Warten auf die Kapitulation am Aktienmarkt


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Warten auf die Kapitulation am Aktienmarkt

 
14.06.02 13:59
HANDELSBLATT, Freitag, 14. Juni 2002


Eine Frage des Timings


Warten auf die Kapitulation am Aktienmarkt


In jeder besonders schwachen Börsenwoche taucht ein Wort auf: die „Kapitulation“. Erst müssten die Anleger wirklich kapitulieren, lautet die Theorie, damit es wieder aufwärts gehen könne.

 

HB DÜSSELDORF. Die Logik ist schlüssig: Wenn sich ein großer Teil der privaten und institutionellen Investoren vom Aktienmarkt verabschiedet hat und nur eine Art harter Kern übrig geblieben ist, dann gibt es niemanden mehr, der verkauft. Und wenn keiner mehr verkauft, wächst die Chance, dass ein zarter Kursaufschwung nicht gleich wieder durch Gewinnmitnahmen zerstört wird. Und wenn es einen kleinen Aufschwung gibt, der sich als tragfähig erweist, werden neue Anleger wieder einsteigen.

Aus dieser Logik entsteht auch der zunächst absurd klingende Umkehrschluss, dass die Börse kaum zu retten ist, so lange ihr immer noch recht viele Anleger vertrauen. Aber die Logik stimmt: Von diesen Anlegern werden beim nächsten Rückschlag oder schlechten Nachrichten einige aussteigen und die Kurse weiter nach unten treiben.

Niemand möchte selbst kapitulieren

Wir brauchen also die Kapitulation. Das Problem ist nur: Niemand möchte selbst kapitulieren, das überlässt man lieber den anderen. Denn wer kapituliert, steigt nahe dem tiefsten Kursniveau aus. So lange die Anleger auf eine Kapitulation warten und zugleich schon wieder auf den Aufschwung hoffen, gibt es keine echte Kapitulation. Das ist wie bei der Zen-Geschichte, wo ein Mönch zum anderen sagt: „Ich habe mich von allen Eitelkeiten befreit.“ Worauf der andere antwortet: „Dann befreie dich auch noch von dieser Eitelkeit.“ Anders gesagt: Die Kapitulation findet wahrscheinlich erst statt, wenn keiner mehr davon redet. Eine weitere Möglichkeit: Sie wird durch einen Schock ausgelöst. Danach ist wieder Luft für die Kurse nach oben, wie die Erholung nach dem 11. September des vergangenen Jahres gezeigt hat.

Wir haben eine spiegelbildliche Situation wie im Börsenboom: Damals waren die Kurse so lange intakt, wie es noch Ängste vor einem Einbruch gab. In dem Moment, wo die Börse als beinahe sicher galt, hatten alle schon Aktien – und wer soll dann noch kaufen? In dieser heißen Schlussphase waren Aktien weit verbreitetes Alltagsgespräch, nahmen breiten Raum in den Medien ein, und es tauchten Theorien auf, nach denen jetzt ganz neue Bewertungsmaßstäbe gelten; schlechte Nachrichten wurden zudem ignoriert.

Spiegelbildlich wäre der unterste Punkt also erst dann erreicht, wenn außer ein paar Profis und ganz hart gesottenen Fans kaum noch jemand über Aktien redet, die Medien sich nur noch am Rande mit ihnen beschäftigen und mehr und mehr Theorien verbreitet werden, nach denen Aktien zur Vermögensanlage gar nicht geeignet sind oder im nächsten Jahrzehnt keine vernünftige Rendite erhoffen lassen – und gute Nachrichten für die Börse nimmt niemand mehr zu Kenntnis. Das wäre sozusagen die gesamtgesellschaftliche Kapitulation. Wer die Entwicklung beobachtet, stellt fest, dass diese Bedingungen zum Teil schon erfüllt sind – aber noch nicht ganz. Deutlich ist jedenfalls, dass die Kapitulation auf sich warten lässt: Auf jeden Schwächeanfall, wie in der vergangenen Woche, folgt eine „technische Erholung“.

Natürlich lässt sich auch an einer fallenden Börse Geld verdienen – über Spekulationen am Terminmarkt. Zur fallenden Börse gehört daher auch die steigende Bedeutung der Hedge-Fonds, die in diesem Bereich besonders aktiv sind. Voraussetzung einer Trendumkehr wäre auch, dass sich diese Fonds mit ihrer Spekulation à la Baisse kräftig die Finger verbrennen und zunächst nicht mehr trauen, ihr Spiel weiterzutreiben. Das ist zurzeit nicht abzusehen.

Fazit: Es spricht einiges dafür, dass wir noch Tiefpunkte vor uns haben. Aber wer diese Punkte abwarten möchte, kommt mit großer Sicherheit zu spät.



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MOTORMAN:

"...gibt es niemanden mehr, der verkauft...."

