Bonn (Reuters) - Die Deutsche Telekom hat in den Geschäftsmonaten Januar bis September beim Umsatz zugelegt, im operativen Geschäft aber Einbußen erlitten. Dem am Dienstag in Bonn veröffentlichten schwächeren Ergebnis auf vergleichbarer Basis zum Vorjahr steht aber ein unerwartet hoher außerordentlicher Konzernüberschuss von 8,4 Milliarden Euro gegenüber, der aus Anteilsverkäufen stammt.
Trotz des im Rahmen der Analystenerwartungen ausgefallenen Neunmonatsberichts gerieten die Telekom-Aktien unter Druck. Die hohen Finanzverbindlichkeiten verstimmten nach Angaben von Händlern einige Investoren, so dass der Kurs gegen den Markttrend um vier Prozent auf 42,21 Euro fiel. Aktienhändler machten auch Gewinnmitnahmen aus. Analysten sehen aber kein erneutes Abwärtspotenzial für die Telekom-Papiere.
Der Umsatz des auf rund 207.000-Mitarbeiter gewachsenen Telekom-Konzerns stieg vorläufigen Unternehmensberechnungen zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,5 Prozent auf 29,3 Milliarden Euro. Angetrieben wurde der Umsatz den Angaben zufolge vor allem von den Auslandsbeteiligungen in Frankreich und Großbritannien. Allerdings minderten die Beteiligungen im Berichtszeitraum das Ergebnis, da Abschreibungen auf die Firmenwerte anfielen. Gedrückt wurde das Konzernergebnis auch durch Abschreibungen auf die Kosten für das UMTS-Mobilfunkgeschäft.
Der deutlich auf 0,7 Milliarden Euro von 1,25 Milliarden Euro im Vorjahr gesunkene Konzernüberschuss ohne Sondereffekte aus Anteilsverkäufen war wie der Umsatzanstieg von Analysten erwartet worden. Unerwartet hoch fiel hingegen der Konzernüberschuss einschließlich Sondereffekte mit 8,4 Milliarden Euro aus. Möglicherweise sei die Steuerbelastung aus dem Verkauf von Mehrheitsanteilen an den TV-Kabelgesellschaften in Nordrhein-Westfalen und Hessen in Höhe von knapp drei Milliarden Euro vor Steuern geringer als erwartet, sagten Branchenexperten. Aus dem vorzeitig verbuchten Verkaufserlös der Anteile an dem italienischen Telefon-Konsortium Wind erzielte die Telekom einen steuerfreien Gewinn von 2,3 Milliarden Euro.
Wegen der unerwartet hohen außerordentlichen Erträge sehen Analysten Erklärungsbedarf. Aleksander Kuntz, Analyst bei der ING-Tochter Amstgeld, verwies darauf, dass der Erlös aus dem Verkauf der Wind-Anteile erst im ersten Halbjahr 2001 fließen wird, bereits aber jetzt verbucht wird. Die Telekom hält dieses Vorgehen für gerechtfertigt. Die Analysten warten nun auf die für den 30. November angekündigten Details zum Konzernergebnis, um unter anderem die fortgesetzten hohen Kosten für die Kundengewinnung im Mobilfunkgeschäft abschätzen zu können, die die Telekom zunächst nicht bezifferte. Die Zahl der Mobilfunkkunden verdoppelte sich binnen Jahresfrist auf 26,5 Millionen. Rund 39 Prozent der Mobilfunkkunden stammten mittlerweile aus dem Ausland, hieß es.
Auch der der deutliche Anstieg der Brutto-Verschuldung auf 62,1 Milliarden Euro zum 30. September war von Analysten weitgehend erwartet worden. Ende Juni dieses Jahres hatte die Summe noch bei 49,9 Milliarden Euro gelegen, vor Jahresfrist bei 38,5 Milliarden Euro. Der erhöhte Kapitalbedarf erklärt sich den Angaben zufolge aus den Kosten für die UMTS-Mobilfunklizenzen in Deutschland und den Niederlanden sowie aus neuen Kapitalbeteiligungen in den USA, der Slowakei und Ungarn. Die Telekom reduzierte zugleich ihre liquiden Mittel und weist ihre Netto- Finanzschulden nun mit 56,7 Milliarden Euro aus. Zuletzt hatten Ratingagenturen die Bonität der Telekom wegen der steigenden Verschuldung gesenkt.
In der Wachstumssparte Internet wurde einen deutlichen Anstieg der Kundenzahlen verzeichnet. T-Online verdoppelte nahezu den Kundenbestand binnen Jahresfrist auf sieben Millionen, wovon auf die Töchter in Spanien und Frankreich rund eine Millionen Kunden entfallen. Zahlen zum Geschäftsverlauf von T-Online werden in den nächsten Tagen erwartet.
Von Reuters befragte Analysten sehen zunächst keinen Grund für Veränderungen der Aktien-Bewertung. Die Telekom-Analystin der Bank Vontobel, Petra Nix, beurteilt die Geschäftsaussichten des Telekom-Konzerns für das vierte Quartal allerdings zurückhaltend. "Im letzten Quartal 2000 wird die Telekom voraussichtlich einen operativen Verlust erleiden", sagte die Analystin und verwies auf die anstehende Erstkonsolidierung von Debis Systemhaus, die nochmal steigenden Kosten des UMTS-Geschäfts und die Kundengewinnungskosten im Mobilfunk.