Indien ist mit über einer Milliarde Menschen nach China das am stärksten bevölkerte Land der Welt. Es stellt eine starke binnenorientierte Volkswirtschaft und kann sich deshalb von der Weltwirtschaft weitgehend abkoppeln. Vor Ausbruch der Lungenseuche SARS veranschlagten Volkswirte das Wirtschaftswachstum für 2003 auf 6,4 Prozent.
Indien sei aufgrund der Bevölkerungszahl und wegen des hohen Anteils junger Menschen - 35 Prozent sind jünger als 15 Jahre alt - ein Wachstumsmarkt, schreibt Sanji Duggal, Indien-Fondsmanager für HSBC Asset Management, in einer Studie seines Bankhauses.
Dem Asienstrategen Ben Rudd von ABN Amro gefällt ebenso wie seinem Berufskollegen Christopher Wood von der Crédit Lyonnais-Tochter CLSA der attraktive Mix aus Wachstum, Gewinnsicherheit und Werthaltigkeit. Und David Scott, Aktienstratege der Deutschen Bank, meint, das Land habe das Potential, nach China zur zweiten großen Quelle für Billigprodukte zu werden.
In Indien ist das Absatzpotenzial für Konsumgüter riesig. Zudem konnte sich der Subkontinent in den Sparten Pharma und Software aufgrund der hohen Qualifikation des Personals und wegen günstiger Kostenstrukturen Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Schwellenländern erarbeiten.
Börsen führen noch ein Schattendasein
Dennoch führt Indien immer noch immer ein Schattendasein. Das ist vor allem auf die geringe Öffnung der Volkswirtschaft gegenüber ausländischen Investoren zurückzuführen. Auch das hohe Länderrisiko aufgrund des Kaschmir-Konflikts hält derzeit noch viele Investoren von einer Kapitalanlage auf dem Subkontinent ab. Hinzu kommt, dass der Staat chronisch klamm ist.
Alle diese Faktoren haben dazu geführt, dass der indische Aktienmarkt günstig bewertet ist. Nachdem der an der Börse Bombay ermittelte Länderindex Sensex in diesem Jahr rund 13 Prozent an Wert eingebüßt hat, liegt die Marktkapitalisierung noch nicht einmal bei einem Viertel des Bruttosozialprodukts. Weitsichtigen Investoren bietet der indische Markt deshalb eine Reihe interessanter Titel.
Vor diesem Hintergrund ist für Anleger die Einschätzung von Analyst Duggal interessant, vor allem große und liquide Unternehmen aus den Bereichen Informationstechnologie, Konsumgüter, Basisindustrie und Rohstoffe. Kirk Henry, Manager des Mellon-Fonds, bewertet ebenfalls Aktien von Konsumgüterherstellern als sehr chancenreich. "Indien weist die größte Mittelschicht der Welt auf", gibt der Portfoliomanager zu bedenken. Dies sei ein wichtiger Katalysator für die künftige Entwicklung der inländischen Konsumgüterindustrie. Zudem habe sich bei den Verbrauchern ein psychologischer Wandel vollzogen.
Interessante Aktien
Während sich ihr Konsum in der Vergangenheit in der Regel auf Güter beschränkt hätte, die sie bar bezahlen konnten, nähmen sie heute in zunehmendem Maße Kredite in Anspruch und nutzten Kreditkarten. Die immer größere Öffnung gegenüber finanziertem Konsum berge zusätzliches Potenzial für die indische Wirtschaft, so Henry weiter.
Wegen des schnell wachsenden Marktes für Konsumentenkredite empfiehlt David Scott die Banken ICICI und HDFC zum Kauf. ICIC ist das zweitgrößte Kreditinstitut des Subkontinents nach der staatlichen Bank of India. Es erfüllt mit seinem riesigen Kundenstamm alle an eine Universalbank gestellten Anforderungen. Ein KGV von weniger als sieben auf Basis des für 2003/04 erwarteten Gewinns lässt der Aktie noch Spielraum nach oben.
Bei IT-Dienstleistungen ist Indien auf der Weltbühne ein Outsourcing-Star. Die Lohnkosten der Softwarehäuser liegen in der Regel 90 Prozent unter denen ihrer nordamerikanischen Konkurrenten. Allerdings drückten zuletzt extrem tiefe Preise auf die Gewinnmargen. Doch selbst bei einer sich weiter verschlechternden US-Konjunktur rechnen die meisten Asienexperten nun kaum noch mit einem weiteren Preisverfall.
