Deutsche Banken tun sich schwer bei Reform der Aktien-Analyse - Bisher nur kosmetische Korrektur
von Holger Zschäpitz
Berlin - In Deutschland sind Analysten noch Waisenknaben. Während in den USA die Banken für ihre teilweise fragwürdigen Research-Studien der vergangenen Jahre jetzt schmerzhaft zur Verantwortung gezogen werden, ist hier zu Lande die Diskussion um die Rolle von Analysten längst ins Stocken geraten.
Die faktischen Änderungen haben bisher wenig bewirkt. Zudem hält man bei den hiesigen Instituten strengere Vorschriften nach dem Vorbild der Wall Street für überflüssig. "Bei uns war das Investmentbanking und Research schon immer getrennt, so dass es keine Interessenkonflikte gibt", heißt es beim Branchenprimus Deutsche Bank. Und auch die DZ-Bank sieht keinerlei Handlungszwang, als ob es die Euphorie am Neuen Markt und die zahlreichen Neuemissionen unreifer Unternehmen nie gegeben hätte: "Unsere Analysten arbeiten schon immer nach den Regeln, die jetzt in den USA verabschiedet wurden."
In New York haben die US-Aufsichtsbehörden die Untersuchung von Betrugsvorwürfen gegen etliche Investmentbanken nun abgeschlossen. Die Beschuldigten müssen 1,4 Mrd. Dollar zahlen - die höchste Strafe in der Geschichte der Wall Street. Hintergrund der Ermittlungen waren Vorwürfe, dass Analysten übertrieben positive Aktienempfehlungen abgegeben hätten, um das Geschäft für die Investment-Sparten ihrer Arbeitgeber anzukurbeln. Auch einzelne Experten waren ins Visier der Ermittler geraten: So müssen die ehemaligen Staranalysten Henry Blodget und Jack Grubman saftige Strafen bezahlen. Darüber einigten sich die Streitparteien auf härtere Auflagen für die Analysten. Künftig sind Wertpapierexpertise und Investmentbanking strikt zu trennen. Die Neuregelung geht sogar so weit, dass beide Abteilungen innerhalb einer Bank unabhängig voneinander geführt und überwacht werden müssen. "Während man in den USA aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und das Reserch reformiert, trifft man in Deutschland bei den Banken fast schon auf ein Kartell des Schweigens", kritisiert ein Branchenbeobachter.
Dabei befindet sich längst nicht nur die Aktienanalyse in den USA in einer tiefen Krise. Auch hier zu Lande stehen Analysten in dem Ruf, oft wider besseres Wissen Aktien zum Kauf zu empfehlen. Prominente Beispiele wie der ehemalige, fast schon pathologische Optimismus für das Medienunternehmen EM.TV oder die T-Aktie sind noch nicht vergessen. Schließlich ließ sich gerade an der Akquisitionstour von EM.TV für die Banker viel Geld verdienen. Auch das Geschäft mit den Börsengängen der Deutschen Telekom wollten nur wenige Institute durch negative Expertisen stören. Leidtragende waren stets die Anleger, die blauäugig den Expertisen der Profis vertrauen und oft Schiffbruch erlitten.
Besonders groß waren die Parallelen zwischen dem Neuen Markt und der US-Technologiebörse Nasdaq. Beiderseits des Atlantik wurden etwa attraktive Kunden durch die Zuteilung bei lukrativen Neuemissionen belohnt. "Sicher waren die Exzesse an der Wall Street schon alleine durch den Starkult der Analysten um ein vielfaches größer. Doch Verfehlungen gab es auch in Deutschland, die in der Zukunft unbedingt vermieden werden müssen", fordert ein Kapitalmarktexperte.
Immerhin wurden in Deutschland mit dem vierten Finanzmarktförderungsgesetz bereits die Transparenzregeln für Analysten verschärft. So müssen seit Juli 2002 auf allen Research-Notes mögliche Interessenkonflikte vermerkt werden. Doch bis heute ist die deutsche Aufsichtsbehörde vor allem damit beschäftigt, die Gesetzesbestimmungen zu erläutern. Ein Bußgeld wurde bislang noch nicht verhängt.