 
14.06.02 14:14
Mache ich schon seit Mitte 2000 nicht mehr - hat auch nix geholfen ;-(((

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Thomastrada.:

Na also!

 
14.06.02 14:23
"Spiegelbildlich wäre der unterste Punkt also erst dann erreicht, ... wenn außer ein paar Profis und ganz hart gesottenen Fans kaum noch jemand über Aktien redet"

Ich finde, wir sind hier am Board damit schon ziemlich weit! Aber Besserung ist möglich!
Also, postet weiterhin über Fußball, Sex, Drogen, Politik, etc., aber

AUF KEINEN FALL ÜBER AKTIEN!!!!

Gruß,
T.
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volvic:

Berwrtungen ... recht merkwürdig

 
14.06.02 14:27
Wenn man kein Vertrauen mehr ins Zahlenwerk einer AG haben kann, dann ist Börse natürlich zu reinen Zockerbude verkommen, aber sonst?

Mich wundert wirklich, warum Werte mit solidem Wachstum (10% oder mehr), eine Dividene von 3-5% und einem KGV von unter 15 noch weiter fallen?

Wenn man das mal ganz rational umrechnet in eine Anlagerendite, dann liegt die Rendite solcher Aktien deutlich über dem was man sonst mit festverzinslichen verdienen kann!

Also wieso fallen solche Titel noch weiter? Es gibt auch schon Werte die durchaus solide sind und noch wachsen, die ein 2002´er KGV von unter 10 haben, auf dem besten Weg zu KGV 5. Das entspricht 20% Rendite. Und die will keiner haben?

Ich kappier nix mehr ...

volvic
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Thomastrada.:

@volvic

 
14.06.02 14:30
Da gehörst Du schon mal nicht zur Minderheit! ;-)

T.
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Tradingman:

@volvic

 
14.06.02 14:45
20% Rendite hast du aber nur, wenn diese vom täglichen Kursverfall nicht aufgefressen wird. Diejenigen, die nämlich in der Aktie engagiert sind haben dazu eine andere Meinung und verkaufen, wobei wir wieder beim Herdentrieb, Psychologie und den menschlichen Schwächen wie Gier und Angst sind.

Deshalb nicht billig kaufen, sondern dann kaufen, wenn die Aktien wieder (signifikant) steigen, oder eben als Daytrader die kurzen push-up's mitnehmen.

Tradinggrüsse
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volvic:

@tradingman

 
14.06.02 14:58
die 20% rendite habe ich sowieso nicht. denn soviel divdende zahlt ja keiner. aber gewinne die nicht per dividende ausgeschüttet werden verbleiben im unternehmen. und wenn es der CEO nicht versäuft oder sonstwie veruntreut, dann kann ich wohl mit recht erwarten, das der aktienwert mindestens um den wert ansteigt wie gewinne "zurückgelegt" werden.

jetzt kommt es nur drauf an, ob dieser faktische (cash-wert) zuwachs aufgefressen wird von "psychologischen" kursverlusten.

und genau DA setze ich an. wenn nämlich ein unternehmen eine KGV von 5 hat, jedes jahr den gewinn um 15% steigern kann, und 5% dividende zahlt, dann fahre ich damit auf sicht von 10 jahren super. auch wenn der kurs erstmal südwärts geht. beispiel ich zahle für die aktie 10 euro, dann fallen da gewinne an von 2 euro, 2,30 euro, .... usw. = knapp über 40 euro gewinn, davon jedes jahr 50 cent ausgezahlt (sagen wir dividende steigt nicht), dann habe ich nach zehn jahren eine aktie für die ich mal 10 euro bezahlt habe, 5 euro dividende kassiert und hinter aktie müssen irgendwo gut 35 euro cash "rumgammeln". und da sage mir mal einer die aktie würde dann noch bei 10 euro oder tiefer stehen? der gewinn pro aktie pro jahr liegt inzwischen bei 4 euro. also ich sag mal 40 euro je aktie müssen dann locker drin sein.

und nach der rechnung hat jeder der aktien so günstig verkauft einen an der waffel. solange kein betrug vorliegt und die zahlen stimmen, die aussichten für die company ok sind, solange verkauft man solche aktien nicht so günstig.

und wer es doch tut ... wird sich spätestens in 10 jahren sehr ärgern.

volvic
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Katjuscha:

solides 10% Wachstum ist ja noch untertrieben

 
14.06.02 14:58
Es gibt durchaus Werte, die noch solide 40%p.a. wachsen, aber trotzdem mit KGVs von unter 15 bewertet sind!

Aber der Neue Markt ist nunmal tot! Ich wollte es lange nicht wahrhaben!Vielleicht sind deshalb die Tradinggrüsse angebracht!