Zwar ist für Christopher Wood der Bärenmarkt noch lange nicht ausgestanden. Kurzfristig erwartet er aber einen kräftigen Schub für Aktien und rät zum "taktischen Kauf" indischer Softwarehäuser. Ian McLennan gefallen die Papiere von Auftragsherstellern - alles hauptsächlich IT-Werte - dagegen weniger gut. Er meint, der Wettbewerb bleibe so hart, dass die Margen trotz wachsender Umsätze weiter schrumpfen könnten.
Aktien aus der IT-Industrie
Die Kursrückgänge der vergangenen Zeit machen dagegen für David Scott Papiere der Softwareschmieden Infosys und HCL Technologies jetzt zu Kaufgelegenheiten. Allerdings gab der Analyst der Deutschen Bank - ebenso wie die Investmentbanker von Raymond James - die Kaufempfehlung für Infosys vor der Veröffentlichung der Q4-Zahlen und dem mit ihnen verbundenen getrübten Ausblick für die nächsten Jahre ab.
Das indische Investmenthaus Khandwala Research meldete sich allerdings nach dem jüngsten Kursrutsch zu Wort und riet an schwachen Tagen zum Kauf der Aktie. Allerdings könne man aus der jüngsten Entwicklung lernen, dass es für das Management unmöglich sei, über einen langen Zeitraum haltbare Prognosen zu treffen. Für andere Analysten stellt der rapide Kursverfall von mehr als 35 Prozent noch nicht das Ende dar.
Der Absturz der Aktie werfe obendrein die Frage auf, wie es um die Wachstumsprognosen von kleineren Unternehmen der Technologiebranche in Indien steht, wenn bereits Softwareriesen wie Infosys pessimistisch in die Zukunft blickten. Infosys hat im abgelaufenen Geschäftsjahr (zum 31. März) die Erlöse um 40 Prozent auf umgerechnet 780 Millionen Euro gesteigert. Für das laufende Fiskaljahr erwarten Analysten laut Multex Estimates rund 25 Prozent höhere Umsätze und einen 17 Prozent höheren Gewinn von umgerechnet 237 Millionen Euro.
Benn Rudd von ABN Amro empfiehlt neben Infosys auch die Aktie von Satyam Computer. Das Unternehmen ist der viertgrößte Softwareexporteur des Landes und bietet eine umfassende Bandbreite an IT-Dienstleistungen an. Mit 14 Entwicklungszentren in Nordamerika, Europa, Asien und Australien verfügt Satyam Computer über eine globale Infrastruktur. Mehr als 8000 angeschlossene Ingenieure und Techniker betreuen über 300 Kunden in aller Welt.
Das vor 16 Jahren gegründete Unternehmen hat eine rasante Entwicklung hinter sich. Die operative Marge wird im vergangenen Geschäftsjahr 2002/03 (31. März) voraussichtlich 32 Prozent erreicht haben. Satyam Computer ist mit einer 2003er-Gewinnbewertung von unter zehn derzeit der preisgünstigste indische Technologiewert an westlichen Börsen. Das Unternehmen hat keine Schulden und mehr als 1,70 Dollar Cash pro ADR in der Firmenkasse.
Bajaj Auto und Tata Engineering: Wachstumstrend Motorisierung
Einige Analysten geben auch positive Einschätzungen zu Automobilaktien wie Bajaj Auto und Tata Engineering ab. Um das rückläufige Wachstum anzukurbeln, will Indiens zweitgrößter Hersteller von Zwei- und Dreirädern Bajaj Auto neue elektrisch betriebene Fahrzeuge (Scooter) auf den Markt bringen. Die Investmentbanker von Raymond James meinen, dass im Geschäftsjahr 2004 die Umsätze durch steigende Exporte und neue Motorradmodelle steigen werden. Sie haben vor diesem Hintergrund ihre Kaufempfehlung für die Aktie erneuert.
Freundliche Kommentare der Analysten kann auch der größte Lastkraftwagen- und Bushersteller des Landes, Tata Engineering, auf sich vereinigen. Der indische Mischkonzern dürfte vor allem von Exporten nach China profitieren, da dort der Automarkt boomt. Prafull Rai vom indischen Investmenthaus ENAM Securities hat die Aktie von "Sell" auf "Buy" heraufgestuft, da das Gewinnmomentum den Aktienkurs über das nach der Discounted-Cash-Flow-Analyse berechnete Kursniveau von 200 Rupien (umgerechnet 3,85 Euro) hinaus führen dürfte.
Die Analysten von Khandwala Securities haben die Aktie wegen der im Staatshaushalt angekündigten Steuerkürzung bei Nutzfahrzeugen und angesichts des anhaltenden Wachstums im Fahrgasttransportbereich als "Outperformer" eingestuft. Kalpesh Parekh von Auerbach Grayson ist besonders beeindruckt von den hochmodern ausgestatteten Produktionsstätten des Unternehmens. Sein Rating für die Tata-Aktie lautet auf "Buy".
