Wallstreet: Geld verdienen leicht gemacht


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vega2000:

Wallstreet: Geld verdienen leicht gemacht

 
24.01.02 08:39

Der Millionen-Raub des verschwundenen Brokers


An der Wall Street ist schon von einem der größten Unterschlagungsskandale der Börsengeschichte die Rede: Ein Broker bei Lehman Brothers soll vermögende Privatkunden systematisch und jahrelang um zig Millionen Dollar erleichtert haben. Der Beschuldigte ist verschwunden, das FBI fahndet mit Hochdruck.

Cleveland - Es war ein Brief des Verdächtigen selbst, der die Bundespolizei auf seine Fährte lockte: Frank Gruttadauria, 55 Jahre alt und seit 1987 Wertpapiermakler, habe dem FBI Anfang Januar per Post ein Geständnis geschickt, berichtet das "Wall Street Journal". Von gefälschten Depot-Auszügen und Unterschlagungen in großem Stil soll in dem Brief die Rede sein.
Das FBI und die Polizei in Gruttadaurias Heimatstadt Cleveland ermitteln in dem Fall, auch die amerikanische Wertpapieraufsicht und der Verband der Wertpapierhändler wurden eingeschaltet. Lehman Brothers, seit Oktober 2000 Gruttadaurias Arbeitgeber, habe ein Untersuchungsteam mit 24 Leuten auf den Fall angesetzt. Ein klares Zeichen dafür, dass der Verdacht bei Amerikas viergrößtem Wertpapierhaus sehr ernst genommen wird. Die Führung sei regelrecht "benommen", schreibt das "Journal". Ein Sprecher sagte gegenüber Bloomberg, die Bank arbeite eng mit den staatlichen Ermittlern zusammen.

Ausgefeiltes System von Postfächern


Von Gruttadauria aber fehlt bisher jede Spur. Vielleicht habe sich der Broker mit einem Teil der offenbar ergaunerten Millionen abgesetzt, heißt es. Das FBI schließt aber dem Bericht zufolge nicht aus, dass das Geständnis zugleich ein Abschiedsbrief war - und dass Gruttadauria sich inzwischen aus Reue das Leben genommen hat.

Allein bei Lehman könnte Gruttadauria 25 Millionen Dollar abkassiert haben. Das FBI ermittelt, ob Gruttadauria sich auch bei seinen vorherigen Arbeitgebern Hambrecht & Ouist und S.G. Cowan Millionen erschlichen hat. Die Ermittler vermuten laut "Journal", dass der Broker seit 1987 den Wert von Wertpapier-Depots vermögender Kunden um 250 Millionen Dollar oder mehr verfälscht hat. Ob Gruttadauria diese Summe dann selbst einsteckte oder nur einen Teil davon sei bisher ungewiss. Der Broker soll bei Lehmann 300 Klienten gehabt haben und in ihren Depots sowohl Rentenpapiere als auch Aktien geführt haben. Wie das "Journal" unter Berufung auf eingeweihte Kreise bei Lehman schreibt, hat Gruttadauria mehrere Postfächer angelegt, um seine Betrugsgeschäfte durchzuführen und zu verbergen.

Die Suche nach Komplizen


Der auf Wertpapierangelegenheiten spezialisierte New Yorker Anwalt Jacob Zamansky fürchtet bereits, dass sich die Affäre zum bisher größten Betrug an Privat-Investoren auswachsen könnte, den eine Einzelperson in den USA je verübt hat. Noch aber kann Lehman der Zeitung zufolge nicht völlig ausschließen, dass Gruttadauria bei der Bank Komplizen hatte.

Lehman ist bei weitem nicht das einzige Wertpapierhaus, gegen das in den letzten zwölf Monaten Vorwürfe wegen betrügerischer oder unethischer Geschäfte erhoben wurden. Erst in dieser Woche hatte Credit Suisse First Boston (CSFB) der US-Wertpapieraufsicht SEC eine Strafe von 100 Millionen Dollar gezahlt. Die SEC hatte ermittelt, weil CSFB-Banker überhöhte Kommissionen kassiert haben sollen. Als Gegenleistung für die Schmiergelder soll die Bank bestimmten Klienten bei Börsengängen Aktien zu niedrigen Preisen zugeteilt haben.

Quelle: Der Spiegel

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