Ich habe mich jedenfalls trotzdem in den letzten 3 Tagen fett am NeuenMarkt angagiert! Und damit schlafe ich jetzt wirklich ruhig, auch wenn es wie das Rufen im Walde klingt!
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volvic:

@katjuscha

 
14.06.02 15:06
naja ... 40% wachstum per anno solide? das gibts gar nicht! mircosoft ist ein paradebeispiel für ein sehr langes und solides wachstum. die haben über 10 jahre mehr als 30% pro jahr geschaft, aber auch dort ist jetzt mal wachstumsende.

bei den dicken fischen kann man über 12-18% echt froh sein. 15% pro jahr ist alles was ich mir wünsche.

40% pro jahr gibt es, und das nicht nur als strohfeuer, sondern auch solide (qiagen). aber solche unternehmen werden nicht ewig so stark wachsen. und mir ist ein laden lieber, der heute mit 25% wächst, aber dafür noch einige jahre und sich erst langsam der 15% annähert, als einer der heute 40% wächst, morgen 10% schrumpft, also dauernd wild umherhüpft.

am neuen markt drückt absolut:

a) fehlende solidität, ein guter gewinn, auch 2-3 jahre hintereinander hat eben nicht die stabilität wie die einnahmen einer citibank oder general electric. mit neuen markt unternehmen kann es auch mal ganz schnell aus seihen.
b) zerstörtes vertrauen in die zahlen. gewinne? gewinnwachstum? was nützt das, wenn jeder fürchten muss alle zahlen der letzten 3 jahre sind nur gefälscht!


wenn die zahlen ok sind, die perspektiven stimmen und KEIN wurm im apfel ist, dann halte ich (unter anderem, habe sicher nicht alle erfasst) folgende unternehmen für unterbewertet:

augusta   **
(aixtron) *
kontron   **
medion    **
qiagen    **
teleplan  ***
thiel     ***

mit den sternen meine ich nicht die qualität der unternehmen, sondern den grad der unterbewertung. teleplan und thiel wachsen mit über 30%, haben ein KGV 2002 von unter 10, die anderen werte sind auch sehr sehr günstig, oder sie sind super solide mit sehr gutem wachstum. wer hätte je geglaubt, das man qiagen nochmal zu KGV unter 20 kaufen kann????

ein ideales unternehmen (wie general electric) hat für mich wachstumsraten von 15%, eine super marktposition, genügen cash, und DAHER ein KGV zwischen 20 und 30. rein von den zahlen ist KGV 30 zu teuer für wachstum 15%. aber für qualität die jedes jahr solide wächst zahlt man das eben. und wenn der wert sauber mit dem gewinn mitsteigt, dann legt der kurs schöne 15% pro jahr zu, und das KGV bleibt einfach immer gleich.

volvic
Antworten
Tradingman:

@volvic

 
14.06.02 15:08
Mit deinen fundamentalen Betrachtungen hast du ja durchaus recht. Wenn der Anleger aufgrund eines fallenden Trends jedoch täglich Geld verliert, sollte er dennoch aussteigen, dabei aber nicht vergessen in Anbetracht der guten Unternehmensdaten bei einer Trendwende wieder (dann tiefer) einzusteigen. Es nützt niemanden, gegen den Trend zu schwimmen.

So gesehen sollte man bei Ein- und Ausstieg immer auch die charttechn. Situation betrachten, Futuremärkte handeln nämlich danach, nicht zuletzt weil sie in beiden Richtungen Geld verdienen können.

Tradinggrüsse
Antworten
grenke:

Aktien ist und bleibt die beste Kapitalanlage

 
14.06.02 15:24
was interessieren den langfristigen Anleger die momentumkurse ??

Ganz im gegenteil ich sehe hier eine wahnsinschance selbst am neuen Markt preiswert Anteilsscheine von soliden Unternehmen zu kaufen.

wenn ich einen Anlagehorizont von 5-10 Jahren annehme , dann denke ich das wir bei guten Wachstumsunternehmen erstklassige Kaufkurse sehen.

Wenn man sich mal meinen liebling Thiel anschaut, die haben seit jahren ein kontinuirliches wachstum hingelegt, was meiner meinung nach noch ganz am anfang ist.Allein am den Gesundheits-bereich ist Thiel gerade mal mit 3 Promille beteiligt, den wollen die in den nächsten 10 jahren auf 10-15% ausweiten.

Oder Grenke-Leasing , wachstumsraten in den letzten 20 Jahren von 20% und mehr, bitte was wollen wir denn noch mehr.

Also bitte auch wenn der Neue-Markt im mom schwächelt, so ist doch nicht zu übersehen das wir auch im Nemax verdammt gute Unternehmen haben.

Klar ich muß recht geben wenn ich mir mein Depot jede woche anschaue, könnte ich selbst darann zweifeln das es wieder nach oben geht, aber ich denke wenn ich meinen Horizont auf 5 Jahre erweitere,( und das sollte man bei einer Aktienanlage numal als privater immer tun ) dann siehts doch gar nicht mal so schlecht aus.

Eine faustregel ist nunmal Langfristig werden profitable Unternehmen an der Börse mindestens mit dem einfachen Jahresumsatz bewertet.

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