Indien sei aufgrund der Bevölkerungszahl und wegen des hohen Anteils junger Menschen - 35 Prozent sind jünger als 15 Jahre alt - ein Wachstumsmarkt, schreibt Sanji Duggal, Indien-Fondsmanager für HSBC Asset Management, in einer Studie seines Bankhauses.
Dem Asienstrategen Ben Rudd von ABN Amro gefällt ebenso wie seinem Berufskollegen Christopher Wood von der Crédit Lyonnais-Tochter CLSA der attraktive Mix aus Wachstum, Gewinnsicherheit und Werthaltigkeit. Und David Scott, Aktienstratege der Deutschen Bank, meint, das Land habe das Potential, nach China zur zweiten großen Quelle für Billigprodukte zu werden.
In Indien ist das Absatzpotenzial für Konsumgüter riesig. Zudem konnte sich der Subkontinent in den Sparten Pharma und Software aufgrund der hohen Qualifikation des Personals und wegen günstiger Kostenstrukturen Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Schwellenländern erarbeiten.
Börsen führen noch ein Schattendasein
Dennoch führt Indien immer noch immer ein Schattendasein. Das ist vor allem auf die geringe Öffnung der Volkswirtschaft gegenüber ausländischen Investoren zurückzuführen. Auch das hohe Länderrisiko aufgrund des Kaschmir-Konflikts hält derzeit noch viele Investoren von einer Kapitalanlage auf dem Subkontinent ab. Hinzu kommt, dass der Staat chronisch klamm ist.
Alle diese Faktoren haben dazu geführt, dass der indische Aktienmarkt günstig bewertet ist. Nachdem der an der Börse Bombay ermittelte Länderindex Sensex in diesem Jahr rund 13 Prozent an Wert eingebüßt hat, liegt die Marktkapitalisierung noch nicht einmal bei einem Viertel des Bruttosozialprodukts. Weitsichtigen Investoren bietet der indische Markt deshalb eine Reihe interessanter Titel.
Vor diesem Hintergrund ist für Anleger die Einschätzung von Analyst Duggal interessant, vor allem große und liquide Unternehmen aus den Bereichen Informationstechnologie, Konsumgüter, Basisindustrie und Rohstoffe. Kirk Henry, Manager des Mellon-Fonds, bewertet ebenfalls Aktien von Konsumgüterherstellern als sehr chancenreich. "Indien weist die größte Mittelschicht der Welt auf", gibt der Portfoliomanager zu bedenken. Dies sei ein wichtiger Katalysator für die künftige Entwicklung der inländischen Konsumgüterindustrie. Zudem habe sich bei den Verbrauchern ein psychologischer Wandel vollzogen.
Interessante Aktien
Während sich ihr Konsum in der Vergangenheit in der Regel auf Güter beschränkt hätte, die sie bar bezahlen konnten, nähmen sie heute in zunehmendem Maße Kredite in Anspruch und nutzten Kreditkarten. Die immer größere Öffnung gegenüber finanziertem Konsum berge zusätzliches Potenzial für die indische Wirtschaft, so Henry weiter.
Wegen des schnell wachsenden Marktes für Konsumentenkredite empfiehlt David Scott die Banken ICICI und HDFC zum Kauf. ICIC ist das zweitgrößte Kreditinstitut des Subkontinents nach der staatlichen Bank of India. Es erfüllt mit seinem riesigen Kundenstamm alle an eine Universalbank gestellten Anforderungen. Ein KGV von weniger als sieben auf Basis des für 2003/04 erwarteten Gewinns lässt der Aktie noch Spielraum nach oben.
Bei IT-Dienstleistungen ist Indien auf der Weltbühne ein Outsourcing-Star. Die Lohnkosten der Softwarehäuser liegen in der Regel 90 Prozent unter denen ihrer nordamerikanischen Konkurrenten. Allerdings drückten zuletzt extrem tiefe Preise auf die Gewinnmargen. Doch selbst bei einer sich weiter verschlechternden US-Konjunktur rechnen die meisten Asienexperten nun kaum noch mit einem weiteren Preisverfall.
Zwar ist für Christopher Wood der Bärenmarkt noch lange nicht ausgestanden. Kurzfristig erwartet er aber einen kräftigen Schub für Aktien und rät zum "taktischen Kauf" indischer Softwarehäuser. Ian McLennan gefallen die Papiere von Auftragsherstellern - alles hauptsächlich IT-Werte - dagegen weniger gut. Er meint, der Wettbewerb bleibe so hart, dass die Margen trotz wachsender Umsätze weiter schrumpfen könnten.
