guter beitrag.
durch die zusätzliche liquidität werden bei den anleiheauktionen niedrigere tenders abgegeben. das ist eine entschuldungspolitik.
bei all der diskussion um wirtschaftliche fachbegriffe, modelle und statistiken, die die ezb bei ihrer entscheidung heranziehst, wird das wichtigste vergessen. draghi und co. gehen von veralteten wirtschaftsmodellen aus. draghhi und die ezb hoffen, dass das einfache prinzip des "homo oeconomicus" (eine schwachsinnige theorie wie ich finde) wieder greift: gibt es niedrigere zinsen und mehr liquidität, entscheidet sich der nutzenmaximierende konsument für mehr kredite.
das funktioniert aber irgendwie nicht so richtig in der eurozone. warum nicht?
das problem entsteht auf verschiedenen anderen säulen.
erstens liegt es an der demographie in der eurozone. hier gibt es wenige risk-taker, unternehmer, expandierer, macher als in amerika. die PIGS-Staaten leiden unter dem, woran die meisten sonnigen länder leiden: eine faule bevölkerung, eine jugend die keinen plan hat. folge: keine kreditnachfrage.
zweitens herrscht genereller pessismus bei den kreditkunden in der eurozone. konjunktur beginnt ja bekanntlich im kopf. hier gibt es viel nachzuholen
drittens kommen die günstigen konditionen ja gar nicht bei den konsumenten an. die sozialstaaten mitteleuropas/westeuropas (Österreich, Deutschland, Frankreich und Co.) zoken seit jahrzehnten die eigene bevölkerung ab, banken sind überreguliert und mit horrenden steuern belastet. wo sollen die günstigen konditionen und der optimismus herkommen wenn es nicht endlich eine abkehr von dem zwangssozialismus gibt?
viertens technologie: ab den 1960er jahren war es so, dass der anstieg der bevölkerung einherging mit dem bedarf an arbeitskräften (prozessoptimierungen, expansionen, etc.). mittlerweile sind wir global an einem punkt, an dem wir einfach nicht mehr 7 Mrd Leute für den Aufbau der Welt brauchen. Es reichen 1 Mrd. an Arbeitskräften aus, um 7 Mrd. zu versorgen. Hierher rührt auch teilweise die Deflationen und das geringe Wachstum. Wir sind technologisch an einem Punkt, an dem Technologie starkes Wachstum verhindert. Klingt paradox ist aber so.
Dies sind alles Probleme der Eurozone bzw. der Welt. Ich würde persönlich auch eher nicht in den ESTX50 investieren, der ist seit Jahren ein Verliererindex und wenn es nicht zur Lösung o.g. Probleme kommt, wird der auch so bleiben.
Anders sieht es für den DAX aus. Diese Firmen bedienen sich gut an der existierenden Nachfrage und werden meiner Meinung nach stark wachsen.
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