch ist Platz für eine ganze Bibliothek. Die Technik hat jedoch ihre Tücken.
Antiquare und Bücherliebhaber zittern vor dem E-Book, dem elektronischen Pendant zum Buch. Die Industrie versucht mit aller Macht, das neue Medium auch in Deutschland zu etablieren: Seit der letzten Buchmesse in Frankfurt gibt es sogar einen eigenen Förderpreis. Als E-Books werden sperrige Geräte bezeichnet, mit denen man unterwegs digitale Bücher lesen kann.
Der Vorteil: Man hat gleich eine ganze Bibliothek dabei, da im Speicher viele Hundert Bücher Platz finden. Der Nachteil im Vergleich zum herkömmlichen Buch: Fällt das E-Book vom Tisch, ist erst mal Schluss mit der Lektüre. Auf kostspielige Zusatzgeräte können E-Leser allerdings verzichten: Mit einer entsprechenden Software lassen sich die Inhalte auf jedem PC, Laptop oder PDA anzeigen.
Kostenpflichtiger Download
Doch zuvor muss eine Readersoftware installiert werden, sonst verweigert Amazon die Auslieferung. Ärgerlich: Wie schon beim "Browser-Krieg" zwischen Netscape und Microsoft gibt es auch bei der Anzeigesoftware für E-Books zwei Konkurrenzprodukte von Adobe und Microsoft.
Bis jedoch die erste digitale Seite aufgeschlagen werden kann, muss sich der eilige Leser auf eine kleine Odyssee begeben. Seth Godin hat sein neues Buch "The Big Red Fez" ausschließlich als E-Book veröffentlicht. Im Gegensatz zu seinem letzten Band ist der Download jedoch kostenpflichtig und nur über den Online-Buchhändler Amazon.com möglich. Nach der Registrierung bei Amazon steht das E-Book zum einmaligen Download bereit, wenn zuvor der Adobe-E-Book-Reader installiert wurde. Mit einem herkömmlichen Modem dauert der Download 45 Minuten - schnell ist das nicht.
Plattform für Direktmarketing
Das Buch von Internet-Pionier Seth Godin offenbart sehr schnell, dass es ein originär digitales Produkt ist: Etliche Links verweisen auf Internetadressen, die beim Anklicken direkt auf der Arbeitsfläche angezeigt werden. Godin nimmt den Leser mit auf eine Tour kreuz und quer durchs Internet.
Vor allem anhand von schlechten Beispielen demonstriert er Fallen, die jeden Kunden schon weit vor dem Kauf abschrecken. Da wird der Nutzer mit endlosen Formularen traktiert oder muss etliche Zusatzprogramme laden, bevor er überhaupt auf die Einstiegsseite gelangt. Für Godin steht fest: Bei Online-Shops haben die Techniker das Sagen, nicht die Marketingfachleute. Das Internet sei aber vor allem eine Plattform fürs Direktmarketing. Wegen Seth Godins frecher Kommentare und der vielen Bildschirmfotos lässt sich "The Big Red Fez" flüssig und ohne Ermüdungserscheinungen auch am Bildschirm lesen.
Rebecca Saunders’ Porträt des Online-Buchhändlers Amazon entspricht haargenau der gedruckten Ausgabe - Extras gibt es keine. Interessanterweise bietet der E-Book-Händler Ciando die Option, das Buch auch kapitelweise herunterzuladen. So müssen nur die Teile bezahlt werden, die man wirklich lesen will.
Vorreiter Amazon
Obwohl er bis heute keinen Profit macht, gilt Amazon als Paradebeispiel für ein erfolgreiches Unternehmen im Netz: Gründer Jeff Bezos setzt konsequent auf E-Commerce, hält ein ausgezeichnetes Team zusammen und lässt sich nie von seinen Ideen abbringen. Zudem investiert er viel Kapital in den Markennamen, setzt auf lückenlosen Kundenservice und ein starkes Logistiknetzwerk. Mit Hilfe von öffentlichen Statements und Presseberichten hat Saunders die spannende Erfolgsgeschichte der inzwischen bekanntesten Webadresse für Bücher unterhaltsam aufbereitet und mit etlichen Zitaten von und über Jeff Bezos gespickt.
Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Netz der Netze liefert der Sammelband "E-conomy 2.0", herausgegeben von Michael Hutter. Darin kreisen verschiedene Wirtschaftswissenschaftler das Phänomen Internetwirtschaft von zwei Seiten ein: Aus der Sicht der Gesellschaft und aus der Unternehmensperspektive. Dirk Baeker etwa widmet sich in seinem Artikel "Der Klang der Netze" theoretischen Überlegungen zu ganz grundlegender Kommunikation. Für ihn konkurrieren im Netz Parasiten mit Parasiten. Das ist nicht böse gemeint: Denn erst die Parasiten machen aus einem verstrickten Netzwerk von Möglichkeiten und Daten Anwendungen: Hätten die "Napsters" und "Gnutellas" des Netzes nicht zugeschlagen, wüsste die Musikindustrie heute noch nicht, dass Menschen Musik über das Internet tauschen wollen.
Hilfe durch Zusatzfunktionen
Die Lektüre eines E-Books wird mit allerhand Zusatzfunktionen erleichtert: Automatisch wird die Seite aufgeschlagen, bei der man die Lektüre zuletzt beendet hat. Farbliche Markierungen sind genauso möglich wie Randbemerkungen oder Lesezeichen. Hilfreich für englisch-sprachige Bücher: Sobald ein unbekanntes Wort angeklickt wird, erscheint eine Definition aus dem eingebauten Wörterbuch. Leider läuft die Software nach wie vor sehr instabil: Die vielen Hilferufe verärgerter Nutzer macht deutlich, dass Adobe noch reichlich nachbessern muss. Das gedruckte Buch braucht daher wohl kaum um seine Zukunft bangen.
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Digitales Lesen - und Bezahlen
The Big Red Fez. How to Make Any Web Site Better
Seth Godin
2001. 98 Seiten, 2,70 $.
Größe: 3 MB
Download bei: www.amazon.com, www.thebigredfez.com
Amazon.com. Der schnelle Weg, groß zu werden
Rebecca Saunders
Finanzbuch-Verlag 2001. 229 Seiten, 49 DM.
Größe: 658 KB
Download bei: www.ciando.de
E-conomy 2.0. Management und Ökonomie in digitalen Kontexten
Michael Hutter
Metropolis Verlag 2001. 238 Seiten, 58 DM.
Größe: 1,2 MB
Download bei: www.ciando.de