Aktien aus der IT-Industrie
Die Kursrückgänge der vergangenen Zeit machen dagegen für David Scott Papiere der Softwareschmieden Infosys und HCL Technologies jetzt zu Kaufgelegenheiten. Allerdings gab der Analyst der Deutschen Bank - ebenso wie die Investmentbanker von Raymond James - die Kaufempfehlung für Infosys vor der Veröffentlichung der Q4-Zahlen und dem mit ihnen verbundenen getrübten Ausblick für die nächsten Jahre ab.
Das indische Investmenthaus Khandwala Research meldete sich allerdings nach dem jüngsten Kursrutsch zu Wort und riet an schwachen Tagen zum Kauf der Aktie. Allerdings könne man aus der jüngsten Entwicklung lernen, dass es für das Management unmöglich sei, über einen langen Zeitraum haltbare Prognosen zu treffen. Für andere Analysten stellt der rapide Kursverfall von mehr als 35 Prozent noch nicht das Ende dar.
Der Absturz der Aktie werfe obendrein die Frage auf, wie es um die Wachstumsprognosen von kleineren Unternehmen der Technologiebranche in Indien steht, wenn bereits Softwareriesen wie Infosys pessimistisch in die Zukunft blickten. Infosys hat im abgelaufenen Geschäftsjahr (zum 31. März) die Erlöse um 40 Prozent auf umgerechnet 780 Millionen Euro gesteigert. Für das laufende Fiskaljahr erwarten Analysten laut Multex Estimates rund 25 Prozent höhere Umsätze und einen 17 Prozent höheren Gewinn von umgerechnet 237 Millionen Euro.
Benn Rudd von ABN Amro empfiehlt neben Infosys auch die Aktie von Satyam Computer. Das Unternehmen ist der viertgrößte Softwareexporteur des Landes und bietet eine umfassende Bandbreite an IT-Dienstleistungen an. Mit 14 Entwicklungszentren in Nordamerika, Europa, Asien und Australien verfügt Satyam Computer über eine globale Infrastruktur. Mehr als 8000 angeschlossene Ingenieure und Techniker betreuen über 300 Kunden in aller Welt.
Das vor 16 Jahren gegründete Unternehmen hat eine rasante Entwicklung hinter sich. Die operative Marge wird im vergangenen Geschäftsjahr 2002/03 (31. März) voraussichtlich 32 Prozent erreicht haben. Satyam Computer ist mit einer 2003er-Gewinnbewertung von unter zehn derzeit der preisgünstigste indische Technologiewert an westlichen Börsen. Das Unternehmen hat keine Schulden und mehr als 1,70 Dollar Cash pro ADR in der Firmenkasse.
Bajaj Auto und Tata Engineering: Wachstumstrend Motorisierung
Einige Analysten geben auch positive Einschätzungen zu Automobilaktien wie Bajaj Auto und Tata Engineering ab. Um das rückläufige Wachstum anzukurbeln, will Indiens zweitgrößter Hersteller von Zwei- und Dreirädern Bajaj Auto neue elektrisch betriebene Fahrzeuge (Scooter) auf den Markt bringen. Die Investmentbanker von Raymond James meinen, dass im Geschäftsjahr 2004 die Umsätze durch steigende Exporte und neue Motorradmodelle steigen werden. Sie haben vor diesem Hintergrund ihre Kaufempfehlung für die Aktie erneuert.
Freundliche Kommentare der Analysten kann auch der größte Lastkraftwagen- und Bushersteller des Landes, Tata Engineering, auf sich vereinigen. Der indische Mischkonzern dürfte vor allem von Exporten nach China profitieren, da dort der Automarkt boomt. Prafull Rai vom indischen Investmenthaus ENAM Securities hat die Aktie von "Sell" auf "Buy" heraufgestuft, da das Gewinnmomentum den Aktienkurs über das nach der Discounted-Cash-Flow-Analyse berechnete Kursniveau von 200 Rupien (umgerechnet 3,85 Euro) hinaus führen dürfte.
Die Analysten von Khandwala Securities haben die Aktie wegen der im Staatshaushalt angekündigten Steuerkürzung bei Nutzfahrzeugen und angesichts des anhaltenden Wachstums im Fahrgasttransportbereich als "Outperformer" eingestuft. Kalpesh Parekh von Auerbach Grayson ist besonders beeindruckt von den hochmodern ausgestatteten Produktionsstätten des Unternehmens. Sein Rating für die Tata-Aktie lautet auf "Buy".