Wahlzeit für das Fondsdepot


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Wahlzeit für das Fondsdepot

 
04.07.01 11:08
ftd.de, Mi, 4.7.2001, 7:00
Für ein aussichtsreiches internationales Fondsdepot brauchen Anleger
strategisches Gespür.

Fondsanleger, die ihr Investment international aufstellen wollen,
haben die Qual der Wahl. Die Palette der Fonds ist riesig, doch nicht
jeder bietet Aussicht auf Erfolg - sprich Rendite. Portfolio zeigt eine
ausgewogene und dabei vielversprechende Auswahl, die sich nicht nur von
Namen leiten lässt. Wirklich entscheidend ist das Management, das hinter den
Produkten steckt, wie beispielsweise beim Fidelity European Growth.

Von seinem Fenster aus in der Londoner Cannon Street blickt Anthony
Bolten auf die Kirche St. Paul. Ob der Manager des Fidelity European
Growth ewige Werte - vergleichbar mit dem bekannten Gotteshaus - schafft, sei
dahingestellt. Fest steht: Gewaltig ist der Investmentriese Fidelity auf
jeden Fall.

Gewinn mit unbekannten Aktien
Allein in London beschäftigt der Größte der Branche - dessen
Bolton-Fonds in keinem Depot fehlen darf - rund 70 Aktienprofis. Europa
sollte das Schwergewicht im Musterdepot eines Anlegers bilden, der auf diesem
Kontinent lebt.
An Nummer eins steht der Klassiker von Fidelity, der sich auch in der
Schwächephase gut gehalten hat. Einen klaren Growth- oder Value-Ansatz
verfolgt Fondsmanager Anthony Bolton nicht - anders als der Fondsname suggeriert.
Bolton meidet die Masse und fühlt sich wohl, wenn er allein unterwegs ist - als
Fondsmanager. Seit mehr als zwanzig Jahren ist er bei Fidelity tätig -
eine ungewöhnlich lange Zeit. Sein Netzwerk reicht quer durch Europa. Bolton
sucht Aktien, über die keiner spricht. "Das ist kein Grund zu kaufen, doch dann
sollte man nachbohren", sagt der Engländer, der so gar nichts mit jungen

Investmentbankern gemein hat.
Den Europateil im Portfolio ergänzt der
HSBC-Pan-European-Equity-Fonds. Hier kauft der Anleger ein stärker
wachstumsorientiertes Portfolio, bei dem rund ein Fünftel des Geldes in Großbritannien investiert ist, der Rest bleibt in Kontinentaleuropa. Steven Cordell verwaltet den Fonds, der als größte Positionen Vodafone, Nokia und Shell aufzählt. Die Auswahl der Firmen zeigt, dass er sich auf Large Caps konzentriert. Das Asset Management des Finanzkonzerns HSBC ist ein gutes Umfeld für Aktienmanager. HSBC hat es geschafft, mit mehreren europäischen Aktienfonds Spitzenbewertungen zu erzielen.

"Flucht zurück in die Qualität"

Der Fonds der kleinen unabhängigen Gesellschaft Comgest mit Sitz in
Paris bringt Farbe ins Depot. Das Haus pflegt einen eigenen
Investmentstil.
Ausgewählt werden nur wenige Unternehmen, die über längere Zeit ein hohes
Gewinnwachstum aufwiesen. Zweites Kriterium: Es muss sich um ein Produkt
oder eine Leistung handeln, die nicht einfach kopiert werden kann. "Dienste im
Telekombereich gehören nicht dazu", erläutert Fondsmanager Wedig von
Gaudecker. "Im Boomjahr 1999 lagen wir mit unserer Performance weit hinter dem Index -obwohl das Gewinnwachstum unserer Aktien deutlich besser war als wir erwartet hatten." Doch nach dem Rausch der Telecoms und Dotcoms beobachtet
Gaudecker schon seit einiger Zeit eine "Flucht zurück in die Qualität".

