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Hier nur ein Ausschnitt:
Für das Jahr 2016 werden in Deutschland knapp 500.000 Tumorneudiagnosen erwartet, die Inzidenz hat in den letzten Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung zugenommen. "Wir verstehen Pathogenese und Verlauf von soliden und hämatologischen Tumorerkrankungen immer besser", sagte Professor Carsten Bokemeyer, Direktor der Medizinischen Klinik II und Poliklinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) in Leipzig.
"Mit innovativen Formen der Immuntherapie, mit den vielen gezielten Arzneimitteln zur Hemmung von Gefäßwachstum und von tumorwachstumsrelevanten Signalwegen, aber auch mit neuen Chemo- und Hormontherapien hat sich unser ‚Werkzeugkasten‘ in wenigen Jahren fast verdoppelt", so der Geschäftsführende Vorsitzende der DGHO. Das sei ein "Riesengewinn". Schon heute überleben nach Daten des Robert Koch-Instituts zufolge 60 Prozent der Krebspatienten die Erkrankung für mindestens 10 Jahre, etwa die Hälfte der Malignome gilt als heilbar. Der Anteil kurativ therapierter Patienten wird Schätzungen zufolge künftig weiter steigen, aber auch der Anteil jener Patienten, die, wenn auch keine Heilung, so doch eine gute Krankheitskontrolle erreichen und nicht mehr am Malignom sterben.
Dieser Wissenszuwachs mache die Behandlung allerdings immer komplexer, so Bokemeyer weiter: "Mit singulären Therapieansätzen werden wir dieser Komplexität nicht gerecht. In der medikamentösen Tumortherapie brauchen wir sehr spezifische Arzneimittel und vor allem Regime, die verschiedene Ansätze miteinander kombinieren." Bei einer wirksamen Krebstherapie sei das Ganze mehr als die Summe seiner Teile, es gelte, durch Kombinationen synergistische Effekte zu erzeugen.
Molekular-Diagnostik essenziell für neue Therapien
Hämatologie und Onkologie erlebten derzeit einen Paradigmenwechsel: von der organzentrierten Betrachtungsweise des Krebses hin zu einer organübergreifenden, systemischen Perspektive, sagte Professor Andreas Hochhaus, Direktor der Abteilung Hämatologie/Internistische Onkologie am Universitätsklinikum Jena. "Wo wir früher Malignome anhand ihrer Lokalisation klassifiziert haben, werden wir in Zukunft verstärkt Klassifikationen haben, die auf bestimmten genetischen und epigenetischen Veränderungen des Tumorgewebes und auf immunologischen Merkmalen basieren", so der Kongresspräsident.
So könne ein bestimmtes Immuntherapeutikum bei Lungen- und Nierenkarzinomen gut wirken oder ein- und dasselbe Arzneimittel aus der Gruppe der "targeted therapies" bei einer Leukämie und beim Melanom.
Mit modernen molekularbiologischen Verfahren wie Weiterentwicklungen der PCR und mit der Next-Generation-Sequenzierung (NGS) lassen sich Tumoren bei Erstdiagnose biologisch viel genauer beschreiben als früher. Aber auch die klonale Evolution von Malignomen unter dem Selektionsdruck der Medikamente lässt sich verfolgen, minimale Resterkrankungen (MRD) lassen sich mit höherer Sensitivität nachweisen. "Solche Verfahren verbessern die Wahl der Therapie und ihre Anpassung, zum Beispiel bei der Entstehung von Resistenzen", so Hochhaus.