Falsche Surf1-Rechnungen - Die Schwierigkeiten des Rechtsanwalts Jörg A. Wunderlich
Dienstag, den
24.04.01 12:31
aus dem Bereich Provider
Ein Kommentar von Roland Silberschmidt
Wer von uns erinnert sich nicht an den Bitburger Provider Silyn-Tek, auch Surf1 genannt? Nylis G. Renschler II, ein ehemaliger Feldwebel der amerikanischen Luftwaffe, hatte im Jahr 1999 die erste "richtige" Flatrate in Deutschland angeboten. Waren die Preise auch noch so hoch, der Zulauf an Kunden war trotzdem enorm. Denn immerhin sparten Vielsurfer, selbst bei 399 Mark, eine ganze Menge Geld. Doch Surf1 ist Geschichte. Das unrühmliche Ende der Firma hinlänglich bekannt. Viele Kunden jedoch, die sich für die Prepaid-Flatrate anmeldeten, warten noch heute auf eine Rückzahlung ihres im Voraus gezahlten Geldes.
Zwar haben die meisten Kunden bereits im letzten Jahr ihre Ansprüche dem Insolvenzverwalter gegenüber geltend gemacht, doch eine schnelle Abwicklung ist vorerst nicht in Sicht. Viele haben daher ihre Ansprüche wohl schon abgeschrieben und unter "Lehrgeld" abgebucht. Umso erstaunter reagierten viele dieser Kunden jetzt, als ihnen am vergangenen Freitag, 20.04.2001, eine Rechnung vom Insolvenzverwalter ins Haus flatterte. Regelrecht konsterniert und mit völligem Unverständnis reagierten sie darauf, hatten sie doch nach ihrer Meinung ihre Beiträge ordnungsgemäss an Surf1 gezahlt. Das dem offenbar doch nicht so war, stellten verschiedene Kunden jedoch bei nochmaliger Durchsicht der Kontounterlagen fest. Waren doch auf ihren Kontoauszügen keinerlei, oder nur fehlerhafte Abbuchungen von Surf1 verzeichnet.
Vor allem aber Prepaid-Kunden fühlen sich von dieser Rechnung vor den Kopf gestoßen. Denn sie sollten nun bis zum 24.04.2001 die gleiche Summe, die sie bereits im Voraus für 1 Jahr gezahlt hatten, noch einmal zahlen! Onlinekosten.de liegen hierzu die Aussagen mehrerer Betroffener vor, die glaubhaft machen konnten, dass sie teilweise mehrere hundert Mark von Surf1 zu erhalten haben und nicht umgekehrt. Blickt man auf die bewegte Geschichte von Surf1 zurück, so reiht sich nun dieser Fauxpas nahtlos an die Serie der früheren Pannen bei dem Bitburger Provider ein. Schon damals konnte man die Buchhaltung der Firma nur "mit viel gutem Willen" als marode bezeichnen. Schon damals waren die Hotline und auch der Service der Firma alles anderes als zufriedenstellend.
Das es nun den Anschein hat, dass der Insolvenzverwalter ins gleiche Horn blässt, mutet auf den ersten Blick doch etwas seltsam an. Bei genauerer Kenntnis des Sachverhalts kann man Herrn Wunderlich aber hier nicht wirklich einen Vorwurf machen. Er selbst ist nämlich - wie er onlinekosten.de auch in einem Gespräch mitteilte - auf die Daten aus der Buchhaltung von Surf1 angewiesen und muss auf Grundlage dieser Daten Rechnungen erstellen und verschicken. Wie bereits erwähnt, herrschten dort damals jedoch dermassen katastrophale Zustände, dass hier wohl von korrekten Daten in den meisten Fällen überhaupt nicht die Rede sein kann. Leser von Onlinekosten.de bezeichneten die Rechnungen sogar als versuchte Abzocke und unseriös. Die ersten Widersprüche gegen die Rechnungen sind bereits an den Rechtsanwalt gefaxt worden, andere wollen sogar ihren eigenen Anwalt konsultieren, um rechtliche Schritte zu prüfen.
Herr Wunderlich hat sich hier in der Tat keinen Gefallen getan, denn fast scheint es, als ob man pauschal allen ehemaligen Kunden von Surf1 eine Rechnung geschickt habe, in der Hoffnung dass man so wohl an noch ausstehende Beiträge von säumigen Zahlern kommt und damit einen Teil der Schulden der Firma abdecken kann. Auch wenn man dem Rechtsanwalt hier sicher keinen bösen Willen unterstellen kann, so war diese Aktion doch mehr als nur ungeschickt und dürfte ihm eine Menge schlechter Publicity einbringen. Betroffenen Kunden kann man nur raten, die gezahlten Beiträge an Surf1 genaustens zu prüfen und gegebenenfalls Widerspruch gegen die Rechnung einzulegen.
(rsi)