Mit dem ACM Global Growth Trend kaufen Investoren einen globalen
Wachstumsfonds, der gleich von sechs Experten verwaltet wird. Der
Multisektor-Ansatz hat den Anlegern bislang gute Ergebnisse gebracht. Der Fonds konzentriert sich auf die Branchen Technologie, Gesundheit, Finanzen, Infrastruktur, Energie und Konsumgüter - nach Ansicht der US-Gesellschaft Alliance Capital Management die am schnellsten wachsenden Sektoren. Der Fonds ist eine gute Basisanlage - trotz des hohen Ausgabeaufschlages von 6,3 Prozent.

Schonend für die Nerven der Kunden

Eine konservative Ergänzung des Weltanteils stellt der Morgan Stanley
Global Equity dar. Noch vor wenigen Jahren konnte der Fonds glänzen. Dann
m für Fondsmanagerin Frances Campion die Phase der Tech-Börsen, in der
sie zurückfiel. "Portfoliomanagement ist eine Stilfrage. Das bedeutet,
dass wir für einen Value-Fonds keine Growth-Titel kaufen", sagt Campion
zur schwachen Performance bis zum Frühjahr 2000. Ein klares Bekenntnis
zur eingeschlagenen Richtung gehört bei den Morgan-Stanley-Fonds zur
Philosophie des Hauses. Und das schont die Nerven der Kunden.

Amerika dürfte in den nächsten Jahren wohl schneller wachsen als die
anderen entwickelten Regionen - und ist deshalb im Depot mit einem Fünftel
repräsentiert. Gute Arbeit sollte weiterhin die britische Investmentfirma
Threadneedle leisten, die mit dem American Growth einen Spitzenfonds im
Angebot hat.

Auch Asien gehört ins Depot

Den North American Value Fund der skandinavischen Nordea betreut
Private Capital Management, die sich auf Value-Titel spezialisiert haben.
Gregg Powers konnte mit seinem Fonds in den vergangenen Jahren die
Konkurrenz abhängen. Die Ziele seiner Firma: Verdoppelung des eingesetzten Kapitals in fünf Jahren. Von Naples aus, einer Kleinstadt an der Westküste
Floridas, macht sich Powers auf, unterbewertete Aktien zu finden.

Die andere Seite der Welt darf in einem Fondsdepot ebenfalls nicht
fehlen. Auch wenn Asien und Japan oft unberechenbar sind, empfiehlt es
sich, mit dabei zu sein. Es könnte durchaus mal wieder losgehen. Unser
Vertrauen bekommt Roger Ellis, der bei Fleming einen der besten
Pacific-Fonds betreut.

Osteuropa bringt Würze

Noch etwas mehr Würze bringen zwei neue Fonds in das Depot, die
höhere Chancen haben - aber stärkere Verluste einfahren können. Mit einem
kleineren Anteil lohnt es sich, auf Osteuropa und den Neuen Markt zu
setzen.
Als profunder Kenner der Aktienwelt in Polen, Ungarn und Russland gilt
Jürgen Kirsch. Mit Griffen Capital Management hat er sich vor vier Jahren
selbstständig gemacht und betreut den Griffin Eastern European Fund. "Wir
sind zwar noch vorsichtig, doch in den nächsten Monaten dürften viele
Investmenthäuser die Emerging Markets auf Übergewichten stellen", sagt
Kirsch zur Lage. "Kein schlechter Zeitpunkt zum Einstieg, zumal die EU-Kandidaten klare Pluspunkte in der Klasse der Schwellenländer besitzen."

Bei Lupus Alpha Asset Management ist mit Karl Fickel einer der besten
Experten für deutsche Nebenwerte dabei. Der Name Lupus Alpha - lateinisch
für "Leitwolf" - ist Programm. Ohne eine Bank oder Versicherung im Rücken
wollen die fünf Partner neben privaten in erster Linie institutionelle Kunden
gewinnen. Das junge Unternehmen möchte Leitwolf der Branche werden -
klein, aber fein, und das Richtige für ein Fondsdepot.
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