Immerhin aber dürften die neuen Wall-Street-Regeln auch deutschen Anlegern zugute kommen. Sämtliche Investmentbanken wollen die neuen Regeln auch für ihr deutsches Research anwenden. Und damit wären über kurz oder lang auch die hiesigen Banken zu einem Umbau des Research gezwungen.
von Holger Zschäpitz
Berlin - In Deutschland sind Analysten noch Waisenknaben. Während in den USA die Banken für ihre teilweise fragwürdigen Research-Studien der vergangenen Jahre jetzt schmerzhaft zur Verantwortung gezogen werden, ist hier zu Lande die Diskussion um die Rolle von Analysten längst ins Stocken geraten.
Die faktischen Änderungen haben bisher wenig bewirkt. Zudem hält man bei den hiesigen Instituten strengere Vorschriften nach dem Vorbild der Wall Street für überflüssig. "Bei uns war das Investmentbanking und Research schon immer getrennt, so dass es keine Interessenkonflikte gibt", heißt es beim Branchenprimus Deutsche Bank. Und auch die DZ-Bank sieht keinerlei Handlungszwang, als ob es die Euphorie am Neuen Markt und die zahlreichen Neuemissionen unreifer Unternehmen nie gegeben hätte: "Unsere Analysten arbeiten schon immer nach den Regeln, die jetzt in den USA verabschiedet wurden."
In New York haben die US-Aufsichtsbehörden die Untersuchung von Betrugsvorwürfen gegen etliche Investmentbanken nun abgeschlossen. Die Beschuldigten müssen 1,4 Mrd. Dollar zahlen - die höchste Strafe in der Geschichte der Wall Street. Hintergrund der Ermittlungen waren Vorwürfe, dass Analysten übertrieben positive Aktienempfehlungen abgegeben hätten, um das Geschäft für die Investment-Sparten ihrer Arbeitgeber anzukurbeln. Auch einzelne Experten waren ins Visier der Ermittler geraten: So müssen die ehemaligen Staranalysten Henry Blodget und Jack Grubman saftige Strafen bezahlen. Darüber einigten sich die Streitparteien auf härtere Auflagen für die Analysten. Künftig sind Wertpapierexpertise und Investmentbanking strikt zu trennen. Die Neuregelung geht sogar so weit, dass beide Abteilungen innerhalb einer Bank unabhängig voneinander geführt und überwacht werden müssen. "Während man in den USA aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und das Reserch reformiert, trifft man in Deutschland bei den Banken fast schon auf ein Kartell des Schweigens", kritisiert ein Branchenbeobachter.
Dabei befindet sich längst nicht nur die Aktienanalyse in den USA in einer tiefen Krise. Auch hier zu Lande stehen Analysten in dem Ruf, oft wider besseres Wissen Aktien zum Kauf zu empfehlen. Prominente Beispiele wie der ehemalige, fast schon pathologische Optimismus für das Medienunternehmen EM.TV oder die T-Aktie sind noch nicht vergessen. Schließlich ließ sich gerade an der Akquisitionstour von EM.TV für die Banker viel Geld verdienen. Auch das Geschäft mit den Börsengängen der Deutschen Telekom wollten nur wenige Institute durch negative Expertisen stören. Leidtragende waren stets die Anleger, die blauäugig den Expertisen der Profis vertrauen und oft Schiffbruch erlitten.
Besonders groß waren die Parallelen zwischen dem Neuen Markt und der US-Technologiebörse Nasdaq. Beiderseits des Atlantik wurden etwa attraktive Kunden durch die Zuteilung bei lukrativen Neuemissionen belohnt. "Sicher waren die Exzesse an der Wall Street schon alleine durch den Starkult der Analysten um ein vielfaches größer. Doch Verfehlungen gab es auch in Deutschland, die in der Zukunft unbedingt vermieden werden müssen", fordert ein Kapitalmarktexperte.
Immerhin wurden in Deutschland mit dem vierten Finanzmarktförderungsgesetz bereits die Transparenzregeln für Analysten verschärft. So müssen seit Juli 2002 auf allen Research-Notes mögliche Interessenkonflikte vermerkt werden. Doch bis heute ist die deutsche Aufsichtsbehörde vor allem damit beschäftigt, die Gesetzesbestimmungen zu erläutern. Ein Bußgeld wurde bislang noch nicht verhängt.
Immerhin aber dürften die neuen Wall-Street-Regeln auch deutschen Anlegern zugute kommen. Sämtliche Investmentbanken wollen die neuen Regeln auch für ihr deutsches Research anwenden. Und damit wären über kurz oder lang auch die hiesigen Banken zu einem Umbau des Research gezwungen.